EMG Urkunde

Der Meininger Wanderverein Bakuninhütte e.V. erhält für sein ehrenamtliches Engagement den diesjährigen Erich Mühsam-Förderpreis.

Der Meininger Wanderverein Bakuninhütte erhielt den Erich-Mühsam-Förderpreis am 26. Oktober im Berliner Literaturhaus verliehen. Über 80 Menschen waren der Einladung zu dieser Veranstaltung gefolgt, die von vertonten Erich Mühsam-Gedichten, hervorragend interpretiert von Isabel Neuenfeldt (Gesang / Akkordeon), umrahmt war. Der Namensgeber der Auszeichnung, Erich Mühsam, hatte die Bakuninhütte 1930 mehrmals besucht, für deren Erhalt und Belebung sich der Wanderverein seit 2005 unermüdlich einsetzt.

Für den Verein ein langer, steiniger Weg, den der Kreisheimatpfleger Axel Wirth in seiner Laudatio anlässlich der Preisverleihung im Literaturhaus Berlin beschreibt:

Dieses außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement – teils aus großer Ferne – wurde begleitet von geradezu unlösbar erscheinenden Problemen bezüglich Eigentum, Baurecht, Nutzung und Bewirtschaftung, Zufahrtsrecht, persönlicher und ideologischer Missgunst und anderem mehr. […]

Mit unzähligen weiteren Maßnahmen der hoch professionellen Öffentlichkeitsarbeit des Vereins ist es gelungen, verschollenes heimatgeschichtliches Wissen maßgeblich wieder ins öffentliche Bewusstsein zu holen: 2015 wurde die Bakuninhütte zum Kulturdenkmal erklärt. Die Akteure des „Wandervereins Bakuninhütte e.V.“ waren und sind dabei die ausschlaggebende Triebfeder – wissenschaftlich, handwerklich und äußerst gastfreundlich.

Für den Wanderverein Bakuninhütte betonte Kai Richarz in seiner Dankesrede insbesondere die überaus wertvolle Unterstützung durch eine Vielzahl von Freunden und Förderern. Gleichzeitig honorierte er die große Anerkennung für die Arbeit der Ehrenamtlichen, die das Wirken des Vereins in hohem Maße beflügeln wird. Er versprach im Namen der Ausgezeichneten, auch weiterhin im Sinne und Geiste Erich Mühsams zu wirken, sein Andenken zu bewahren, und davon ausgehend mit gesellschaftlichen Verhältnissen kritisch umzugehen und nach freiheitlichen Alternativen zu suchen. Darüber hinaus versicherte er die nicht nachlassenden Bemühungen zur Einrichtung des Erich-Mühsam-Wanderweges zur Bakuninhütte. Abschließend bat Kai Richarz alle Mitstreiter um ihre nicht versiegenden Bemühungen, gemeinsam die gesteckten Ziele zu erreichen.

Urkunde Förderpreis der EMG 2019 an den Wanderverein Bakuninhütte e.V.

Der Autor und Anarchist Mühsam wurde am 26. April 1878 in Berlin geboren und wuchs in Lübeck auf. Er lebte als Bohemien und Revolutionär in München, Ascona (Schweiz) und Berlin. Maßgeblich war er an der Ausrufung der Münchener Räterepublik beteiligt. Als einer der ersten Opfer des Nationalsozialismus wurde er am 28. März 1933 verhaftet und ein Jahr später in der Nacht auf den 10. Juli 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet.

Die Erich-Mühsam-Gesellschaft fördert die Verbreitung seines Werkes und Bestrebungen, die in seinem Sinn für Frieden, Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit eintreten. Der Erich-Mühsam-Preis, gestiftet von dem Lübecker Galeristen Frank- Thomas Gaulin, wird alle drei Jahre verliehen.

Die diesjährigen Preisträger des Erich-Mühsam-Preises sind Chris Hirte und Conrad Piens, die Herausgeber der Mühsam-Tagebücher, die er von 1910 bis 1924 verfasst hat. Seit 2009 arbeiten der Literaturwissenschaftler Chris Hirte und der Informatiker und Antiquar Conrad Piens an der Gesamtausgabe der Tagebücher, deren 15. und letzter Band in diesem Jahr im Verbrecher-Verlag, Berlin, erschienen ist.

Spurensuche im historischen Scheunenviertel

Bereits am Nachmittag hatte der Wanderverein Bakuninhütte zu einer historischen Spurensuche „Erich Mühsam und die anarchistischen Gruppen in Berlin“ im Stadtteil Mitte eingeladen: “Dort wo heute Touristenmassen ein Stück “Alt-Berlin” erkunden und in teuren Designerläden “shoppen”, schlug einst das Herz des schwarzen-roten Berlins. Wir erkunden auf diesem Rundgang die authentischen Orte, an denen Erich Mühsam für sein Ideal einer freien Gesellschaft im Rahmen der anarchistischen Gruppen der Kaiserzeit und später der FAUD wirkte.”

Bei sonnigem Herbstwetter fanden sich ca. 22 Personen ein, die interessiert den Ausführungen des fachkundigen Kollegen von der Gustav-Landauer-Denkmalinitiative lauschten. Startpunkt war die Wadzeckstraße 3, wo Mühsams Genossen Berthold Cahn und Fritz Scherer gemeinsam lebten.


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