Wissenschaftliche Ausarbeitung
Die folgenden Ausführungen basieren auf einer Abschlussarbeit (Bachelorarbeit), die im Fachbereich Geschichte an der Freien Universität Berlin eingereicht wurde und hier in leicht überarbeiteter Form widergegeben wird. Die Originalfassung kann als PDF-Datei über den Dokumentenserver der FU Berlin (Refubium) eingesehen werden.

1. Einleitung

„Hier auf dieser Bergeshöhe
stehe ich zum Schutz erbaut
kommet zu mir freie Denker
von den Füßen stoßt den Staub“ (Bl. 10)

„Laßt uns schaffen, laßt uns bauen
eine neue, bessere Welt,
bis das Morsche und das Faule
ganz in sich zusammen fällt.“ (Bl. 19)

Schwer fällt das Scheiden von dieser Stätte der Erholung […] Wir, die wir heute zurück gehen, geloben, alles daran zusetzen, um in den Hirnen der Arbeiter aufzuräumen mit den Geist der Autorität, der jedesmal der Grabgesang der Freiheit war. (Bl. 15)

Diese Zitate vermitteln einen Eindruck von den weltanschaulichen Grundlagen und Wünschen der Menschen, die die Bakuninhütte in den 20er-Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts errichteten beziehungsweise sich mit ihr identifizierten. Die sich aus dem zusammengebrochenen Kaiserreich sowie den Kriegsjahren entwickelten Nöte einerseits und der gesellschaftspolitische Neubeginn in der jungen deutschen Demokratie andererseits, setzten ein Potential gesellschaftsverändernder und -schaffender Kräfte frei. So eröffnete sich für die verschiedensten politischen, religiösen und sozialen Bewegungen ein neuer Möglichkeitsraum zur Errichtung einer besseren Welt: Utopien schienen greifbar zu sein.

Bis ins Jahr 1933 war die Bakuninhütte für ihre Protagonist_innen1 eine Schutzhütte und eine Heimstätte der Bewegung, Grundstück der Arbeiterschaft sowie Kinder- und Ferienheim und schließlich eine Stätte zur Erholung des Körpers und auch des Geistes. Einen Großteil dieser Bezeichnungen, die Rückschlüsse auf die Bedeutung der Hütte für eine bestimmte Klientel ziehen lassen, kennen wir lediglich aus dem Gästebuch der Bakuninhütte.2

Die Bakuninhütte befindet sich auf einem Hochplateau östlich der Südthüringer Stadt Meiningen. Seit 2006 gehört das Grundstück, auf dem die Bakuninhütte steht, dem Meininger Verein Kreis der Wander- und Naturfreunde e. V. und wird vom Meininger Wanderverein Bakuninhütte e. V. (im Folgenden nur noch Wanderverein) genutzt. Zusammen kümmern sich diese Vereine um das Grundstück und den Erhalt des Gebäudes, organisieren Veranstaltungen, forschen und veröffentlichen zu dessen Geschichte.

Das Gästebuch der Bakuninhütte, welches von 1931 bis 1933 geführt wurde, ist ein Ego-Dokument. Denn die Verfasser_innen der Eintragungen handelten ganz bewusst, um ihre Gedanken und Ansichten einer unbekannten Nachwelt zum hinterlassen. Da sich ein Gästebuch von anderen Ego-Dokumenten, wie einem Tagebuch, dadurch unterscheidet, dass mehrere Autor_innen Texte verfassen, kann die Bestimmung der Quelle zu einem mehrfach-Ego-Dokument präzisiert werden. Dies ermöglicht eine Vielzahl von Erkenntnisbereichen: Von biografischen Informationen über einzelne Gäste und ereignisgeschichtliche Erkenntnisse zur Entwicklung des Gebäudes, bis hin zu Aufschlüssen über die Alltagskultur des soziokulturellen Milieus der Bakuninhütte.

Für manche dieser Fragen ist hingegen die prinzipiell eingeschränkte Aussagekraft dieser Quelle nicht aus dem Blick zu verlieren. Jenes Bild, welches wir aufgrund der Auswertung dieser Quelle bekommen können, ist im Verhältnis zur tatsächlichen Gästestruktur dieses Ortes nur ein verzerrtes. Denn klar ist, dass sich an diesem Ort mehr Menschen aufgehalten haben als sich tatsächlich ins Gästebuch eintrugen.

Die Quellenlage zur Geschichte der Bakuninhütte basiert hauptsächlich auf den privaten Aufzeichnungen und den Veröffentlichungen von Fritz Scherer.3 Die erste durch wissenschaftliches Interesse geleitete Recherche zur Bakuninhütte erfolgte wahrscheinlich durch Ulrich Linse. Hieraus entstand jedoch keine einschlägige Abhandlung zur Bakuninhütte, stattdessen flossen die Ergebnisse in Linses Veröffentlichung über „die anarchistische und anarcho-syndikalistische Jugendbewegung 1919–1933“ ein.4 Die heute wahrscheinlich größte Materialsammlung – das Archiv des Wandervereins5 – basiert auf Sammlungen von Einzelpersonen und politischen Initiativen, größtenteils aus der Zeit nach 1989. Zu den sich genuin mit der Bakuninhütte beschäftigenden Veröffentlichungen seit 1990 (abgesehen von Zeitungsartikeln und ähnlichem) können eine dezidiert politische Publikation6 und sieben (populär-)wissenschaftliche7 gezählt werden. Eine vom Kreis der Wander- und Naturfreunde e. V. für den Antrag auf Unterschutzstellung beim zuständigen Landesdenkmalamt im April 2015 eingereichte und auf Basis des Vereinsarchivs zusammengestellte Materialsammlung zur Geschichte der Bakuninhütte umfasst 1966 Seiten.8 Aus der Entstehungszeit der Bakuninhütte ist das Gästebuch die umfangreichste Schriftquelle und zugleich eine der ergiebigsten. Bisher wurden hieraus nur wenige Einträge in wissenschaftlicher Literatur zitiert.

Das methodische Vorgehen, das meiner Ausarbeitung zugrunde lag, bestand aus mehreren aufeinander folgenden Schritten. Nach der Transkription und originalgetreuen Rekonstruktion der Quelle9 wurden alle enthaltenen Informationen in einer Tabelle systematisch zusammengetragen. Auf dieser Grundlage ließen sich ortsbezogene Personenlisten erstellen, mit welchen ich beispielsweise an Stadtarchive oder Historiker_innen herangetreten bin. Parallel dazu erfolgten Recherchen zu den Gästen und Eintragungen unter Verwendung heutiger technischer Hilfsmittel. Dazu wurde eine Sammlung von ca. 500 PDF-Dokumenten mit der Software Adobe Acrobat indiziert und innerhalb dieses Indexes nach Namen und Begriffen gesucht. Das zu Grunde liegende Konvolut an PDF-Dokumenten bestand größtenteils aus wissenschaftlicher Sekundärliteratur sowie aus anderen thematisch passenden Veröffentlichungen und Quellen.

Die Arbeit gliedert sich im Hauptteil in drei Kapitel: Sie beginnt mit einer Kontextualisierung (Kap. 2), auf die eine Entwicklungsbeschreibung der Bakuninhütte folgt (Kap. 3). Daran schließen sich die Ausführungen zur Quelle (Kap. 4). Das zweite Kapitel wirft ausgewählte Schlaglichter auf gesellschaftliche sowie politische Zusammenhänge und Ereignisse der Zwischenkriegszeit, die überregional und reichsweit beleuchtet werden (Kap. 2.1). Hierauf folgt eine knappe Darstellung ideengeschichtlicher Hintergründe (Kap. 2.2) und eine Beschreibung der lokalen Gegebenheiten (Kap. 2.3). In Kapitel 3 werden die Nutzungsphasen des Grundstücks sowie die Bauphasen der Bakuninhütte und die Herrichtung der Gesamtanlage zu einer attraktiven Erholungsstätte für unterschiedliche Klientelen im Zeitabschnitt von 1919/20 bis 1933 beschrieben.10 Die Erläuterungen dazu beziehen nicht alle zur Verfügung stehenden Quellen mit ein; vornehmlich werden die Informationen aus der Primärquelle kontextualisiert: Das sind konkret Fritz Scherers Schilderungen, die dem Gästebuch vorangestellt sind, und die im Gästebuch hinterlassenen Eintragungen. Die für die Darstellung dieser Genese relevanten Inhalte (Eintragungen) erfahren ihre Hauptauswertung in diesem Kapitel. Die Untergliederung der quellenspezifischen Kapitel beginnt mit Ausführungen zur Entstehung, Benutzung und Überlieferung des Gästebuches (Kap. 4.1). An diese schließt sich ein Kapitel zur Quellenbeschreibung direkt an (Kap. 4.2). Biografische Abrisse zu den drei wichtigsten Personen für die Überlieferungsgeschichte der Quelle (Kap. 4.3) gehen dem Hauptauswertungsabschnitt (Kap. 4.4) voraus, weil sie zum besseren Verständnis einiger hier geschilderter Zusammenhänge beitragen sollen. Die Logik meiner Darstellungen in Kap. 4.4 orientiert sich einerseits an der Abfolge der Eintragungen im Gästebuch. Sie wird jedoch andererseits unterbrochen, sofern Eintragungen inhaltlich zusammenhängen. Zudem sind hier hauptsächlich Zusammenhänge dargestellt, zu denen viele Informationen ermittelt werden konnten und somit der Erkenntnisgewinn möglichst groß war. Eine Vielzahl weiterer, jedoch weniger zusammenhängender Informationen liegt mir noch vor, konnte jedoch bislang nicht sinnvoll eingearbeitet werden.

Im Anhang dieser Arbeit befindet sich ein Faksimile des Gästebuches, dessenLayout sich weitgehend am Original orientiert. Eine nachträgliche Paginierung der Quelle erlaubt es, Bezüge zwischen den vorangestellten Kapiteln und der Quelle durch Angabe der entsprechenden Blattnummer im Fließtext herzustellen.

Die Grundlage dieses umfangreichen Ergebnisses verdanke ich unter anderem einer Menge von Informationen, an die ich über den Wanderverein Bakuninhütte gelangen konnte. Für schon vor Jahren gesammelte Informationen und für jüngste Hilfe danke ich darum insbesondere Mark Mence, Stefan Maday und Michael Wagner sowie Hans Spaltenstein (†) und Werner Smendek (†) wie auch Ute-Marianne Thiele und ihren Helfer_innen bei Teilen der Transkription. Weiterhin danke ich Ivett Vamos und Will Firth für Übersetzungen, Lutz Neuber, Siegbert Wolf, Hartmut Rübner, K.D. und Wolfgang Eckhardt für Hilfestellungen bei der Personenrecherche. Hierbei danke ich auch allen Stadtarchiven für ihr Entgegenkommen, insbesondere Silke Künzel vom Stadtarchiv Weißenfels sowie Regina Jesse vom Stadtarchiv Duisburg und Roland Kuhne vom Stadtarchiv Halle. Für Zugang zu Literatur und Quellenmaterial danke ich der/dem Anarchistischen Bibliothek & Archiv Wien. Für weitere Unterstützung, wie Korrektur danke ich FamilieNahrstedt, Uta Richarz und Anna Rosenbusch, Robert Schmiederer sowie Leonhard Link. Die Wirtschaftliche Basis, auf deren Grundlage ich mein Studium und somit auch diese Arbeit leisten konnte, verdanke ich dem Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung (Berlin) und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung (Potsdam).

Anmerkungen:

[1] Den sogenannten Gender_gap verwende ich als sprachliches Mittel, um auch all jenen Identitäten einen Platz einzuräumen, die sich im gesellschaftlich hegemonialen Zweigeschlechtersystem nicht wiederfinden können oder wollen; vgl. Rohr, Laura und Lina Hoeft: Oft gemeint und trotzdem Überhört. Ein Leitfaden zum geschlechtersensiblen Sprachgebrauch, Hamburg 2011, online unter: https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2013/18924/pdf/Broschuere_Gendergerechte_Sprache.pdf, gesichtet am 14.02.2016.

[2] Alle in dieser Arbeit kursiv gesetzten Aussagen entstammen den Quellen zur Geschichte der Bakuninhütte, auf welche im Hauptteil dieser Arbeit eingegangen wird. Zudem kursiv gesetzt sind die als Abkürzungen verwendeten Begriffe Wanderverein (= Wanderverein Bakuninhütte e. V.) und Vereinsarchiv (= Vereinsarchiv des Wandervereins) sowie Siedlungsverein (= Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe e. V.).

[3] Zur Person Fritz Scherer vgl. die Ausführungen im Kapitel 4.3. Wichtige Personen für die Überlieferungsgeschichte in dieser Arbeit. Die wichtigsten Quellen von ihm zur Bakuninhütte sind: Die Bakunin-Hütte. Eine Rückschau, in: Schwarzer Faden, 5. Jg. (1984), Nr. 16 (inhaltlich nahezu identisch zum Fließtext in der Anlage, Bl. 2–8, veröffentlicht in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 42–48); einige Dokumente aus seinem Nachlass, wie sein Wandertagebuch, welches bislang unveröffentlicht ist, bis auf einen Ausschnitt mit dem Titel „Zehn Wochen Wanderschaft“, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 17–39 sowie einzelne Briefe und Fotos, von denen der Wanderverein einiges in Form von Reproduktionen in seinem Vereinsarchiv zusammen getragen hat, wie auch eine Kopie des Wandertagebuchs, dessen Original noch in Familienbesitz ist.

[4] Linse, Ulrich: Die anarchistische und anarcho-syndikalistische Jugendbewegung 1919–1933. Zur Geschichte und Ideologie der anarchistischen, syndikalistischen und unionistischen Kinder- und Jugendorganisationen, Frankfurt am Main 1976, vgl. zur Bakuninhütte S. 92 ff. Auch ein Teil des geführten Briefverkehrs zwischen Linse und Scherer liegt im Vereinsarchiv als Kopie vor. Weiterhin wurde das Thema später erneut angerissen in Linse, Ulrich: Die „Schwarzen Scharen“. Eine antifaschistische Kampforganisation deutscher Anarchisten, (= Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit (AGWA), Nr. 9) Fernwald 1989, S. 47–66, hierzu S. 47ff., wiederveröffentlicht in der Heft-Reihe Archiv im Syndikat A, Nr. 5, Moers 2010, hierzu S. 22, auch online unter: https://www.anarchismus.at/texte-anarchosyndikalismus/anarchistinnen-gegen-hitler/667-ulrich-linse-die-schwarzen-scharen-antifaschistische-kampforganisation-deutscher-anarchisten, gesichtet am 23.12.2015.

[5] Das Archiv des Wandervereins umfasst Literatur und Pressesammlungen, Kopien von Archiv-Materialien, visuelle, auditive sowie audiovisuelle Quellen (unter anderem Interviews von Zeitzeug_innen) als auch private Teilnachlässe. Es soll künftig für Interessierte zugänglich gemacht werden. Im folgenden nur noch Vereinsarchiv genannt.

[6] Initiativgruppe zur Rückgewinnung der Bakuninhütte (Hrsg.): Die Bakuninhütte in Geschichte und Gegenwart, FAU/IAA, Halle 1993.

[7] Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010; Höfer, Christoph; Marian Luck und Kai Richarz: Was ist geblieben von der Bakuninhütte? Seminarfacharbeit am Ilmenau-Kolleg, unveröffentlicht 2010; Richarz, Kai: Die Geschichte der Bakuninhütte, in: Hennebergisch-Fränkischer Geschichtsverein (Hrsg.): Jahrbuch 2012 des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins, Bd. 27, Kloster Veßra 2012, S. 265–290; Döhring, Helge: Die Reichsferienlager der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands in Thüringen und die Bakuninhütte. Zeugnisse und Dokumente (1928–1933), Edition Syfo, Nr. 5, Bremen 2014, auch online unter: https://syndikalismusforschung.files.wordpress.com/2014/06/reichsferienlager.pdf, gesichtet am 23.12.2015; Seifert, Peter: Die Bakuninhütte. Ein lange übersehenes Denkmal der anarchosyndikalistischen Arbeiterbewegung. Thesis zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science im Studiengang Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin bei Prof. Dr. phil. Gabi Dolff-Bonekämper, 2015; Richarz, Kai: Vom Acker zum Ferien- und Schulungsheim. Ein Einblick in die Geschichte der Bakuninhütte und ihren soziokulturellen Hintergrund, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. u.a. (Hrsg.): Erich Mühsam in Meiningen. Ein historischer Überblick zum Anarchosyndikalismus in Thüringen: Die Bakuninhütte und ihr soziokultureller Hintergrund, Tagungsband, Lich 2015, S. 55–76; Ders., Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (Hrsg.): Die Bakuninhütte bei Meiningen, in: Thüringen. Blätter zur Landeskunde, Erfurt 2016 (111). Als jüngste Online-Veröffentlichung mit Hintergrundinformationen zu Anarchosyndikalismus in Südthüringen siehe auch Döhring, Helge: Anarcho-Syndikalismus in der Region Meiningen/Thüringen 1919–1933, Onlineveröffentlichung vom 7. Februar 2016, unter: https://syndikalismusforschung.wordpress.com/2016/02/07/anarcho-syndikalismus-in-der-region-meiningen-1919-1933/, gesichtet am 12.02.2016.

[8] Die Materialsammlung ist unveröffentlicht und unvollständig. Darin enthalten sind neben den klassischen (schriftlichen) Quellen der Geschichtswissenschaft beispielsweise auch zahlreiches Fotomaterial aus den 1920er- und 1930er-Jahren sowie in den letzten zehn Jahren dokumentierte, quasi archäologische Überreste auf dem Grundstück der Bakuninhütte.

[9] Für weitere Angaben zur Transkription siehe Kapitel 7.1. Vorbemerkungen zur Edition.

[10] Für die Geschichte der (ehemaligen) Bakuninhütte nach 1933 siehe Richarz 2015.

2. Gesellschaftspolitische Voraussetzungen für die Entstehung der Bakuninhütte

2.1. Die Zwischenkriegszeit
2.2. Die ideengeschichtlichen Ursprünge


2.1. Die Zwischenkriegszeit
Der Erste Weltkrieg zeitigte in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen katastrophale Folgen: Leichenberge und verstümmelte Menschen, Witwen und Waisen, zerstörte Lebensgrundlagen verschiedenster Art. Die Novemberrevolution trug maßgeblich zur Beendigung des Krieges sowie zur Abschaffung der Monarchie bei und bewirkte damit einen Schritt in Richtung demokratischer Gesellschaftsentwürfe.11 Aus Sicht des anarchosyndikalistischen Theoretikers Rudolf Rocker (1873–1958) war die Novemberrevolution jedoch „keineswegs der Beginn einer neuen Gesellschaftsordnung“, denn diese „Gelegenheit, die ein Volk einmal im Jahrhundert geboten bekommt, ging ungenutzt vorbei“, da die neuen sozialdemokratischen Machthaber „überhaupt nicht gesinnt waren, eine gründliche Umwandlung der Verhältnisse zu versuchen.“12 Die Furcht vor den Folgen radikalerer Bestrebungen, wie jene aus dem anarchosyndikalistischen oder kommunistischen Lager, und die Angst vor einem Bürgerkrieg, ließen die neuen Machthaber in mannigfacher Weise mit dem alten Militär- und Beamtenapparat zusammenarbeiten.13

Dies gehörte zu den Bedingungen, die im März 1920 den Putsch von Kapp und Lüttwitz ermöglichten. Angesichts dieser Bedrohung kam es zum Generalstreik – mehr oder weniger getragen von Anarchist_innen, Kommunist_innen und Sozialdemokrat_innen. Doch abgesehen von der Abwehr des konservativen Putsches verfolgten sie alle unterschiedliche Ziele: Während die SPD den Widerstand der Arbeiter_innenbewegung für den eigenen Machterhalt brauchte, strebte die KPD auch nach der Erlangung dieser Macht, und die Syndikalist_innen erstrebten die Überwindung jeglicher Machtstrukturen.14 Weil der Generalstreik nach dem Rückzug der Putschisten zur Durchsetzung politischer und sozialer Forderungen weitergeführt wurde, bediente sich die Regierung wieder der Kraft des konservativen Militärs zur Durchsetzung ihrer Macht.

Nach einer Phase der innenpolitischen Beruhigung spitzte sich die politische Situation bis 1923 nochmals gefährlich zu. Die völkische Bewegung und die Reichswehr in Bayern lehnten sich offen gegen die Regierung auf und planten einen Putsch gegen die Berliner „Judenrepublik“ durch einen „Marsch auf Berlin“.15 Dabei nahmen diese (Schwarze) Reichswehr und Freikorpsverbände direkte Anleihen bei Mussolinis „Marsch auf Rom“. Daraufhin organisierte sich in der Arbeiter_innenbewegung eine erste antifaschistische Bewegung in Deutschland. Angespannt war die Situation im Herbst 1923 auch deshalb, weil ein Teil von moskautreue Kommunist_innen unter dem Deckmantel dieser antifaschistischen Abwehr noch ganz eigene strategische Ziele verfolgte: eine deutschen Oktoberrevolution nach Vorbild der Bolschewiki.16 In der zweiten Jahreshälfte 1923 bildeten sich zahlreiche „Aktionsausschüsse“ und bewaffnete „proletarische Hundertschaften“, die einen sogenannten roten Sperrriegel (aus kommunistischer Perspektive) von Eisenach bis Hof errichteten.17 Die in dieser Zeit entstandenen rot-roten „Arbeiterregierungen“ in Sachsen und Thüringen18 befürworteten offen die Bildung dieser Hundertschaften. Die Initiative der Regierung (Reichsexekution Anfang November in Thüringen) kam militärischen Schlägen anderer Seiten zuvor. Die Koalition zwischen SPD und KPD in Thüringen löste sich auf und auch Hilters nachträglicher Putschversuch scheiterte.19

Eine Vielzahl von Faktoren, wie die kriegsbedingten Wirtschaftsschäden, steigende Schulden und Reparationsforderungen, führten zu einer zunehmenden Geldentwertung und gleichzeitiger Steigerung der Lebenserhaltungskosten.20 Etwas abgebremst von einer Phase relativer Stabilität (bis Juni/September 1921) verschärfte sich die Lage bis Jahresende 1923 ins Unermessliche. Die Hyperinflation, ab Juli 1922, führte zu einer derartigen Geldentwertung, dass im November 1923 19 Goldpfennigen eine Milliarde Papiermark entsprachen. Bis die Inflation durch eine Währungsreform im vierten Quartal 1923 gestoppt werden konnte, kam es letztlich zu einem stündlichen Geldwertverlust. Zu Beginn der Inflation bewirkte sie noch einen Aufschwung der Gesamtwirtschaft bis zur Vollbeschäftigung. Doch gab es auch eine Vielzahl unterschiedlich intensiver Schattenseiten, je nach Bevölkerungsgruppe: Geringe Löhne, Arbeitslosigkeit (bis 70% im Oktober 1923), hohe Lebenserhaltungskosten, Armut. Dem Thüringer Landesamt für Statistik zufolge gab es hier eine nominale Kostensteigerung insbesondere für Ernährung, nämlich zwischen dem 1. Oktober und dem 5. November 1923 „auf mehr als das 2730fache“.21 In diesem Zeitraum betrug „die Preiserhöhung für Brot […] mehr als das 3820fache, die für Mehl etwa das 3585fache“ und für Kartoffeln das 2˙335-fache.22 Insgesamt erreichten die nominalen Ernährungskosten fast das 115 Milliardenfache gegenüber 1913/14. Die nominalen Lohnsteigerungen hingegen konnten dies nicht kompensieren. Demgegenüber versagten die staatlichen Sicherungssysteme völlig. Auf die Geldentwertung reagierte die Landbevölkerung mit einer Rückkehr zum Naturaltausch. Die Stadtbevölkerung hingegen war wegen der beschädigten Finanz- und Warenkreisläufe gezwungen, ihre Grundbedürfnisse auf ganz anderen Wegen zu befriedigen: Hamsterfahrten auf’s Land und Plünderungen waren die bekannten Mittel. Die Möglichkeit, sich durch eigene Landwirtschaft selbst zu versorgen, hatten nur wenige.

2.2. Die ideengeschichtlichen Ursprünge
Aus den Turbulenzen der Zeit – zwischen Krieg, Revolution, Krise und Aufbruch – brachen neben massenhaftem Leid auch zahlreiche Erneuerungsbewegungen hervor. Die großen politischen Ereignisse und Umstände politisierten viele junge Industriearbeiter_innen und Soldaten. Dies führte zu einem Aufschwung des bereits im 19. Jahrhundert entstandenen Potpourri an alternativen Bewegungen, wie zum Beispiel der Lebensreform- und Jugendbewegung, dem Pazifismus, der Wandervogel- und Freidenker_innenbewegung und so weiter. Zahlreiche, langjährige Auseinandersetzungen unter anderem „zwischen den bürgerlichen und proletarischen Traditionslinien“ führten stetig zu Weiterentwicklungen, zu Zusammenschlüssen und Abgrenzungen in den verschiedensten Strömungen und Bewegungen.23

Wie das bereits erwähnte Zitat von von Rudolf Rocker zeigt, wurde in einigen Teilen der Bevölkerung die Neuordnung der politischen Verhältnisse als unzureichend empfunden. Durch die beiden Revolutionen, in Russland und dem Deutschen Kaiserreich, entstand ein gesteigertes Bewusstsein über die „Kontingenz und Gestaltbarkeit der Lebensverhältnisse“.24 Viele Intellektuelle diverser politischer Richtungen „sahen die Zukunft als immer offeneren Möglichkeitsraum, für den sie Vorschläge neuer politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ordnungen entwarfen.“25 Davon profitierte auch die „Prinzipienerklärung des Syndikalismus“, welche von Rudolf Rocker verfasst wurde. Sie verschmolz „anarchistische mit syndikalistischen Gedankengängen“ miteinander und unterschied sich radikal, sowohl vom Programm der Sozialdemokratie, als auch vom kommunistischen.26 Auf Grundlage dieser Prinzipienerklärung entstand im Dezember 1919 die „Freie Arbeiter Union Deutschlands (Syndikalisten)“ [FAUD(S)].27 Zeitlich und räumlich begrenzt war es dieser Bewegung dadurch möglich geworden, ihrer „utopischen“ Gesellschaftsordnung ein Stück näher zu kommen.

Hervorgegangen war die FAUD aus einem Zusammenspiel verschiedener Strömungen. Einerseits aus einer Oppositionsbewegung zur SPD – die sogenannten „Jungen“. Aus ihr entwickelten sich erste anarchistische Vereinigungen. Andererseits ging sie aus lokalistischen Gewerkschaften hervor, den sogenannten „Lokalisten“. Trotzt des weggefallenen Verbots zur politischen Vereinigung wollten sie ihre Lokalautonomie behalten. Aus diesen beiden Strömungen entwickelte sich um die Jahrhundertwende eine eigenständige Gewerkschaftstheorie und -bewegung, die sich unter dem Namen „Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften“ (FvdG) selbstständig machte. Deutlichen Zulauf erhielt sie im Zuge des Ersten Weltkriegs, aufgrund der kriegsbilligenden „Burgfriedenspolitik“ der SPD.28

Die zentralen Ideen des Anarchosyndikalismus bestanden in der Errichtung einer herrschaftsfreien Gesellschaft, ohne Staat und ohne kapitalistische Wirtschaftsordnung. Im Gegensatz zur Sozialdemokratie wollten sie nicht die Gesellschaft durch die vom Staat zugebilligten Partizipationsmöglichkeiten der parlamentarischen Demokratie reformieren. Sie wollten auch nicht die Staatsgewalt erobern, wie die am Marxismus orientierten Kommunist_innen, um mittels politischer Revolution eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse herbeizuführen. Stattdessen setzten sie auf freie Vereinigungen aller Arbeiter_innen29 in föderalen, wirtschaftlichen Kampforganisationen (Gewerkschaften), um hiermit eine dezentrale Struktur zur gesellschaftlichen Umgestaltung von unten nach oben zu schaffen. Diese sollten „zugleich die Keimzelle der zukünftigen sozialistischen Wirtschaftsorganisation“ sein. Den zunehmenden sozialen Problemen in Folge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert – die soziale Frage – wollten sie mit Gemeinschaftlichkeit und dem Prinzip der „gegenseitigen Hilfe“ entgegentreten. Die Grundlagen des gesellschaftlichen Wirtschaftens trachteten sie zu verschieben: von der kapitalistischen Maxime der Gewinnmaximierung zum sozialistischen Prinzip der Bedürfnisbefriedigung. Hierbei sollten die zur Erreichung dieses Ziels gewählten Mittel dem erstrebten Zustand nicht widersprechen. Sie sollten möglichst gewaltfrei sein und die Stärken einer vereinten Arbeiter_innenschaft ausnutzen, wie Boykotts, Sabotagen und andere direkte Aktionen, insbesondere Streiks bis hin zum Generalstreik.30 Diese Bewegung vereinte eine ganz eigene Mischung verschiedener Ideen: Die Verschränkung von Zweck und Mittel, die individuelle Freiheit aller als Voraussetzung gesamtgesellschaftlicher Freiheit und der Ansatz, dass die geistige und kulturelle Entwicklung der Menschen eine ebenso wichtige Bedingung für eine radikal andere Gesellschaft ist wie die Veränderung der politischen und ökonomischen Verhältnisse. Dieses Zusammenspiel soziopolitischer Ansätzen trug zu ihrem Selbstverständnis bei, nicht nur revolutionäre Wirtschaftsorganisation, sondern auch radikale Kulturbewegung zu sein. Letzteres wurde innerhalb der FAUD in dem Maße wichtiger, wie der generelle Mitgliederschwund aller Arbeiter_innenorganisationen auch für die eigene Organisation als reale Gegebenheit anerkannt wurde.31 Zu den Ursachen dieser Abkehr von unmittelbaren Revolutionserwartungen zählten neben dem ab 1921 einsetzenden Mitgliederrückgang unter anderem das Abflauen der militant geführten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und die Folgen der Inflation.32

Als ein konstruktives Handlungsfeld der Kulturpolitik der Anarchosyndikalist_innen gehörten zunehmend auch Genossenschafts- und Siedlungsexperimente, jedoch nicht ohne internen Widerstand.33 Der Anarchist Gustav Landauer (1870–1919), den man 1919 wegen seines Wirkens in der Münchner Räterepublik totschlug, hatte nicht nur den Utopiediskurs seiner Zeit erneuert.34 Ferner wurde er „zum literarisch wirksamsten Propagandisten der Lehre von der sozialen Regeneration durch ländliche Kommunen“.35 „Wollen die Gewerkschaften denen unter ihren Mitgliedern, die an der Eintönigkeit der Arbeit, die ohne Beziehung zu ihrem Leben ist, leiden, die sonstwie an Leib und Seele leiden, Hilfe und Heil schaffen, so müssen sie dazu übergehen, Siedlungen zu gründen.“, schrieb er 1909 und hatte damit insbesondere auf die anarchistischen und anarchosyndikalistischen Kreise der Zwischenkriegszeit deutlichen Einfluss.36

Im Programm des 1908 von Landauer gegründeten Sozialistischen Bundes heißt es in Artikel 9: Die Mitglieder „schicken Pioniere voraus, die in Inlandsiedlungen des Sozialistischen Bundes möglichst alles, was sie brauchen, auch die Bodenprodukte, selbst herstellen.“37 Die Siedlungen sollten jedoch „nicht Mittel zur Erreichung des Ziels“ sein, sondern „nur Vorbilder der Gerechtigkeit und der freudigen Arbeit“, wie es in Artikel 11 geschrieben steht.38 „Der echte […] Sozialismus erwacht in der sozialistischen Siedlung, und von ihr aus leuchtet er weit hinaus ins Land […]“, wie ein „Wegweiser“, so schrieb Landauer 1909, in seinem Aufsatz mit dem Titel „Die Siedlung“.39 Die (jugendbewegten) „sozialistischen“ Siedlungen schossen nach dem Krieg wie Pilze aus dem Boden; neben anarchistischen gab es auch kommunistische, christliche, jüdische und völkische.40 Unter den ca. 100 bekannten Siedlungen gelten etwa 30 als sozialistisch-kommunistisch motiviert.41

Durch ihren weit verbreiteten Ansatz, erzieherisch auf die übrige Gesellschaft einzuwirken, existierte eine starke Verbindung zwischen der Siedlungsbewegung und der Volkshochschulbewegung, insbesondere in Form von ländlichen Heimvolkshochschulen.42 Lokal manifestierte sich dies in den Verbindungen43 zu der am 16. September 1920 eröffneten Heimvolkshochschule in der östlich von Meiningen gelegenen Gemeinde Dreißigacker. Sie blieb die einzige dem Verein „Volkshochschule Thüringen“ angeschlossene ländliche Heimvolkshochschule in Thüringen und war als Musteranstalt in diesem Bereich über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ihren guten Ruf verdankte die Schule ihrem Leiter Eduard Weitsch (1883–1955) und dessen Schulkonzeption einer „proletarischen Jugendkultur“ im Sinne einer „denkfähigen Generation“ mit „geistiger Selbst[st]ändigkeit“.44 Nach Weitsch sollte der Zweck von Volkshochschulen – diesen „Kulturinseln […] im Strome des Materialismus“ – unter anderem der sein, der Jugend einen Zufluchtsort zu bieten, um sich im Gegensatz zum „Kampf ums Dasein“ dem „reinen Menschentum widmen zu können“.45 Dies erinnert nicht nur an die antidarwinistischen Ideen des Anarchisten Peter Kropotkin (1842–1921).46 Ähnlichkeiten zu erkennen sind hier auch zum anarchosyndikalistischen Bezug auf die Modernen Schulideen des spanischen Reformpädagogen Francisco Ferrers (1859–1909). Schon er „wollte aus den Kindern selbst-bewusste Menschen machen“ und verwarf dazu alle Dogmen von Autoritätsgläubigkeit und bedingungslosem Gehorsam zugunsten einer rationalistische und naturwissenschaftliche Lehrmethode.47 Und tatsächlich wurden in Dreißigacker zeitweilig „mit dieser Betonung der Eigenverantwortlichkeit im pädagogischen und im wirtschaftlichen Bereich […] auf der Leitungsebene hierarchische Strukturen abgelehnt, und die partnerschaftliche Teamarbeit in den Vordergrund gestellt“.48 Die von Weitsch beschriebene Zusammensetzung der Kursteilnehmenden bestätigt die deutlichen Verbindungen: „durchweg Werktätige, meist Arbeiter, politisch meist Sozialisten und Kommunisten. Darunter mischte sich einiger Anarchismus, christliche Pfadfinder und Sylviogesellianismus.“49

Als einen weiteren Ansatz für einen Ausstieg aus dem Kapitalismus formulierte Landauer die Idee einer Reisegenossenschaft. Vor dem Hintergrund der „Millionen von Menschen in Deutschland[, denen] das Wegreisen aus der gewohnten Umgebung, das Ausspannen von der bis zum Überdruss geübten Tätigkeit völliges Bedürfnis“50 gewesen sei, schlug er vor die Reisenden zu organisieren. Das vorgestellte Ziel war „eine Vereinigung von Hunderttausenden“, die sich freiwillig dazu verpflichten sollten nur in selbst errichteten Gasthöfen „zu übernachten und Verpflegung zu suchen“, um damit nicht mehr in private Taschen zu wirtschaften, sondern stattdessen in die Kassen der Bewegung.51 „Wer dann reist, wohnt dann immer bei sich zu Hause, in den Häusern, die die Solidarischen für sich gebaut haben.“, schrieb er 1909.52 Zu jener Zeit hatten die Naturfreunde in Deutschland noch nicht mit dem Aufbau ihrer Struktur von der Unterschicht zugänglichen Ferienhäusern begonnen.53

Siedlungen als praktische Experimente alternativer Lebensformen propagierte auch die Lebensreformbewegung, deren Ideenwelt und Anhänger_innenschaft große Schnittmengen mit syndikalistischen und anarchistischen Strömungen aufwies. Als Reaktion auf die voranschreitende Industrialisierung und Verstädterung entstand sie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Gegenüber jenen Konzepten, die auf politische Revolution setzten, betonte sie die Verantwortung des Individuums für eine Transformation der Gesellschaft. Als zentrales Element verbreitete sie die Idee der „Naturverbundenheit“ in allen Lebensbereichen. Über die lebensreformerische Naturheilkunde war diese Bewegung in Meiningen 1904 fest etabliert.54 „Natürliche Heilkräfte waren in den Augen der Naturheilanhänger vor allem physikalische Reize – Wasser, Licht, Luft, Bewegung“. Dies schlug sich an der Bakuninhütte nachweislich nieder, in der vor Ort praktizierten Gymnastik55 und der Nacktkultur, genauer gesagt dem Licht-Luft-Baden in sogenannten „Luftbadekostümen“.56 Wie tief verankert diese Elemente im Selbstverständnis der Protagonist_innen der Bakuninhütte waren zeigt ein von Hermann George im Gästebuch hinterlassener Eintrag: „Die Bakuninhütte sei eine Stätte zur Erholung des Körpers und auch des Geistes, um im Alltag und im Ringen um Fortschritt und Freiheit gerüstet zu sein.“ (Bl. 14) Vor dem Hintergrund des opferreichen Ersten Weltkrieges, als vorläufigen Gipfel insbesondere auch des deutschen Militarismus, profitierte der Anarchosyndikalismus von seinem konsequenten Anti-Militarismus. Allerdings gab es in der Gesamtbewegung „heftige Kontroversen“, insofern hier “ein klassenkämpferisch motivierter Antimilitarismus mit einem Pazifismus der zeichenhaften Verweigerung und des Opfers“, insbesondere aus anarchistischen Kreisen, zusammenstieß.57 Eine Grenze fand der Gewaltverzicht meist dort, wo es um die Verteidigung gegen den aufkommenden Faschismus ging. Hierzu gründeten sich mancherorts ab 1929 eigene Schutzformationen – die Schwarzen Scharen.58 Auch die Meininger Syndikalist_innen wurden nachhaltig von den Erfahrungen des Krieges geprägt. Anhand ihrer Literatur59 und in ihrer Grundstücksgestaltung60 lässt sich ihre Anlehnung an anarcho-pazifistische Positionen, wie jene von Ernst Friedrich (1894–1967) nachvollziehen.61

Vor dem Hintergrund jener Ambivalenz, zwischen dem Zusammenbruch elementarer gesellschaftlicher Verhältnisse und dem durch Utopien geleiteten Aufbruch in eine bessere Welt, fanden Anarchosyndikalist_innen allerorts ihre ganz eigenen Wege, strukturell unterstützt durch die Autonomie der lokalen Gewerkschaftsgruppen.

2.3. Die lokalgeschichtlichen Ursprünge und Hintergründe des soziopolitischen Lebens um die Bakuninhütte

Seit Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich Meiningen zu einer Hochburg von Adel und gehobenem Bürgertum. Es wurde ein herausragender Finanzstandort seit Mitte des 19. Jahrhunderts, Garnisons- und Residenzstadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen, mit eigener Freimaurer-Loge und europaweit wirkendem Hoftheater-Ensemble. Zwischen 1918 und 1920 war Meiningen Hauptstadt des Freistaats Sachsen-Meiningen, bis dieser im Land Thüringen aufging.62 Der 48 Jahre amtierende und damit die Region stark prägende Herzog Georg II. (1826–1914) galt als liberal und wurde „Theaterherzog“ genannt. Er hielt nicht viel vom Sozialistengesetz und soll sich über dessen Ende gefreut haben. Mit seinem Sohn, Herzog Bernhard III. (1851–1928), wurde ein konservativ-preußischer Herrscher sein Nachfolger.63

Die Wahlergebnisse der örtlichen SPD lagen bis einschließlich 1907 deutlich unter dem Reichsdurchschnitt und fielen im Vergleich zu jenen vom benachbarten Sonneberg/Saalfeld immer deutlich geringer aus.64 Zwar war es die Initiative des Meininger Soldaten- und Arbeiterrates, die am 10. November 1918 zur Abdankung von Herzog Bernhard III. führte,65 doch darüber hinaus kam ihm nur wenig oder gar kein politischer Einfluss zu.66 Selbst den abgesetzten Monarchen billigten die Sozialdemokraten (zumindest teilweise) Abfindungen zu. Und zur 1. Mai-Feier 1919 ließ die SPD-Regierung eher die Regimentskapelle, als den von ihr gegründeten Arbeitergesangverein spielen.67

In der Zwischenkriegszeit setzte sich die SPD in Meiningen auch gegenüber der USPD/KPD immer mit deutlichem Abstand durch. Bei den Wahlergebnissen von 1932 wurde sie jedoch von der NSDAP um mehr als das Doppelte übertroffen.68 Ohne damit einen kausalen Zusammenhang zu behaupten, sind doch einige Hinweise auf frühe Entwicklungen zu nennen, die den Aufstieg der NSDAP in der Region Meiningen begünstigt haben könnten. Bereits im Jahr 1900 begründete Max Robert Gerstenhauer (1873–1940), der „in Thüringen bekannteste[…] Vorkämpfer eines ‘artgemäßen’ Glaubens und nationalsozialistischer Politik“69, die Meininger Ortsgruppe des Alldeutschen Verbands (ADV).70 Einen regionalen Schwerpunkt in Meiningen hatte auch die Deutsch-Völkische Freiheitspartei (DVFP), die für den Aufstieg der NSDAP dadurch eine Rolle spielte, dass sie kurzzeitig (Dezember 1922 bis März 1923) als Sammelbecken für Nationalsozialisten und völkische Antisemiten diente. Dieser politische Trend setzte sich bei den Wahlen von 1925 fort, bei denen neben der DVFP auch NSDAP im Kreis Meiningen verglichen mit anderen Regionen bemerkenswert hohe Ergebnisse erzielte. Eine Entwicklung, die sich durch die folgenden Wahlen der Zwischenkriegszeit zog.71 Im Krisenjahr 1923 bemerkte nicht nur der kommunistische Justizminister der rot-roten Regierungskoalition, Karl Korsch (1886–1961), die faschistische Ausrichtung der Meininger Kompanie.72 Belegt ist zudem, dass der dem Meininger Reichswehrbataillon vorstehende Leutnant Volkmar (beziehungsweise Volkmann) den antisemitischen Heimatbund bei dessen militärischen Übungen im Kreis Meiningen unterstützte.73

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Meiningen zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Eisenbahn-Netz zwischen Eisenach, Coburg, Schweinfurt und Erfurt. Über Jahrzehnte war das Bahngewerbe der Hauptindustriezweig vor Ort und zog zahlreiche Arbeitskräfte an.74 Als 1920 nicht ganz 18˙000 Menschen in Meiningen lebten, war durch eine kriegsreperaturbedingte Konjunktur die Zahl der Belegschaft bis 1918 auf ca. 2˙000 Menschen angestiegen. Infolge der Zusammenlegung von Länder- und Reichsbahn wurde der Betrieb ab 1924 in Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) umbenannt.

Parallel zur wachsenden Beschäftigtenzahl in industriellen Berufen ist von einer Zunahme politisierter und gewerkschaftlich organisierter Arbeitskräfte auszugehen. 1919 waren die Meininger Syndikalist_innen „politisch schon zusammengefügt“.75 Sie organisierten sich in ihrer „Vereinigung aller Berufe – Meiningen und Umgebung“, eine nach syndikalistischem Modell Gewerbe übergreifende Ortsgruppe der FAUD.76 Ein Großteil von ihnen war im Meininger RAW beschäftigt und zudem in einem Meininger Arbeitergesangverein organisiert.77 Neben der erwähnten Beteiligung von Otto Walz78 am örtlichen Arbeiterrat, kann das politische Engagement der lokalen Syndikalist_innen an weiteren Beispielen gezeigt werden. 1919 wurde im Rahmen einer Streikunterstützung eine Lok, unter anderem von Otto Walz und Otto Heller gekapert.79

Eine KPD-Ortsgruppe gab es zu jener Zeit noch nicht. Sie fand sich erst 1921 zusammen.80 Zwischen ihr und der FAUD gab es in Meiningen keine strikte Trennlinie, sondern personelle Überschneidungen und taktische Zusammenarbeit.81 Dies zeigte sich unter anderem in der sogenannten „Meininger Blutnacht“ von 1923. Vor dem Hintergrund der angespannten politischen Verhältnisse der Republik kam es im Oktober zu mehreren Verletzten und drei Toten. Hierbei schossen Reichswehrsoldaten in eine Gruppe unbewaffneter Menschen. Unter ihnen auch politisch organisierte Arbeiter, die sich in jenen brisanten Tagen in den strömungsübergreifenden „proletarische Hundertschaften“ organisierten. Neben einem Sozialdemokrat starb dabei ein Kommunist und der Anarchosyndikalist Paul Große (* 1872).82

Anmerkungen:

[11] Vgl. generell zum Thema Plener, Ulla (Hrsg.): Die Novemberrevolution 1918/1919 in Deutschland; Für bürgerliche und sozialistische Demokratie. Allgemeine, regionale und biographische Aspekte. Beiträge zum 90. Jahrestag der Revolution, (= Manuskripte 85) Berlin 2009, online unter: https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Manuskripte_85.pdf, gesichtet am 23.02.2016.

[12] Rocker, Rudolf: Der Kapp-Putsch. Eine Schilderung aus dem Deutschland der Noske-Diktatur, aus dem Schwedischen übersetzt von Erik Alfredsson, (= Archiv im Syndikat A, Nr. 58) Moers 2010 (1920), S. 12–14.

[13] Vgl. Büttner, Ursula: Weimar. Die überforderte Republik 1918–1933. Leistung und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 729) Bonn 2010, unter anderem S. 449.

[14] Am 15. März reagierte auch die Meininger Arbeiter_innenschaft mit einer Kundgebung, einem Generalstreik und ihrer Bewaffnung, aus Solidarität mit den sechs Hundertschaften bewaffneter Arbeiter_innen, die im ‘roten Suhl’ die Reichswehreinheiten in Kampfhandlungen verwickelten; vgl. Richarz 2015, S. 56. Zur gegenwärtigen Rezeption des Kapp-Putsches in der Geschichtswissenschaft vgl. Büttner, S. 137ff.

[15] Vgl. Büttner, S. 204ff.

[16] Vgl. Wenzel, Otto: 1923. Die gescheiterte deutsche Oktoberrevolution, Münster 2003.

[17] Der nach Jena vertriebene Reichsausschuss der deutschen Betriebsräte beschloss hierfür am 7. Oktober zusammen mit dem Thüringischen Landesbetriebsrätekongress eine „Mobilmachung“, die zur Organisation in jenen strömungsübergreifenden „proletarischen Abwehrorganisationen“ und Aktionsausschüssen aufrief; vgl. zum Thema Wenzel, insbesondere S. 37–40, 59f., 211, 239 und 241f. sowie John, Jürgen (Hrsg.): Quellen zur Geschichte Thüringens, Bd. 3, Erfurt 1996, S. 105ff. Vgl. auch Gundlach, Heike: Pfaff. Bevor alles ganz verblasst. Lebensgeschichte meiner Großeltern Katharina und Nikolaus Pfaff, Benshausen 2009, S. 48ff.; Kaiser, Gerd: Auf Leben und Tod. Stille Helden im antifaschistischen Widerstand 1923 bis 1945, Berlin 2007.

[18] Die Thüringer Koalitionsregierung bestand vom 16. Oktober bis 12. November 1923 aus SPD und KPD. Ihr Vorsitzender war der Sozialdemokrat August Frölich (1877–1966), Karl Korsch Justizminister. Vgl. Wenzel, S. 239 und Kaiser 2007, S. 17.

[19] Vgl. Büttner, S. 203 ff. und Wenzel, S. 261.

[20] Vgl. Büttner, S. 166ff.

[21] Thüringer Tageblatt, 15. November 1923, in: John, S. 103f.

[22] Ebenda.

[23] Linse 1976, S. 12.

[24] Graf, Rüdiger: Die Zukunft der Weimarer Republik, Krisen und Zukunftsaneignungen in Deutschland 1918–1933, München 2008, S. 60.

[25] Graf 2008, S. 60.

[26] Rübner, Hartmut: Anarcho-Syndikalismus in Deutschland, Stand vom 05.08.2014, online unter: , gesichtet am 29.01.2016.

[27] Die FAUD(S) (= Syndikalisten) war Ende Dezember 1919 aus dem „12. Syndikalisten-Kongress“ der Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften (FVdG) hervorgegangen. Als Folge ihrer Hinwendung zum kommunistischen Anarchismus erfolgte auf dem 14. Kongress im November 1922 eine Namensänderung mit dem Zusatz „AS“ für Anarcho-Syndikalisten („FAUD(AS)“), vgl. Rübner, Hartmut: Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, (= Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte, Bd. 5) Berlin, 1994, insbesondere S. 36 und S. 146.

[28] Vgl. Rübner 1994; Vogel, Angela: Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977 sowie Bock, Hans Manfred: Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK – Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 25. Jg., Heft 3, September 1989, S. 293–358, online unter: https://www.anarchismus.at/texte-anarchosyndikalismus/die-historische-faud/7639-hans-manfred-bock-anarchosyndikalismus-in-deutschland-eine-zwischenbilanz, gesichtet am 01.02.2016.

[29] In der Bestimmung des sogenannten revolutionären Subjektes deutlich abweichend war beispielsweise die Konzeption Gustav Landauers, der die marxistische Klassenkampf-Theorie ablehnte. „Der Sozialist […] wird nicht im Entferntesten mehr daran denken, eine Bevölkerungsschicht sei mehr als die andere berufen, sozialistisch zu handeln“, schrieb er 1909; vgl. Landauer, Gustav: Sozialistisches Beginnen (1909), in: Landauer, Gustav; Siegbert Wolf (Hrsg.): Antipolitik, Ausgewählte Schriften, Bd. 3.1, Lich 2010, S. 198–202, hier S. 198.

[30] Vgl. hierzu insbesondere die Prinzipienerklärung des Syndikalismus, [Rocker, Rudolf]: Prinzipienerklärung. Programmatische Grundlage und Streikresolution der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten). Verlag: Geschäftskommission, Fritz Kater, o.O. o.J. (1919), online unter: https://www.anarchismus.at/texte-anarchosyndikalismus/die-historische-faud/7648-prinzipienerklaerung-und-streikresolution-der-faud, gesichtet am 23.02.2016.

[31] Mümken, Jürgen: Anarchosyndikalismus an der Fulda. Die FAUD in Kassel und im Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus, Frankfurt am Main 2004, S. 19 sowie Rübner, Hartmut: Anarchosyndikalismus in Deutschland, in: Erkenntnis, e-Journal der Pierre Ramus-Gesellschaft, Jg. 15 (2007), Nr. 15, S. 18–29, insbesondere S. 24.

[32] Vgl. Rübner 2007, S. 26.; ders. 1994, S. 146 sowie Bock, insbesondere S. 330 und 337.

[33] Vgl. Rübner 1994, S. 170ff. Das Experimentieren mit Landkommunen und Siedlungsgenossenschaften fand bei den Anarchosyndikalist_innen der Nachkriegsinflationsjahre vor allem durch Fritz Köster (1855–1934) und seine Düsseldorfer Tageszeitung „Die Schöpfung. Sozialrevolutionäres Organ für das sozialistische Neuland“ Unterstützung. Jedoch galt dies in der Geschäftskommission der FAUD (GK) als mit den Grundprinzipien des Syndikalismus unvereinbar; vgl. Linse 2010, S. 10. In der GK war lediglich Fritz Oerter ein Verfechter dieses Landauer’schen Ansatzes, vgl. Rübner 1994, S. 172. Eine durch Rocker ab 1928 einsetzend Diskussion über den sogenannten „konstruktiven Sozialismus“ versuchte „den freiheitlichen Sozialismus Landauers mit einer gewerkschaftlichen Praxis zu verbinden“. An die Landauer’sche Genossenschaftsidee knüpften insbesondere die anarchosyndikalistischen Theoretiker Augustin Souchy (1892–1984) und Helmut Rüdiger (1903–1966) an; vgl. Rübner 1994, S. 147f.

[34] Graf zeigt, dass „Gustav Landauer nicht nur die […] Utopietheorie, sondern auch eine Utopie dezentraler Siedlungsgenossenschaften“ entwickelte. „Mit beiden erzielte er – nicht zuletzt durch sein Engagement in der Münchener Räterepublik – breite Wirkung im linksintellektuellen Milieu.“; vgl. Graf, Rüdiger: Die Mentalisierung des Nirgendwo und die Transformation der Gesellschaft. Der theoretische Utopiediskurs in Deutschland 1900–1933, in: Wolfgang Hardtwig (Hrsg.): Utopie und politische Herrschaft im Europa der Zwischenkriegszeit, München 2003, S. 145–173, hier S. 155. Zur Wirkung Landauers auf den Anarchismus und insbesondere den Anarchosyndikalismus vgl. Rübner 1994 sowie Landauer, Gustav; Siegbert Wolf (Hrsg.): Gustav Landauer, Ausgewählte Schriften, Lich/Hessen 2008ff. Zum Utopie- und Revolutionsbegriff von Landauer vgl. auch Landauer, Gustav; Siegbert Wolf (Hrsg.): Die Revolution, Münster 2003 (1907) sowie für seine Siedlungsidee insbesondere Landauer, Gustav: Die Siedlung, in: Landauer, Gustav; Siegbert Wolf (Hrsg.): Antipolitik, Ausgewählte Schriften, Bd. 3.1, Lich 2010 (1909b), S. 194–197.

[35] Linse, Ulrich: Zurück o Mensch zur Mutter Erde. Landkommunen in Deutschland 1890–1933, München 1983, S. 65.

[36] Landauer, Gustav: Sozialistisches Beginnen, in: Landauer, Gustav; Siegbert Wolf (Hrsg.): Antipolitik, Ausgewählte Schriften, Bd. 3.1, Lich 2010 (1909a), S. 198–202, hier S. 201; vgl. zu seiner Rezeption Rübner 1994, S. 170ff.

[37] Artikel 9 in Landauer, Gustav: Die zwölf Artikel des Sozialistischen Bundes, in: Landauer, Gustav; Siegbert Wolf (Hrsg.): Antipolitik. Ausgewählte Schriften, Bd. 3.1, Lich 2010 (1908), S. 126f., hier S. 126.

[38] Artikel 11 in: Landauer 1908, S. 126.

[39] Landauer 1909b, S. 194.

[40] Vgl. Linse 1983, S. 89 ff., insbesondere S. 94.

[41] Vgl. Rübner 1994, S. 178, dort mit Verweis auf Heineke, Gustav: Frühe Kommunen in Deutschland. Versuche neuen Zusammenlebens. Jugendbewegung & Novemberrevolution 1919–24, Bielefeld 1978, S. 66.

[42] Vgl. Linse 1983, S. 97.

[43] Vgl. die Ausführungen auf S. dieser Arbeit.

[44] Reimers, Bettina Irina: Die Neue Richtung der Erwachsenenbildung in Thüringen 1919–1933, Dissertation an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen 2000, S. 78f.

[45] Weitsch, Eduard: Was soll eine deutsche Volkshochschule sein und leisten? Ein Programm, Jena 1919a, S. 5, zitiert nach Reimers, S. 79f.

[46] Vgl. zu den Ideen Kropotkins und deren Rolle für die anarchosyndikalistische Bewegung Klan, Ulrich; Dieter Nelles: „Es lebt noch eine Flamme“ – Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau-Doffingen 1986, S. 27–29.

[47] Haug, Wolfgan: „Bekämpfen wir die Unwissenheit!“ Die Bildungspolitik der AnarchosyndikalistInnen, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. u.a. (Hrsg.): Erich Mühsam in Meiningen. Ein historischer Überblick zum Anarchosyndikalismus in Thüringen: Die Bakuninhütte und ihr soziokultureller Hintergrund, Lich 2015, S. 93–107, hier S. 99f.

[48] Reimers, S. 83.

[49] Weitsch, Eduard: Dreißigacker. Die Schule ohne Katheder. Pädagogische Schnappschüsse aus der Praxis eines Volkshochschulheims von 1920 bis 1933, Hamburg 1952, S. 32. Weitere Schilderungen über anarchosyndikalistische Teilnehmende finden sich ebenda auf S. 89.

[50] Landauer 1909a, S. 201; vgl. zur Ausbreitung des moderne Massentourismus Keitz, Christine: Die Anfänge des modernen Massentourismus, in: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 33, 1993, S. 179–209.

[51] Landauer, Ebd.

[52] Ebd.

[53] Vgl. Günther, Dagma: Wandern und Sozialismus. Zur Geschichte des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, (= Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Bd. 30) Hamburg 2003.

[54] Im Meiningen gab es sowohl einen „homöopathischen Verein Hahnemannia“ und einen „Naturheil-Verein“, sowie zwei separat ausgewiesene „Naturheilkundige“, laut Adressbuch Residenzstadt Meiningen. Aufgrund Amtlicher Mitteilungen zusammengestellt, Vierzehnte Ausgabe, Meiningen 1904, online in DigiBib, unter: https://wiki-de.genealogy.net/Meiningen/Adressbuch_1904, gesichtet am 23.02.2016, S. 158 (164), 175f. (181f.).

[55] Hierzu aufschlussreich ist der Bericht vom erstes Reichsferienlager des SAJD, 1930 an der Bakuninhütte: „Die Teilnehmer des Reichsferienlagers versäumten nicht, durch Freikörperkultur und Gymnastik, erwähnt sei auch das tägliche Morgenbad am Waldbrunnen, welches gleichzeitig mit dem sich täglich notwendig machenden Transport von Trinkwasser nach der Bakuninhütte, verbunden wurde, ihre körperliche Spannkraft zu erhöhen und dadurch die Voraussetzung zu schaffen für die Möglichkeit der intensiven Mitarbeit an den Arbeitsgemeinschaften über die schwierigen und brennendsten Fragen unserer Organisation.“; G[ülti]g, K[arl]: Erstes Reichsferienlager des S.A.J.D. vom 8.–16. Juni 1930 in Meiningen, Bakuninhütte, in: Junge Anarchisten. Mitteilungsblatt der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend, Nr. 4, Jg. 7, 1930, eine leicht fehlerhafte Transkription von diesem Bericht ist veröffentlicht in: Döhring 2014. Und in der Einladung zum Frühlingsfest, zu Pfingsten 1929 heißt es: „Badezeug zum Sonnenbad nicht vergessen!“; Der Syndikalist, Nr. 18, Jg. XI, 1929 (4. Mai), S. 8, Beilage.

[56] Vgl. eine Fotografie von ca. 1921/22, auf der 22 Personen vor einem Waldrand zu sehen sind. Den überlieferten Angaben zufolge sind sie alle Mitglieder des Siedlungsvereins. Drei der Abgebildeten tragen ein solches „Luftbadekostüm“; Fotosammlung, Vereinsarchiv.

[57] Reuter, Hans-Richard: „Heiliger Anarchismus“. Zur Rezeption anarchistischer Motive im ‘religiosen Sozialismus’ bei Leonhard Ragaz, in: Diefenbacher, Hans (Hrsg.): Anarchismus. Zur Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft, Darmstadt 1996, S. 85–104, hier S. 91.; vgl. auch die Ausführungen über die Positionen der Jugendbewegung bei Linse 1976, für ein Konfliktbeispiel siehe S. 49f.

[58] Vgl. Linse 1989/2010 sowie Döhring, Helge: Schwarze Scharen, anarcho-syndikalistische Arbeiterwehr 1929–1933, Lich/Hessen 2011a.

[59] Reste der Bibliothek der Meininger FAUD-Ortsgruppe gelangten 2008 in das Vereinsarchiv. Darin befanden sich Titel wie „Aufruf an die Menschheit. Muss es denn wirklich so sein?“ (von Leo Tolstoi, dt. Erstveröftl., Leipzig 1901); „Industrieller Antimilitarismus: Gewalt oder Gewaltlosigkeit“, ein „Referat des Genossen Hermann Ritter (Erfurt) auf der Reichskonferenz der Föderation der Metall- und Industrie-Arbeiter F.A.U.D. (Syndikalisten), abgehalten zu Erfurt am 10. und 11 . Juli 1921“ (Wiesberg 1921) und das zum Meilenstein deutscher Anti-Kriegsliteratur avancierte „Es lebe der Krieg!“, von Bruno Vogel (Leipzig 1924).

[60] Der Zeitzeuge Günter Heym beschrieb das Grundstück: „Das Gartentor war mit einem steinernen Bogen überbaut. Auf dieser bogenförmigen Überbauung wurde in Form eines Halbreliefs dargestellt, wie zwei Hände ein Gewehr zerbrechen.“; Brief von Günter Heym an den Wanderverein, Rohr 18.05.2011, S. 3, Vereinsarchiv. Das Antikriegsabzeichen (zwei Arme zerbrechen ein Gewehr) erschien als Sicherheitsnadel sowie in ovaler Broschenform und wurde von der Freien Jugend und SAJD getragen; vgl. (auch für Ausführungen zur Person Ernst Friedrichs) Linse 1976, S. 313.

[61] Beispielhaft hierfür vgl. die biografischen Angaben über August Filler (Bl. 6) im Vereinsarchiv, Personenrecherche.

[62] Vgl. unter anderem Neumann, Thomas (Hrsg.): Demokratische und antidemokratische Entwicklungen in Thüringen 1870–1932, (= Quellen zur Geschichte Thüringens, Bd. 33) Erfurt 2009, S. 28f. und 231 ff.

[63] Erbprinz Bernhard mahnt vor einer sozialistischen Revolution; vgl. Erck, A[lfred] u.a.; SPD-Ortsverein Meiningen (Hrsg.): 125 Jahre Sozialdemokratie in Meiningen, Festschrift zum 125jährigem Jubiläum der Sozialdemokratie in Meiningen, [Meiningen] 1999. Zur generellen Einschätzung vgl. auch Schulze, Gerhard: Novemberrevolution 1918 in Thüringen, Beiträge zur Geschichte Thüringens, herausgegeben von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Bezirkskommissionen zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei den Bezirksleitungen Erfurt, Gera, Suhl und dem Rat des Bezirkes Erfurt, Abteilung Kultur, Erfurt 1976, insbesondere S. 10.

[64] Vgl. Erck 1999; sowie Schulze, insbesondere S. 17.

[65] Nachdem sich im Kasernenhof ein Soldatenrat gründete, wählten die streikenden Arbeiter_innen der Eisenbahn-Hauptwerkstatt einen fünfköpfigen Arbeiterrat. Unter ihnen waren auch der marxistische Theoretiker und Mitbegründer des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main, Karl Korsch sowie Otto Walz, einer der aktivsten Syndikalist_innen aus Meiningen und Erbauer der Bakuninhütte; vgl. Erck, Alfred u.a. (Hrsg.): Meiningen. Lexikon zur Stadtgeschichte, Meiningen 2008, S. 137; sowie Ansorg, Adolf: Vor vierzig Jahren, in: Kulturspiegel, vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Kreisleitung Meiningen, 1958, S. 400–406, hier S. 402, Kopie im Vereinsarchiv.

[66] Vgl. Hesselbarth, Mario: Zur Novemberrevolution 1918/1919 in Thüringen, in: Plener, Ulla (Hrsg.): Die Novemberrevolution 1918/1919 in Deutschland; Für bürgerliche und sozialistische Demokratie. Allgemeine, regionale und biographische Aspekte. Beiträge zum 90. Jahrestag der Revolution, (= Manuskripte 85) Berlin 2009, S. 147–162, hier S. 153.

[67] Vgl. Erck 1999, S. 10, 13 und 15 sowie Festkomitee des RAW Meiningen (Hrsg.): 1914–1964. 50 Jahre Reichsbahnausbesserungswerk Meiningen, Meiningen 1964, S. 20.

[68] Dressel, Guido; Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (Hrsg.): Wahlen und Abstimmungsergebnisse, 1920–1995, (= Quellen zur Geschichte Thüringens, Bd. 4) Erfurt 1995, Onlineausgabe von 2010, S. 52 und 110f, unter: https://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-23432/wahlenundabstimmungsergebnissse_1920-1995.pdf, gesichtet am 29.01.2016.

[69] Tracey, Donald R.: Der Aufstieg der NSDAP bis 1930, in: Heiden, Detlev und Gunther Mai (Hrsg.): Nationalsozialismus in Thüringen, Weimar 1995, S. 49–74, hier S. 46.

[70] Vgl. ebd., S. 50; sowie Esche, Alexandra: „[D]amit es auch wirklich etwas Gutes wird!“ Max Robert Gerstenhauers Weg in die NSDAP, in: Schmidt, Daniel; Michael Sturm und Massimiliano Livi (Hrsg.): Wegbereiter des Nationalsozialismus. Personen, Organisationen und Netzwerke der extremen Rechten zwischen 1918 und 1933, Essen 2015, S. 37–53, hier S. 37 und 39.

[71] Tracey, S. 50, 58f.

[73] Tracey, S. 51.

[72] Vgl. John, S. 111.

[74] Knapp über 17˙000 Menschen lebten 1910 in Meiningen. Als die Eisenbahn-Hauptwerkstatt 1914 erneuert wurde, gab es dort 490 Arbeitskräfte. Noch im gleichen Jahr wuchs daraufhin die Belegschaft auf 800 Personen an; vgl. Festkomitee des RAW Meiningen, S. 15f.

[75] Brief von Franz Dressel an Fritz Scherer, Meiningen Sommer 1968, Vereinsarchiv.

[76] Für die Organisationsstruktur der Syndikalist_innen, separiert in eine räumliche (Orts-Syndikate und Regionalbörsen) und eine branchenspezifische Struktur (Branchenföderationen beziehungsweise -verbänden) vgl. Rübner 1994, S. 48ff.

[77] Vgl. Personenrecherche, Vereinsarchiv.

[78] Otto Walz wurde am 3. Juli 1890 in Wasungen (bei Meiningen) geboren. Als Kriegsgeschädigter kommt er aus dem Ersten Weltkrieg zurück, gehörte zu den aktivsten Personen des Siedlungsvereins und arbeitete im RAW Meiningen als gelernter Tischler. Zusammen mit seiner Frau Maria (vgl. S. 47dieser Arbeit) hatte er sechs Kinder. Am 4. November 1946 starb er in Meiningen an Krebs; vgl. Personenrecherche, Vereinsarchiv.

[79] Die Meininger Bahngewerkschaft beschloss in diesem Jahr einen Streik im Eisenbahndirektionsbezirk Erfurt zu unterstützen. Vier Gewerkschafter machten sich im Auftrag der Streikleitung des Eisenbahn-Werkes mit einer gekaperten Lok auf den Weg. Ihr Ziel war es, die Kolleg_innen im Eisenbahndirektionsbezirk Frankfurt am Main zum Solidaritätsstreik zu gewinnen. Der Zug wurde schließlich in Bebra (heute Hessen) gestoppt. Dem Kaperfahrer Paul Hildebrandt gelang die Flucht. Die drei Anderen, unter ihnen Otto Walz und Otto Heller, saßen vierzehn Tage in Haft. Nur durch Androhung erneuter Arbeitsniederlegung konnte das Haftende erzwungen werden; vgl. Festkomitee des RAW Meiningen, S. 21.

[80] Vgl. Festkomitee des RAW Meiningen, S. 22.

[81] Der erwähnte Syndikalist Otto Heller (* vermutlich 1887) gab Geld zum Kauf des Grundstücks (Bl. 3). 1921 war er an der Gründung der KPD-Ortsgruppe Meiningen beteiligt; vgl. Festkomitee des RAW Meiningen, S. 22. Doch war dies keine Abwendung von anarchosyndikalistischen Positionen. Schließlich gibt ein Polizeibericht darüber Auskunft, dass Heller im Jahre 1926 zum Vorstand der FAUD gehörte; vgl. Thüringisches Staatsarchiv Meiningen (ThStAM), Land Thüringen, Polizeibericht vom 14.04.1926.

[82] Über die Ereignisse vor der Gaststätte „Wolfsschlucht“ schrieb der Zeitzeuge Christian Benkert über jene Nacht vom 13. Oktober 1923 rückblickend: „Täglich wurde erwartet, daß die schwarze Reichswehr von Bayern in Thüringen einmarschierte. Die Arbeiterschaft war deshalb auch in Meiningen in ständiger Alarmbereitschaft. Sozialdemokraten, Syndikalisten und Kommunisten waren sich einig, im Falle des Einmarsches der schwarzen Reichswehr zu Aktionen zu schreiten. Aus diesem Grunde wurden alle Straßen, die nach Meiningen führten, von Arbeitern bewacht.“; Brief von Christian Benkert an Ida Sauer, Meiningen 26.01.1959, Vereinsarchiv. Neben dem Anarchosyndikalisten Paul Große starben der Sozialdemokrat Gottlieb Langguth und der Kommunist Otto Sauer durch die Schüsse der Reichswehr. Eine gerichtliche Aufarbeitung der Vorfälle wurde unter Berufung auf den zu jener Zeit herrschenden Ausnahmezustand vereitelt. Zudem wurde versucht, sowohl die Berichterstattung über das Geschehen als auch eine groß angelegte Beerdigungsfeier zu verhindern. Als diese doch unter zahlreicher Anteilnahme stattfand, trat der kommunistische Justizminister Karl Korsch als Redner auf; vgl. Schreiben des Reichswehr-Befehlshabers an das Thüringische Staatsministerium über eine Rede das Justizministers Korsch (22.10.1923), in: John, S. 111f.

3. Zum Werdegang des syndikalistischen Grundstücks sowie zur Gebäudeentstehung und -nutzung (1919/20–1933)

Am Beginn der Geschichte zur Bakuninhütte stehen Personen83 im Umkreis der Meininger FAUD-Ortsgruppe. Durch Fritz Scherer wissen wir, dass diese lokale Gemeinschaft, getrieben durch die Not der Bevölkerung (Bl. 3), ihre Ideen konstruktiver Selbsthilfe entwickelte: „Laßt uns schaffen, laßt uns bauen | eine neue, bessere Welt, | bis das Morsche und das Faule | ganz in sich zusammen fällt“, hinterließ Fritz Scherer als Eintragung im Gästebuch auf Bl. 19. Auch wenn er selbst nicht zu den lokalen Protagonist_innen gehörte, kann dieser Spruch doch beispielhaft für deren Interessenlage stehen: Sowohl die bedrückenden gesellschaftlichen Verhältnisse als auch das sozial-utopische, voluntaristische Selbstverständnis trieb ihr Handeln an.

Auf Initiative des Syndikalisten Ferdinand Rüttinger84 kam es 1919 zu einer ersten Landpachtung im westlich von Meiningen gelegenen Ort Dreißigacker85. (Bl. 3) Bereits ein Jahr später konnte die Gruppe ein Grundstück käuflich erwerben, welches östlich von Meiningen, auf dem sogenannten Kühndorfer Berg, neben der Erhebung Hohe Maas, lag und zur Gemeinde Ellingshausen gehörte.86 Die für den Kauf notwendigen 21˙000 Reichsmark wurden durch solidarische Leihgaben aufgebracht und die Schulden schließlich bis 1922 wieder durch gemeinschaftliche Bemühungen getilgt.87 Wie schon in Dreißigacker, so wurde auch das Grundstück an der Hohen Maas für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Vorwiegend Kartoffeln und Getreide wurden bis 1925 auf dem Grundstück zur Selbstversorgung angebaut. Das Lebensmittelangebot hatte sich bis dahin wieder derart verbessert, dass der Ackerbau auf dem harten und steinigen Boden auf dem Kühndorfer Berg, der nur mittels aufwendiger Düngung ertragreich war, sich nicht mehr lohnte.

Zwar ließen die Syndikalist_innen ihre Ackerfläche fortan brach liegen, doch „immer wenn sie konnten, stiegen sie bei schönem Wetter mit Frau, Kind und Kegel auf ihren bis dahin so lieb gewonnenen Platz.“ (Bl. 3) Der Ort der Überlebenssicherung avancierte nun zu einem sozialen Ort der Entspannung und Naturnähe, der regelmäßig am Ende einer sechstägigen Arbeitswoche besucht wurde.88 Weil sie eines Sonntags einem rasch heraufziehenden Gewitter nicht entkommen konnten, „kam Franz Dressel der Gedanke, dort oben eine Hütte zu bauen.“ (Bl. 4) Kurz darauf entstand in kollektiver Eigenleistung der syndikalistischen Meininger Gemeinschaft das erste Gebäude auf dem Kühndorfer Berg. In Anlehnung an ihren „Vorkämpfer“ (Bl. 5) Michael Bakunin benannten sie es die „Bakunin-Schutzhütte“.89 Auf einer Fotografie ist diese Hütte zu sehen, zusammen mit ca. 60 Personen und einem Weihestein für Bakunin, mit der Inschrift:

„Zur Erinnerung
An den 50Jährigen
Todestag von
Michael Bakunin
* 30.5.1814, † 1.7.1876
Erbaut 1926“.90

Im Januar 1927 gründeten sie ihren Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe e. V.91, als möglichst wenig zentralistische (Verwaltungs-)Struktur für das in Kollektivbesitz befindliche Land mit Gebäude.92 Die bescheiden eingerichtete Schutzhütte stand allen Menschen offen. Das damit in Zusammenhang zu sehende Problem der Sicherung von Wertgegenständen (Bl. 4) und vermutlich auch die Nachfrage nach einem solchen Raum, führten zu der Idee eines ersten Erweiterungsbaus. Wann genau die Bauarbeiten begannen, konnte bislang nicht festgestellt werden. Der Textchronologie von Fritz Scherer zufolge (Bl. 4f.) wäre dies noch vor der Gründung des Siedlungsvereins, also noch vor 1927 gewesen. Dem widerspricht die Ausführung von Hermann George: „So erbauten wir in dem Jahre 1926 eine provisorische Hütte, welche durch einen 1927 getätigten Ausbau ein stattliches Aussehen bekam.“93 Belegt ist, dass bereits im Juli 1927 Otto Walz als Vorsitzender des Siedlungsvereins mit der zuständigen Baubehörde in schriftlichem Kontakt stand und in seinem Namen am 1. August 1927 vom Verein ein Bauantrag an das Thüringer Landesbauamt Meiningen gestellt wurde.94 In einem Schreiben vom 2. Mai 1928 wurde dieser erste Erweiterungsbau als Baustelle bezeichnet.95 Eine amtliche Genehmigung dieser Arbeiten hatte bis dato nicht vorgelegen. Erst zum 1. August 1928 kam eine solche von der Behörde und somit eine nachträglichen Legalisierung aller Maßnahmen auf dem Kühndorfer Berg.96

Zu den Umständen, aus denen heraus die syndikalistische Gemeinschaft noch vor der erteilten Baugenehmigung zur Tat schritt, ist Verschiedenes zu nennen: Zum einen kam es zu Einwänden von Amtswegen, weil es „keinen öffentlichen Zugangsweg“97 gab. Zum anderen widersprachen zwei Anlieger. Darüber hinaus lehnte die Gemeinde Ellingshausen „irgendwelche Ansprüche des Bauunternehmens in Bezug auf Wasser, elektr. Licht und andere Vorteile“ ab.98 Scherer lässt das zuständige Bauamt99 hierzu folgendes sprechen: „Wir können diesen Bau nicht genehmigen, weil es dort oben kein Wasser gibt.“ (Bl. 5) Zwar versuchte der Siedlungsverein auf seinem Grundstück einen Brunnen zu errichten100 (ebd.), doch weil dies nicht gelang, musste das Trinkwasser weiterhin vom ca. zwei Kilometer entfernten Webersbrunnen (mittels an einem Tragejoch befestigter Eimer) herbeigetragen werden. (Bl. 4, 5 und 6) Von der Wasserversorgung wollten die Syndikalist_innen das Glück ihres Vereinslebens aber nicht abhängig machen. In Scherers Aufzeichnungen wehrte sich der Syndikalist Ferdinand Rüttinger101 mit den Worten: „Man verbietet diesen Bau nicht weil es dort oben kein Wasser gibt, sondern weil wir Proletarier sind. Wenn ein Reicher dort oben bauen würde, so fragt kein Mensch danach, ob es dort Wasser gibt. Wir bauen doch!“ (Bl. 5)

Und so kam es dann auch. Bereits am 27./28. Mai (Pfingsten) 1928 – schon zwei Monate vor der offiziell erteilten Baugenehmigung – wurde zu einer öffentlichen Einweihungsfeier geladen. Mehrfach rief hierzu der Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe gemeinsam mit der Meininger FAUD-Ortsgruppe in der Wochenzeitung „Der Syndikalist“ auf.102 Hier zeigt sich jene Öffnung der Gemeinschaft, die auch in Scherers Ausführungen beschrieben worden ist: War die Ackerfläche in den Jahren 1920–1925 als Gemeinschaftsprojekt vermutlich begrenzt auf die Mitglieder der FAUD-Ortsgruppe Meiningen und Umgebung und deren Familienangehörigen, so waren die erste Bakunin-Schutzhütte und der Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe e. V. auch für „andere Menschen“, für „Sympathisierende aus der Bevölkerung“ offen – „der Zustrom der Bevölkerung wurde immer größer“, es kamen „sehr viel Familien mit ihren Kindern“. (Bl. 4 und 5) Von den Besucher_innen kamen Sach- und Geldspenden für den Siedlungsverein. (Vgl. Bl. 4, 5 und 7.) Dieser wiederum sorgte für eine Befestigung des Zufahrtsweges, sodass die Brauerei Getränke aber auch „Gartenstühle und Tische“ anfahren konnte. (Bl. 5) Alle Gäste waren zur Nutzung des Grundstücks und des Gebäudes eingeladen: „ein jeder konnte sich auf eine[m] der Herde kochen was er wollte.“ (Bl. 4) Die zum Dank gegebenen Spendengelder halfen bei der Finanzierung der Bauarbeiten. Neben der lokalen Bevölkerung wollte der Siedlungsverein aber hauptsächlich Gleichgesinnte auf das Grundstück ziehen, hierzu dienten die erwähnten Einladungen zur Eröffnungsfeier in Der Syndikalist. Scherer schrieb hierzu:

„Dieses war der hauptsächliche Zweck dieser Bakunin-Hütte, allen Genossen und Genossinnen ein Heim zu bieten, wo man sich frei fühlen, bewegen und sich entspannen konnte. Nicht nur den Meininger Genossen, sondern allen freiheitlich eingestellten Menschen.“ (Bl. 7)

Auch dieser politische Anspruch des Siedlungsvereins drückte sich in der Gestaltung auf dem Grundstück aus: Neben dem beschriebenen Bakunin-Gedenkstein gab es an der Westseite der Fassade eine eingelassene Steinplatte103, welche folgenden eingravierten Spruch als Sinnbild der Weltanschauung des Siedlungsvereins trug:

„Freies Land und freie Hütte
Freier Geist und freies Wort
Freie Menschen, freie Sitte
Zieht mich stets an diesen Ort“. (Bl. 5f.)

Zudem war darin ein „Fünfstern mit Hammer und Sichel eingemeißelt“ (Bl. 6), laut Scherer über dem Spruch, tatsächlich jedoch darunter, wie Fotografien zeigen.104 Als für die Umsetzung davon verantwortliche Personen benennt Scherer „Otto Walz und seinen Sohn Heini105“, weil Letzterer „als Steinbildhauer gerade in der Lehre war“. Als Verfasser der Verse wird der „Meininger Genosse[…] Max Baewert“ benannt.106(Ebd.)

Was Scherer in seinem Text nicht erwähnt, sind seine eigenen Leistungen. So ist es seinen Schilderungen an anderer Stelle zufolge auf seine Initiative zurückzuführen, dass im Frühjahr 1931 die sogenannte „Grotte“ entstand. Dies war ein bis zu fünf Meter langer und ca. zwei Meter hoher, halb geschwungener Natursteinwall. Mit einem Tisch und einer Bank aus Holz an der Innenseite, diente die Grotte als ein Wohlfühlort: „Es wurde ja Frühling und da hieß es, die Siedlung muß noch schöner werden, sie soll für alle anziehender sein.“, schrieb Scherer.107 Zum allgemeinen Wohlbefinden errichteten die Syndikalist_innen auf dem Gelände außerdem zahlreiche Sitzgruppen und gestalteten das Grundstück mit Weg- und Beetbegrenzungen aus Naturstein; es „wurden Anlagen geschaffen, Blumen, Büsche und Bäume gepflanzt.“ (Bl. 4) Zudem gab es Wippen, vier Schaukeln und sogar ein Kettenkarussell.108 Trotz baupolizeilicher Auflage, einen „wild- bzw. federviehdichten Zaun“ zum Wald hin zu errichten109, beschreibt der Zeitzeuge Rudolf Dressel, dass das Grundstück immer offen stand110, was den Charakter als „Freie Hütte“ im Empfinden der Besucher_innen gewiss unterstreichen sollte. Zumindest geplant waren noch weitere Gestaltungsarbeiten auf dem Vereinsgelände: „Ein Planschbecken wird ebenfalls gebaut. Ein Pavillon wird den Aufenthalt im Freien unter schützendem Dache ermöglichen.“111

Das von der lokalen Gemeinschaft in und an der Bakuninhütte bereitgestellte Angebot an Freiraum, Nutzungsmöglichkeiten und diversen Veranstaltungen wurde in den Jahren 1928–1930 von vielen Gästen, nicht nur aus Südthüringen, ausgiebig genutzt. Hervorzuheben ist hierbei das jährliche Pfingstfest. Seit der Einweihung des ersten Erweiterungsbaus der Bakuninhütte zu Pfingsten 1928 entwickelte sich daraufhin das verlängerte Pfingstwochenende zu einem jährlich wiederkehrenden Termin für ein Frühlingsfest.112 Hierbei wird allein die Lage der Bakuninhütte, umgeben von Wald und Wiesen, wahrscheinlich einen Großteil der lokalen Bevölkerung angelockt haben. (Wie dies auch bei anderen Wanderhütten der Fall war und bis heute noch so ist.) Andere Gäste kamen jedoch aufgrund ihrer politischen Verbundenheit mit den weltanschaulichen Grundsätzen der Anarchosyndikalist_innen an diesen Ort, so wie der bekannte Poet und Anarchist Erich Mühsam.113 Zudem gab es mehr oder weniger exklusive syndikalistische Veranstaltungen an der Bakuninhütte. Vom 8. bis 16. Juni 1930 versammelte sich „eine stattliche Anzahl Teilnehmer“ zum ersten Reichsferienlager der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands (SAJD) an der Bakuninhütte.114 Und im Anschluss an den 8. Reichskongress der SAJD, 25.–27. Dezember 1930, verbrachten die Delegierten der Ortsgruppen Frankfurt am Main und Offenbach ihren Weihnachtsurlaub an der Bakuninhütte.115 (Bl. 7) Die in einschlägigen syndikalistischen Medien platzierte Werbung für die Frühlingsfeste zu Pfingsten und für das Ferienlager der SAJD, etablierten die Bakuninhütte als einen Treffpunkt im überregionalen syndikalistischen Milieu, welches sich wiederum vor Ort mit der politisierten Lokalbevölkerung vermischte. Besonders deutlich wird dies im Bericht des Ferienlagers, welches genau auf die Pfingsttage von 1930 fiel. Dieses Datum führte dazu, dass sich das syndikalistische Publikum mit einer Menge an Gästen vermischte, die einen feiertagsbedingten Ausflug dorthin unternahmen:

„Kampf dem Faschismus“

Unsere Jugend ließ es sich nicht entgehen, anläßlich des Reichsferienlagers, welches ja nun gerade in Thüringen, da der Faschismus die höchsten Wogen schlägt, stattfand, Kundgebungen gegen ihn zu organisieren. So wurde auch, da viele Bewohner aus den umliegenden Ortschaften der Bakuninhütte zuströmten, am zweiten Pfingsttage gegen Abend eine Versammlung unter Teilnahme all dieser Besucher der Bakuninhütte veranstaltet. Der Redner, Gen. Gültig, ging auf die gegenwärtigen Zeitverhältnisse ein, sprach zum Faschismus und seinen Bestrebungen und ermahnte zum schärfsten Kampf gegen diese Bestie der Reaktion. Mit Bakunin dem großen Revolutionär machte er die Anwesenden vertraut und forderte auf, mit dem gleichen Feuereifer wie Bakunin den Kampf für eine Gesellschaft des Wohlstandes und der Freiheit aller zu führen.“116

Während das beginnende Jahr 1931 bereits neue Anlässe für (politische) Zusammenkünfte bot – der 1. Mai als „Arbeiter-Feiertag“117 und ein „Kropotkin-Abend“118 – wurden aus dem Zuspruch, den die Bakuninhütte während des Jahres 1930 bekam, Konsequenzen für die Zukunft gezogen: Laut Hüttenbuch besuchten die Erfurter Emil Zehner119, Gottfried Voß120 und Carolus Heber121 „Ostern 31. […] im Auftrag der Gruppen vom Bez[ir]k. Groß-Thüringen die Geschäftsleitung der P.A.B. Groß-Thüringen die Bakuninhütte um mit den Meininger Genossen die weitere Entwicklung zu beraten.“ (Bl. 11) Durch die Eintragung von Theophile Adomat122 und Kurt (Curt) John123 aus Weißenfels (an der Saale) erfahren wir genaueres über dieses Treffen vom 5. April 1931124: „Aufstieg zur Bakuninhütte heute 9 Uhr – Treffen der Genossen aus Weißenfels und Erfurt. Besprechung zwecks Ausbau und Finanzierung der Bakunin=Siedlung. […]“ (Ebd.) Als Ergebnis dieser und womöglich noch weiterer Besprechungen übernahm die P.A.B. Groß-Thüringen die Protektion der Bakuninhütte.125 Denn, so resümierte Hermann George126, „wenn auch die Raumverhältnisse noch beschränkt sind, so haben doch eine ganze Anzahl Genossen und Genossinnen aus dem Thüringer Bezirk frohe sonnige Tage hier verlebt, an die sie gern zurückdenken“127 Mit Bezug auf das Ferienlager der SAJD heißt es weiterhin:

„Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich aber, dass die Räumlichkeiten für solche Zwecke zu klein waren. Dieser Mangel soll jetzt durch einen Vergrößerungsbau behoben werden. Der Zweck der Hütte soll sein, allen Genossen aus dem Reich eine Ferienstätte zu schaffen, aber es soll auch eine Stätte sein, wo Jugend- und Kindergruppen Ferienlager veranstalten können. Um den Ausbau, die Einrichtung usw. durchführen zu können, müssen wir finanzielle Mittel beschaffen. Die Gruppe Meiningen ist zu schwach, um diese selbst aufbringen zu können. […] Aus diesem Grunde bitten wir die Kameraden im Reiche, durch den Vertrieb von Baufondskarten – in der Form wie abgebildet, das begonnene Werk zu fördern. Trotz der schweren wirtschaftlichen Lage muß es jeder Genosse als seine Pflicht betrachten, wenigstens zwei Baufondskarten abzusetzen. Wir wissen alle, was die Parteischulen und Heime für die gegnerischen Organisationen bedeuten – wohl an, schaffen wir uns daher aus eigener Kraft mit der Bakuninhütte eine Heimstätte der Bewegung.“128

Gedruckt wurde dieser Artikel von Hermann George in der Ausgabe des Syndikalist vom 4. Juli 1931. Zwei Tage darauf hinterließ er den bereits zitierten Eintrag im Gästebuch:

„Die Bakuninhütte sei eine Stätte zur Erholung des Körpers und auch des Geistes, um im Alltag und im Ringen um Fortschritt und Freiheit gerüstet zu sein.“ (Bl. 14)

Dieses Ziel wurde zahlreich unterstützt, sowohl durch handwerkliche Hilfe bei den Arbeiten am zweiten Erweiterungsbau, als auch durch den Vertrieb von Baufondskarten. Das Gästebuch enthält einige Hinweise aus denen sich die Entwicklung des zweiten Erweiterungsbaus der Bakuninhütte rekonstruieren lässt. Die ersten Nachweise über die Bauarbeiten finden sich auf Bl. 16, vom 31. August 1931:

„Wir schaufelten und fuhren!
große Steene, klene Steene
das war gemeene, aber sonst wars schön.“

Unterzeichnet wurde diese Eintragung von den Erfurtern Willy Ehms129, Erich Schmidt130, Max Schipansky131 und Heinrich Hollerbuhl132. Aus Bl. 18 des Gästebuches ist zu entnehmen, dass sich sogar Gäste an den Arbeiten beteiligten, die vermutlich nicht zum Zwecke der Bauhilfe angereist waren. Herbert Levy133 schrieb am 15.9.1931:

„Weilte hier oben 3 Schöne Sonnige Tage, half nebenbei beim bau [sic!] der Neuen Bakunin-Hütte. Schaufelte Steine und Sand, Mensch das war allerhand. Doch für die Anarcho-Syndikalisten würde ich auch ein Stall ausmißten.“

Die letzte große Weichenstellung für die Bedeutung der Bakuninhütte erfolgte auf dem 19. Reichskongress der FAUD, vom 25. bis 28. März 1932 in Erfurt. Für fünf von den 14 Syndikalist_innen, die im Namen der PAB Groß-Thüringen daran teilnahmen, lassen sich Beziehungen zur Bakuninhütte nachweisen: Emil Zehner (Bl. 11), Otto Schmidt134 (Bl. 14 und 15), Carolus Heber135 und Gottfried Voß (Bl. 11) besuchten teils mehrfach die Bakuninhütte; Otto Roth136 war es, der Fritz Scherer für die Bakuninhütte begeisterte.137 Allesamt waren sie vermutlich maßgeblich an dem Beschluss beteiligt, die Bakuninhütte künftig „vorwiegend als Kinder- und Ferienheim“ zu nutzen.138Der Eintragung auf Bl. 24 zufolge gab es drei Monate später einen wahrscheinlich geplanten Arbeitseinsatz der „Föderation d. Zementauren“139 aus Erfurt (vom Montag den 27.06.1932), der vielleicht über ein verlängertes Wochenende oder von arbeitslosen Personen ausgeführt wurde. Angekündigt wurde dort ein weiterer Arbeitseinsatz, für drei Wochen darauf. In der zwei Tage zuvor erschienenen Ausgabe des Syndikalist, schrieb der bereits erwähnte Erfurter Emil Zehner:

„Die ‘Bakuninhütte’ der Thüringer Kameraden ist ein durch idealistische Arbeit vor allem unserer Meininger (aber auch vieler anderer Genossen) entstandenes Haus mit prächtigem, großem Grundstück, das völlig schuldenfrei ist und in dem Maße weiter ausgebaut werden soll, wie Beiträge dafür einkommen.“140

Für 8–10 Personen war man zu dieser Zeit in der Lage Nachtquartier in der Hütte zu geben, gegen einen Betrag von 25 Pfennigen pro Person pro Nacht und 10 Pfennigen pro Tag.141 Allein die Analyse der Gästeeintragungen lässt nur unzureichende Schlüsse darauf zu, wie stark von diesem Angebot Gebrauch gemacht wurde. Über die mangelhafte Absetzung der Baufondskarten (10 Pfennige pro Stück) wurde allerdings geklagt:

„Ein Teil der Genossen im Reiche haben Karten bezogen, aber bei weitem ist der Umsatz nicht in dem Maße gewesen, wie wir im voraus glaubten, und die Einnahmen kamen nicht in dem Maße, wie wir mit ihnen rechneten.“142

Vermutlich leisteten sich nur besonders politisch engagierte Syndikalist_innen die besagten Karten, um sie weiter zu verkaufen oder selbst zu nutzen, wie Emma Goldman143.

Der zweite Erweiterungsbau der Bakuninhütte konnte nicht vor der Machtübertragung an die Nationalsozialist_innen fertiggestellt werden. Die Polizei durchsuchte die Hütte bereits am 4. März 1933.144 Einen Monat später wurde der Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe aufgelöst und die Schließung der Hütte sowie die Beschlagnahme des Eigentums angewiesen. Bislang unklar ist, warum diese Anweisung nicht unverzüglich vollzogen wurde. Möglicherweise hatte dies mit der „Befürwortung des Landtagsabgeordneten Rompel“145 (NSDAP) zu tun. Welche Beziehung genau dieser zur syndikalistischen Gemeinschaft hatte, ist unklar.146 Nur so war es möglich, dass auch 1933 noch ein großes Pfingst- beziehungsweise Frühlingsfest an der Bakuninhütte gefeiert werden konnte.147 Ausgehend von der Gästebuchchronologie wäre es möglich, dass die 18 Einträge auf Bl. 25 von diesem Anlass stammen. Das würde die Zurückhaltung erklären, was weitere Angaben wie Herkunftsort, Sprüche usw. betrifft. Eine Woche darauf erreichte den Meininger Stadtvorstand ein Beschwerdeschreiben, anonym verfasst durch „Nationalgesinnte“.148 Jemand „der die Sache genau beobachtet hat“ und sich pflichtbewusst darum bemühte, „solche Elemente nicht wieder hoch kommen zu lassen“ schrieb:

„Warum wird diesen Leuten erlaubt Bier und andere Getränke zu verkaufen. Zu Pfingsten haben sie wieder ein fettes Geschäft gemacht und sie haben es leicht Gelder in ihre Kasse zu bekommen […] vielleicht sehen Sie sich die Leute einmal etwas näher an […] denn diese Siedlung ist doch ausschließlich von Berliner u. Erfurter Syndikalisten finanziert worden, und die Eintragung am Gericht auf Siedlungsverein ist nur ein Scheinmanöver. Es ist Pflicht der Polizei und SA dieses Gebäude zu bewachen, damit nicht das gute Werk, das Adolf Hitler durchgeführt hat zu Schanden wird.
Einer der die Sache genau beobachtet hat.“149

Vermutlich gab es strategische Bemühungen des Siedlungsvereins, um nicht unter die Räder der gleichschaltenden Walze des NS-Regimes zu geraten, welche zunächst erfolgreich waren. Doch durch das Denunziationsschreiben nahm diese unaufhaltsam Kurs auf die Bakuninhütte und ihren Siedlungsverein. So wurde am 22. Juli 1933 unter Beisein von Otto Walz als Vertreter des Siedlungsvereins, das Gebäude „polizeilich geschlossen und beschlagnahmt“ sowie endgültig versiegelt.150 So ist es erklärlich, dass noch am 3. Juli 1933 letzte Einträge im Gästebuch der Bakuninhütte hinterlassen wurden. (Bl. 26) Vorstellbar wäre jedoch, dass die syndikalistische Gemeinschaft jene Gegenstände, die ihr besonders wichtig151 oder politisch brisant waren152, wie das Gästebuch, bereits vom Grundstück entfernt und sicher verwahrt hatte, nachdem das Gebäude am 4. März polizeilich durchsucht worden war. Zur endgültigen Schließung der Hütte blieb somit lediglich „altes wertloses Gerümpel“153 dort zurück.154

Anmerkungen:

[83] Die Stärke von syndikalistischen Ortsgruppen kann meistens nur geschätzt werden, weil hierüber weder zentral Buch geführt wurde, noch waren diese Gruppen eingetragene Vereine, stattdessen können nur Rückschlüsse aus indirekten Angaben gezogen werden. Für die Meininger Ortsgruppe (in der gesamten Zwischenkriegszeit) finden sich bei acht Personen Angaben über ihre Mitgliedschaft und für vier Personen genauere Angaben zu ihrer Funktion in der FAUD-Ortsgruppe. Der darüber hinausgehende engere Gruppenkern ist auf ca. 30 Personen zu schätzen. Es ist jedoch von einem weit größeren Umfeld an politischen sympathisierenden und persönlich befreundeten Menschen auszugehen. Der Wanderverein hat bis zu 60 Personen recherchieren können, die während der Zwischenkriegszeit in mehr oder weniger direktem Zusammenhang mit der Meininger FAUD-Ortsgruppe oder der Bakuninhütte standen; vgl. Personenrecherche im Vereinsarchiv.

[84] Ferdinand Rüttinger († 1931) war Seemann (Bl. 3) und vermutlich auch Verlagsbuchhändler; vgl. den Bericht vom Presse- und Propaganda-Ausschuss in: Herzog, H[ans]; Miederer, Hans; Wanckel, Alfred: Bericht über die Internationale Baufach-Ausstellung mit Sonderausstellungen Leipzig 1913, Leipzig 1917, S. 65, online unter https://archive.org/stream/berichtuberdiein00herz#page/n69/mode/2up/search/Ferdinand, gesichtet am 18.01.2016. Er war Gründer der Meininger FAUD-Ortsgruppe; vgl. Nachruf von seiner Ortsgruppe, in: Der Syndikalist, Nr. 13, Jg. XIII, 1931 (24. Januar), S. 8, Beilage.

[85] Hier hatte es zumindest 1925 eine eigenständige „Vereinigungen aller Berufe“ gegeben; vgl. Döhring 2014, S. 52, Anm. 3.

[86] Mit Datum vom 1. Juli 1921 wurde in das Grundbuch von Ellingshausen für das Grundstück Nr. „360 1/3“ Folgendes eintragen: „a. Rüttinger, Ferdinand Seemann b. Baewert, Fritz, beide in Meiningen […]. Kaufpreis 3000 Mark.“; Amtsgericht Meiningen, Grundbuchamt, Grundbuch von Ellingshausen, Hpt.-Nr. 509, Blatt 1076. Das Grundstück hatte eine Fläche von 0,64 ha.

[87] Franz Dressel schrieb hierzu: „Die meisten von uns hatten natürlich kein Geld. […] Jeder in Arbeit stehende Genosse gab nun, was er seiner Familie entziehen konnte auf und auf diese Art haben wir das geliehene Geld zurückbezahlt = 10000 Mk.“; Brief von Franz Dressel, Vereinsarchiv. Hier muss betont werden, dass dem Abtragen der Schuldenlast die inflationäre Geldentwertung zugute kam. Warum die Quellen hinsichtlich des Kaufpreises differieren (siehe Anm. darüber), ist bislang nicht geklärt. Es ist zu vermuten, dass auf Initiative der Syndikalist_innen die amtlich ausgewiesene Kaufpreissumme geringer als tatsächlich veranschlagt wurde, um Gebühren (Notar) für die Kaufabwicklung einzusparen.

[88] Eine Fotografie, wahrscheinlich von 1921, zeigt eine Gruppe von mehr als 40 Personen auf einer Wiese, vor einem Wald; vgl. Richarz 2012, S. 285. Der Überlieferung nach zeigt es die syndikalistische Meininger Gemeinschaft bei einem Sonntagsausflug auf ihrem Grundstück. Zu sehen ist weder die Ackerfläche, noch Werkzeuge, stattdessen gut gekleidete und mit Instrumenten ausgerüstete Personen verschiedenster Altersgruppen, die sich ganz offensichtlich trafen, um ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen.

[89] Die genaue Bezeichnung als Bakunin-Schutzhütte konnte einer Fotografie entnommen werden, welche die besagte Hütte, sowie drei Skifahrer im Vordergrund einer winterlichen Landschaft zeigt; Richarz 2012, S. 285, Original im Vereinsarchiv, Fotosammlung, überlassen von Wolfgang Lipp. Dies war entweder der Winter 1925/26 oder 1926/27. Die genaue Datierung des Erstbaus ist nicht überliefert und lässt sich nur schwer rekonstruieren. Zu der an anderer Stelle (Richarz 2015, S. 58, Anm. 20) bereits ausgeführten Diskussion lässt sich ergänzen, dass im Jahr 1926, dem 50. Todesjahr von Michail Bakunin, in anarchistischen beziehungsweise syndikalistischen Kreisen rege Erinnerungsarbeit betrieben wurde. So kam hier auch eine Broschüre mit Erinnerungsbeiträgen von diversen Aktivist_innen der Szene in Umlauf; vgl. Nettlau, Max (Hrsg.): Unser Bakunin. Illustrierte Erinnerungsblätter zum 50. Todestag von Michael Bakunin, geb. 30. Mai 1814, gest. 1. Juli 1876, Berlin 1926, wovon sich auch drei Ausgaben in der Meininger FAUD-Ortsgruppenbibliothek befinden (Sign.: G.1.4.2.1.66.1ff.). Die Vermutung liegt nahe, dass die Benennung der Hütte mit diesem Jahrestag zusammenfiel. Einen weiteren Hinweis darauf liefert die Inschrift des nachfolgend beschriebenen Gedenksteins für Bakunin.

[90] Der Bakunin-Gedenkstein ist Teil des Archivs vom Kreis der Wander- und Naturfreunde Meiningen e. V. und war Bestandteil der Ausstellung „Mühsam in Meiningen – Meiningen und seine Anarchisten“ vom 17.5. bis 27.9. 2015. Seit dem 03.09.2015 ist der Stein ein Teil des offiziell anerkannten Kulturdenkmal Bakuninhütte. Vgl. https://bakuninhuette.de/2015/09/meldung-erstes-kulturdenkmal-der-anarchosyndikalistischen-bewegung-in-deutschland/, gesichtet am 07.08.2019.

[91] Der Name leitet sich her von Fürst Pjotr Alexejewitsch Kropotkin’s (1842–1921) Werk „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“, erstmals veröffentlicht 1902; vgl. Richarz 2015, S. 66, Anm. 98.

[92] Der Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe gab sich laut Vereinsregister am 26. Januar 1927 seine Satzung und wurde am 3. Juni 1927 mit den nachfolgenden Vorständen ins Meininger Vereinsregister eingetragen: der Tischler Otto Walz als Vorsitzender, der Schlosser Alfred Thomas als dessen Stellvertreter, der Arbeiter Alfred Anschütz (1892–1972) als Schriftführer und der Schlosser Fritz Baewert (*1908) als Kassierer, alle damals in Meiningen wohnend. Am 29. Juli 1927 wurde das Grundstück am Kühndorfer Berg von den genannten Privatpersonen auf den Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe e. V. umgetragen; vgl. Amtsgericht Meiningen, Grundbuch Ellingshausen. Mit Wirkung vom 2. Juni 1931 schieden Alfred Anschütz und Fritz Baewert aus dem Vorstand aus. Ihnen folgten dafür die Meininger Edwin Walz (sen.) als Schriftführer und der Schlosser Franz Dressel als Kassierer. Zu einem letzten Wechsel der Vorstandsposten kam es laut Vereinsregister am 25. April 1933. Hier wurden Alfred Thomas und Edwin Walz ersetzt durch den Meininger Emil Liebeskind (als stellvertretender Vorsitzender) und den Installateur Hermann Stedtler aus Dreißigacker (als Schriftführer); vgl. ThStAM, Land Thüringen, Vereinsregister.

[93] Der Syndikalist, Nr. 27, Jg. XIII, 1931 (4. Juli), S. 7.

[94] Vgl. ThStAM, Land Thüringen, Polizeiakten.

[95] Schreiben vom 02.05.1928 an „das Thür[ingische] Landesbauamt“, wahrscheinlich von einer Meininger Behörde, ThStAM, Polizeiakten.

[96] Vgl. ThStAM, Polizeiakten.

[97] Schreiben der Stadtforstverwaltung Meiningen vom 10.05.1928, ThStAM, Polizeiakten.

[98] Formular ausgefüllt vom Gemeindevorstand von Ellingshausen, 5. August 1927, ThStAM, Polizeiakten.

[99] Zwar heißt es bei Scherer, dass es sich hierbei um „die Stadtverwaltung von Meiningen“ handelte. (Bl. 5) Wahrscheinlich ist dies jedoch eine Verwechslung. Denn da das Grundstück nie zur Stadt Meiningen gehörte, war die zuständige Behörde das Thüringer Landesbauamt, mit Sitz in Meiningen.

[100] Dies und weitere Details von Scherers Ausführungen über die Brunnenbohrarbeiten werden bestätigt durch ein Schreiben an das Thüringer Landesbauamt, Meiningen, vom 04.08.1927. Verfasst vom „Siedlungs-Verein Gegenseitige Hilfe, Ortsverein Meiningen“ setzt es die Behörde über eine bereits in Gange befindliche Bohrung in Kenntnis, die zum damaligen Zeitpunkt eine „Bohrtiefe von zirka 10–12 mtr.“ hatte, und bittet um baupolizeiliche Genehmigung hierfür um, wie es hieß „weitere Komplikationen zu vermeiden“; ThStAM, Polizeiakten. Dies könnte ein Hinweis auf die von Scherer erwähnte Auseinandersetzung mit F. Rüttinger sein.

[101] Ferdinand Rüttinger begleitete in den Jahren 1919–1921 diverse öffentliche Ämter und war darum im praktischen Umgang mit diesen erfahren: Ersatzmann im Meininger Steuereinschätzungsausschuss, stellvertretender Schiedsmann sowie Leiter des Ortskohlenamtes; vgl. Stadtarchiv Meiningen (StadtAM), Sitzungen des Gemeinderats Meiningen 1918–1921, Findbuch des Stadtarchivs Meiningen, Teil 1, Meiningen 2001, S. 25, 69, 72.

[102] Vgl. Der Syndikalist, Nr. 15, Jg. X, 1928 (14. April), S. 4.; Der Syndikalist, Nr. 19, Jg. X, 1928 (12. Mai), S. 4.

[103] Wahrscheinlich aus Terrazzo, nicht Marmor, wie Scherer schrieb (Bl. 5).

[104] Vgl. dazu auch die Symbolik auf dem Cover des Hüttenbuches.

[105] D.i. Heinrich Walz, der auch der SAJD-Gruppe Meiningen angehörte; vgl. Scherer: Wandertagebuch, S. 148/150.

[106] Zwar nennt der Zeitzeuge Rudolf Dressel den Bruder von Max, Fritz Baewert als Verfasser des Hüttenspruchs, doch stützt sich die Angabe von Scherer auf den Brief von Franz Dressel, welcher wegen der zeitlichen Nähe zum Geschehen und seines Alters zum Entstehungszeitpunkt der Tafel als zuverlässigere Quelle anzusehen ist; vgl. Brief von Franz Dressel, Vereinsarchiv.

[107] Scherers Schilderungen zufolge halfen beim Errichten der Grotte auch Gerhard Seefeld und Adolf Tetschner (1909–1983, gelernter Bauglaser und Mitglied der SAJD-Ortsgruppe Meiningen); Scherer: Wandertagebuch, S. 191f., vgl. auch Richarz 2015, S. 64.

[108] Vgl. unter anderem Scherer: Wandertagebuch, S. 160ff., Vereinsarchiv.

[109] Baugenehmigung, ThStAM, Land Thüringen, Polizeiakten.

[110] Vgl. Notizen über diverse Gespräche mit dem Zeitzeugen Rudolf Dressel, Vereinsarchiv, Personenrecherche. Dieser Erinnerung widersprechen die Ausführungen im Schriftverkehr der Beschlagnahmung; vgl. Kreisarchiv Meiningen (KrAM), Gemeinde Ellingshausen vor 1945, Nr. 00/10, Beigeordnete Ellingshausen und verschiedener Schriftwechsel 1933–50, Beschlagnahme der Bakuninhütte. Allerdings stehen diese Angaben wiederum im Widerspruch zu anderen Details, was ihre Glaubwürdigkeit mindert.

[111] Der Syndikalist, Nr. 38, Jg. XIII, 1931 (19. September), S. 5.

[112] Nachweislich im Jahr 1929; vgl. Der Syndikalist, Nr. 18, Jg. XI (4. Mai 1929), S. 8, Beil.; 1930, im Zuge des ersten Reichsferienlagers der SAJD; 1931, vgl. Bl. 12–14; 1932 gab es wenige Einträge, darum vielleicht kein großes Fest, vgl. Bl. 22; sogar 1933 wurde gefeiert.

[113] Erich Mühsam besuchte die Bakuninhütte für mindestens zwei Tage. Vom 8. und 9. Februar 1930 stammen drei Postkarten, die Erich an seine Frau Zenzel Mühsam schrieb und von Meiningen aus abschickte. Wenige Monate später erfolgte ein weiterer Besuch Mühsams der Bakuninhütte; vgl. Richarz 2015, S. 62.

[114] G[ülti]g; vgl. auch Döhring 2014.

[115] Es ist wahrscheinlich, dass hierbei mindestens die anarchosyndikalistischen Jugendaktivisten Karl Gültig (Offenbach) und Georg Hepp (Frankfurt am Main) anwesend waren, da diese als Repräsentanten der jeweiligen Ortsgruppen an Kongressen teilnahmen.

[116] G[ülti]g (Hervorhebung im Original).

[117] Von 1931 heißt es, „wieder wurde die schwarze Fahne aufgezogen und Genosse Otto Walz hielt die Gedenkrede […]“ und „wieder war viel Leben hier auf unser [sic!] Land von Genossen, Freunden, Sympathisanten und Fremden.“; Scherer: Wandertagebuch, S. 192.

[118] Diesen „Kropotkin-Abend“ veranstaltete die Meininger FAUD-Ortsgruppe „zu Ehren des russischen Anarchisten Peter Kropotkin“, anlässlich seines zehnten Todestags, am 13. Februar 1931; Scherer: Wandertagebuch, S. 170.

[119] Emil Zehner wurde 1880 in Ostheim geboren. Er war Klempner und lebte lange in Erfurt, Yorkstr. 48; vgl. Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1931/1932, 73. Ausgabe, bearbeitete und herausgegeben von Gebr. Richters Verlagsanstalt, Erfurt, S. 527, online unter: https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jpvolume_00223815, gesichtet am 23.02.2016. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg kam ihm eine regionale Bedeutung zu; vgl. Rübner 1994, S. 60. Nach dem Ersten Weltkrieg war er in der FAUD organisiert insbesondere als Teil der Geschäftsleitung der Provinzialarbeitsbörse (P.A.B./PAB) Groß-Thüringen und nahm in deren Auftrag an dem besagten Treffen teil; vgl. beispielsweise: Aufruf der PAB Groß-Thüringen, in: Der Syndikalist, Nr. 33, Jg. XIII, 1931 (15. August), S. 4. Später nahm er unter anderem auch am 19. FAUD-Kongress in Erfurt (25.-28. März 1932), für die Ortsgruppe Erfurt Teil; vgl. Haug, Wolfgang: Eine Flamme erlischt. Die Freie Arbeiter Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK – Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Jg. 25, Heft 3, Berlin September 1989, S. 359–379, hier S. 361, Anm. 16. Zur Person Emil Zehner vgl. Mümken, S. 52.

[120] Voß, Gottfried, Maurer, Filßstr. 3, nach Einwohnerbuch der Stadt Erfurt, S. 509. Er übernahm die Tagungsleitung der Reichskonferenz der Bauarbeiter der FAUD, welche am 24. März 1932 in Erfurt stattfand; vgl. Der Syndikalist, Nr. 21, Jg. XIV, 1932 (28. Mai), S. 8, Beilage.

[121] Heber, Carolus, (Leder-)Zuschneider, Grünstr. 26. Eventuell ist Gertrud Heber (Bl. 14) seine Frau oder mit ihm verwandt; vgl. Einwohnerbuch der Stadt Erfurt, S. 345.

[122] Theophile Veronika Adomat (geb. Karzewski, auch Karczewski) wurde am 16. August 1889 in Schönwiese bei Nikolaiken (Masuren) geboren. In einer ersten Ehe war sie mit einem Herrn Paul (kein Rufname bekannt), der bereits vor 1918 verstarb. Später lebte sie in Hörde (heute ein Stadtteil von Dortmund), wo sie erneut heiratete, den Steiger Friedrich Adomat, am 03. Mai 1918. Von diesem ließ sie sich am 10. Juli 1931 im Landgericht Essen scheiden. Spätestens 1928 war die gelernte Schneiderin nach Weißenfels gezogen (ein genaues Anzugsdatum ist unbekannt) und lebte dort, „An der Pfeffermühle 3“, mit ihrem Sohn Robert und weiteren Kindern (laut Scherer von 1930). In Weißenfels verheiratete sie sich erneut, am 15. April 1950, mit Friedrich Hermann Curt John. Dort verstarb sie auch, am 12. März 1970. Laut Fritz Scherer verstand sie sich selbst als individualistische Anarchistin und war Mitglied in der anarchosyndikalistischen Kulturorganisation Gilde freiheitlicher Bücherfreunde (GfB). Ihr Sohn Robert besucht Fritz Scherer im März 1931 auf der Bakuninhütte, während Scherers Zeit als Hüttenwart; vgl. Scherer, Fritz: Zehn Wochen auf der Landstraße, in: Wandertagebuch, S. 26–30; Standesamt Nikolaiken, Reg.-Nr. 35/1889; Geburtenregister und Sterbeeintrag der Theophile Adomat, Standesamt Weißenfels, Reg.-Nr. 232/1970. Die Dokumente hat der Autor nicht persönlich eingesehen; vgl. E-Mails vom 27. und 28.01.2016 an den Autor. Für die tolle Zuarbeit biografischer Informationen danke ich ganz herzlich Silke Künzel, der Leiterin des Stadtarchiv Weißenfels.

[123] Friedrich Hermann Curt John (an anderer Stelle ‘Kurt’) wurde als Sohn eines Schuhmachermeisters am 23.05.1891 in Weißenfels geboren. Am 13.12.1913 verzog er nach Mönchen-Gladbach, wo er möglicherweise Theophile (siehe oben) kennen lernte. Im November 1918 kehrte er (vom Militär) nach Weißenfels zurück. Er verdingte sich als Schuhmachermeister und Kaufmann. 1930 war er laut Scherer arbeitslos. Seit dem 15. April 1950 war er mit Theophile (siehe oben) verheiratete, die am 10. Mai 1950 zu ihm gezogen war. Bis zu seinem Tod, am 2. April 1976 in Halle, lebte John in Weißenfels, in der Waltherstr. 16; vgl. Scherer: Wandertagebuch, Zehn Wochen auf der Landstraße, S. 26–30; Geburtenregister und Sterbeeintrag der Theophile Adomat verehelichte John, Standesamt Weißenfels, Reg.-Nr. 232/1970. Die Dokumente hat der Autor nicht persönlich eingesehen; vgl. E-Mails vom 27. und 28.01.2016 an den Autor. Für die tolle Zuarbeit biografischer Informationen danke ich ganz herzlich Silke Künzel, der Leiterin des Stadtarchiv Weißenfels.

[124] Aus Scherers Wandertagebuch ist zu erfahren, „Der nächstfolgende Sonntag war Ostern und tags zuvor wollte Theophile mit ihren [sic!] Kurt zu mir auf die Hütte kommen. Wir wollten gemeinsam die Osterfeiertage verbringen. […] Pünktlich wie verabredet trafen die Weißenfelser am Ostersonnabend hier auf den [sic!] Bahnhof in Meiningen ein. Gerhard und ich holten Beide von der Bahn ab. […] Wir hatten ein Osterwetter wie selten, so schön. Über die [sic!] Hütte wehte meine schwarze Fahne. [sic!] das Wahrzeichen der Anarchisten. Auf dem Berg herrschte ein Leben wie schon lange nicht mehr. Genossen, Sympathisierende und viele Spaziergänger aus der Stadt. [sic!] gaben sich hier oben ein Stelldichein. Als Theophile und Kurt am zweiten Feiertag gegen Abend wieder nach Hause fuhren, waren sie von unser [sic!] Leben hier restlos begeistert. Sie sagten noch, diese beiden Tage werden ihnen unvergeßlich bleiben.“; Scherer: Wandertagebuch, S. 189f.

[125] Neben den hier explizit erwähnten Werbemaßnahmen sei noch auf folgende hingewiesen: Der Syndikalist, Nr. 50, Jg. XIII, 1931, S. 8, Beilage: „Genossen, fördert das solidarische Werk der Thüringer Kameraden, die BAKUNINHÜTTE bei Meiningen! Bestellt Postkarten, das Stück zu 10 Pfennigen, bei Emil Zehner, Erfurt, Yorckstr. 48“, Hervorhebung im Original, gleiche Annonce auch in Nr. 47, Jg. XIII, 1931, S. 7, Beilage.

[126] Hermann George, vermutlich zugehörig zur PAB Groß-Thüringen, war Autor mehrerer Artikel in Der Syndikalist und der Debatte, dem Diskussionsorgan zur Vorbereitung des 19. Kongresses der FAUD, ein Mitteilungsblatt der GK; vgl. Döhring, Helge: Die Presse der syndikalistischen Arbeiterbewegung in Deutschland 1918 bis 1933, (= Edition Syfo, Nr. 1) Moers 2010, S. 25.

[127] Der Syndikalist, Nr. 27, Jg. XIII, 1931 (4. Juli), S. 7, Beilage. Auch veröffentlicht in: Döhring, Helge: Kein Befehlen, kein Gehorchen! Die Geschichte der syndikalistisch-anarchistischen Jugend in Deutschland seit 1918, Bern 2011b, S. 355; sowie Döhring 2014, S. 19.

[128] Ebd.

[129] Im Einwohnerbuch der Stadt Erfurt finden sich zwei Personen mit diesem Namen. Wahrscheinlich ist die gesuchte Person der Dreher Willy Ehms, in der Schillerstr. 11, und nicht der gleichnamige Kaufmann, in der Leipziger Str. 14; vgl. Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1931/1932, S. 307.

[130] Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um jenen Erich Schmidt, Am gelben Gut 65, Erfurt, welcher 1931 Herausgeber und Verlagsverantwortlicher der Zeitschrift „Junge Anarchisten“ war. Diese erschien von Oktober 1923 bis 1931 das offizielles Organ der SAJD. In ihr schrieben Personen wie Erich Mühsam und Magnus Hirschfeld; vgl. Döhring2011b, S. 48 ff., 53 und 55. Nach dem Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1931/1932 wohnte an dieser Adresse eine Witwe Dorothea Schmidt, geb. Rudolph. Ebenfalls unter dieser Adresse angegeben war auch Otto Schmidt (daher wahrscheinlich beide verwandt mit Erich); vgl. Einwohnerbuch der Stadt Erfurt von 1931/1932, S. 48 (68).

[131] Dem Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1931/1932 zufolge lebte ein Dreher Max Schipanski, in der Auenstr. 41. Er besuchte die Bakuninhütte mindestens noch ein weiteres Mal, mit den sogenannten Zementauren aus Erfurt. Zusammen mit zwei weiteren Erfurter_innen und dem Leipziger Bakuninhüttengast Ernst Budschigk gehörte er zu jenen 110 Anarchosyndikalist_innen, welche in den Jahren 1937 bis 1939 wegen ihrer illegalen Widerstandsarbeit verurteilt wurden. Max und sieben weiteren Personen davon wurde der Prozess vor dem Volksgerichtshof gemacht; vgl. Graf, Andreas G. (Hrsg.): Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001, S. 56 beziehungsweise Berner, Rudolf; Graf, Andreas G. und Dieter Nelles (Hrsg.): Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland (1937). Ergänzt durch eine Studie zu Widerstand und Exil deutscher Anarchisten und Anarchosyndikalisten, (= Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte, Bd. 7) Berlin 1997, S. 104f. sowie Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1931/1932, S. 463.

[132] Der Packer Heinrich Hollerbuhl, lebte laut Einwohnerbuch Erfurt (1931/32) in der Kasinostr. 8; vgl. Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1931/1932, S. 360.

[133] Der kaufmännische Angestellte Herbert Levy wurde am 01. Februar 1914 in Oberbieber (Kreis Neuwied) geboren, war laut Meldekartei im Stadtarchiv Duisburg ledig und jüdischen Glaubens. Am 02. September 1919 zog er von Hönningen aus nach Hamborn, in die Holtenerstr. 125, am 02. Mai 1934 nach Geisleben (Eichsfeld), am 24. Juli 1935 von Geisleben zurück nach Duisburg-Hamborn, in die Alleestr. 107, am 13. November 1936 in die Auguststr. 23 a ebendort und am 03. August 1937 in die Uhlandstr. 61, am 16. Oktober 1937 in die Albrechtstr. 5 und am 19. März 1940 verzog er nach Paderborn; E-Mail vom Stadtarchiv Duisburg an den Autor, vom 15.12.2015.

[134] Otto Schmidt war 1926 Verlagsverantwortlicher für Zeitschrift Junge Anarchisten. Noch 1931 war er unter der Anschrift „Erfurt, Am gelben Gut 65“ als Bezugsadresse für dieses Organ angegeben. Im selben Jahr war, der mit Otto wahrscheinlich verwandte Erich Schmidt unter gleicher Anschrift als Verlagsverantwortlicher angegeben. Mit den drei über das Gästebuch nachweislichen Besuchen an der Bakuninhütte (Bl. 14 und 15), gehörten Otto und Marta Schmidt (vmtl. dessen Frau) zu den häufigsten nachweisbaren, klassisch anarchosyndikalistischen Ferien-Besucher_innen an der Bakuninhütte; vgl. Einwohnerbuch der Stadt Erfurt von 1931/1932, S. 48 (68); Döhring 2011b, S. 48 ff., 53 und 55 sowie Der Syndikalist, Nr. 13, Jg. XIII, 1931 (24. Januar), S. 4.

[135] Der Anarchosyndikalist Carolus Heber (laut eigenem Eintrag im Hüttenbuch schreibt er sich wohl eher mit „C“ als mit „K“.) beteiligte sich ab Frühjahr 1933 am illegalen Widerstand, wo er der Erfurter Verantwortliche für die Verbindungen in einem mitteldeutschen Netz aus Widerstandsgruppen war. Zudem war er zu dieser Zeit (als Kassierer) Teil der wegen der Illegalisierung von Berlin nach Erfurt umgezogenen GK der FAUD. Heber wurde von der Gestapo aufgegriffen und am 29. April 1937 verhört; vgl. Berner, S. 88, 91 und 97 sowie Haug 1989, S. 365f., 372.

[136] Otto Roth aus Suhl (bzw. Goldlauter), begleitete auch nach 1945 politische Ämter, vgl. Nelles, Dieter; Hartmut Rübner: Avantgarde einer egalitären Bewegung. Anarchosyndikalisten in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in: Moving the Social – Journal of Social History and the History of Social Movements 51 (2014a), Essen, pp. 179–212, hier p. 211.

[137] An dem 1932 in Erfurt stattgefundenen 19. FAUD-Kongress nahm Emil Zehner als Delegierter für Sangershausen (wahrscheinlich war Sangerhausen gemeint) teil, Otto Schmidt für die SAJD-Ortsgruppe Erfurt und Carolus Heber sowie Gottfried Voß für die FAUD Erfurt und schließlich auch Otto Roth, für die Metallarbeiter-Föderation aus Goldlauter; vgl. Haug 1989, S. 361, Anm. 16.

[138] Vgl. Annonce in Proletarisches Kinderland, Oktober 1932. Dieses Blatt erschien ab Dezember 1929 als ein gemeinsames Organ der „freiheitlichen Kindergruppen“ (= syndikalistische Kinder-Bewegung) und einer „Arbeitsgemeinschaft der GpF“ (Gemeinschaft proletarischer Freidenker); vgl. Linse 1976, S. 114, 305 sowie Döhring 2010, S. 72. Für den Hinweis auf diese Annonce danke ich K. D. recht herzlich.

[139] Vermutlich handelte es sich um eine Föderation von Erfurter Bauarbeitern beziehungsweise Maurern, die sich in Form einer scherzhaften Überhöhung ihres Gewerkes als Zementauren bezeichneten. Zu ihnen gehörte auch Max Schipansky und Kurt Schmidt. Letzterer wurde am 25. Januar 1906 in Ilversgehofen (heute ein Stadtteil von Erfurt) geboren. Er war Heizungsmonteur und FAUD-Mitglied in Erfurt, wo er an der gleichen Adresse wie Emil Zehner polizeilich gemeldet war: Yorckstrasse 48. Schmidt war verheiratet und kinderlos (1937). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er aktiv im Widerstand tätig. Darum wurde er zusammen mit drei weiteren Personen am 29. November 1937 festgenommen; vgl. Lagebericht der Staatspolizeistelle Erfurt vom 8. Dezember 1937, in: Gräfe, Marlis; Bernhard Post und Andreas Schneider (Hrsg.): Die Geheime Staatspolizei im NS-Gau Thüringen 1933–1945, (= Quellen zur Geschichte Thüringens, Bd. 24, Halbbd. 1) 5. unveränderte Auflage, Erfurt 2009 (2004), online unter: https://www.lzt-thueringen.de/files/uellenb_gestapo-1.pdf, gesichtet am 23.02.2016, S. 149f., 151, dort mit Verweis auf ThHStAW, Reichsstatthalter Nr. 158, Bl. 16–19.

[140] Zehner, Emil: Für die Bakunin-Hütte!, in: Der Syndikalist, Nr. 25, Jg. XIV, 1932 (25. Juni), S. 6, Beilage.

[141] Vgl. Ebenda.

[142] Ebenda.

[143] Als Referentin einer Vortragsreise der GfB führte es die Anarchafeministin Emma Goldman (1869–1940) ab Februar/März 1932 unter anderem in Städten wie Sömmerda, Erfurt, Zella-Mehlis und Suhl. Aus jener Zeit erhalten geblieben sind zwei von ihr beschriebene Baufondskarten der Bakuninhütte. Eine vom 26. Februar 1932 (vgl. https://cartoliste.ficedl.info/IMG/arton3503.jpg und https://cartoliste.ficedl.info/IMG/artoff3503.jpg, gesichtet am 27.01.2016) und eine zweite, die sie am 1. März 1932 an ihren Mann James Colton (1860–1936) geschickt hatte; vgl. https://libcom.org/history/letters-emma-goldman-james-colton, Lettre 4, gesichtet am 27.01.2016. Höchst wahrscheinlich erfuhr Goldman im Rahmen dieser Vortragsreise von der Bakuninhütte. Möglicherweise jedoch war sie selbst nie vor Ort; vgl. Haug 1989, S. 361f.

[144] KrAM, Beschlagnahme, Bericht vom Thüringischen Kreisamt Meiningen (ThKrMei), vom 30. Juni 1933 an das Thüringische Ministerium des Inneren (TmdI).

[145] Bericht ebenda. Vermutlich handelte es sich hierbei um den NSDAP-Abgeordneten Karl Rompel (1888–1937).

[146] Das im ländlichen Raum vorherrschende Sozialgefüge erwies sich eventuell generell durchlässiger als jenes in Großstädten, was die strikte Abgrenzung von politischen differenten Lagern betrifft. Bei zwei weiteren, sich mit dem NS-Regime arrangierenden Personen ist eine Beziehung zur Bakuninhütte belegt. So ist beispielsweise überliefert, dass der Chef der Meininger Heizungsbau-Firma Viechox (Schreibweise ungesichert) nicht nur oft an der Bakuninhütte, sondern auch schon vor 1933 Mitglied bei der SS war; vgl. Personenrecherche, Vereinsarchiv. Auch der Müllermeister Otto Sickert aus Ellingshausen, konnte 1937 die ehemalige Bakuninhütte nur darum privat erwerben, weil er Mitglied in Regimeinstitutionen war. (Genauerer Informationen liegen dazu nicht vor.) Darum wurde er nach der Niederlage des Nationalsozialismus auch von der SMAD enteignet. Zugleich jedoch, pflegte er (zumindest vor 1933) ein so gutes Verhältnis zum Siedlungsverein, dass Fritz Scherer bei diesem oft Brötchen und Kuchen kaufte; vgl. Scherer: Wandertagebuch, S. 181. Mündlich überliefert ist sogar, dass die Beziehung zum Müllermeister Sickert derart gut war, dass ihm gegenüber im Siedlungsverein die Haltung vertreten wurde, sinngemäß: „Wenn wir die Hütte nun nicht weiter nutzen dürfen, dann nimm du sie, denn dann wissen wir, dass sie in besseren Händen ist als bei der SS.“.

[147] Das verlängerte Pfingstwochenende fiel 1933 auf die Tage vom 2.–5. Juni.

[148] Das Schreiben ging per Poststempel des Stadtvorstand Meiningen am 12.06.1933 ein und am 15.06. beim ThKrMei; vgl. KrAM, Beschlagnahme.

[149] ThStAM, Land Thüringen, Polizeiakten.

[150] Vgl. generell zum Vorgang KrAM, Beschlagnahme. Das ThKrMei erkannte völlig zu Recht: Die Bakuninhütte war ein „Stützpunkt der Syndikalisten und dient zur Abhaltung von geheimen Versammlungen. Die ‚angebliche‘ Überlassung an die Allgemeinheit und die Benutzung als Wohnhaus ist nur eine Bemäntelung.“ KrAM, Beschlagnahme, Bericht vom ThKrMei, vom 30. Juni 1933 an das TMdI.

[151] Eine Liste mit durch die Polizei beschlagnahmten Gegenständen zeigt, dass zumindest ein Großteil des alltäglich gebrauchten Inventars in der Hütte verblieben war; vgl. Schreiben vom 22. Juli 1933, von „Gend. Meister“ Schmidt von der „Thür. Gend. Station“, mit beigefügter Inventarliste, KrAM, Beschlagnahme.

[152] Die Fahne des Siedlungsvereins, das Kassenbuch und andere Unterlagen wurden vor dem Zugriff des NS-Regimes geschützt, indem sie privat verwahrt wurden; vgl. Personenrecherche, Vereinsarchiv.

[153] Schreiben vom 31.08.1933, vom Stadtvorstand Meiningen an das ThKrMei, KrAM, Beschlagnahme.

[154] Die am 22. Juli 1933 erfolgte endgültige Schließung und Beschlagnahme der Hütte war ein angekündigter Termin, bis zu dem der Siedlungsverein die Auflage bekam, die auf dem Grundstück und in der Gebäudewand befestigten politischen Symbole selbst zu demontieren; vgl. das Aktenkonvolut zum Vorgang der Beschlagnahme im KrAM.

4. Das Gästebuch der Bakuninhütte

4.1. Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte
4.2. Aufbau (Beschreibung des Gegenstandes)
4.3. Wichtige Personen für die Überlieferungsgeschichte
4.4. Besucher_innen der Hütte (am Beispiel des Gästebuches)


4.1. Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte
Das Gästebuch der Bakuninhütte wurde im Frühjahr 1931 vom Buchbinder und Hüttenwart Fritz Scherer angefertigt, als Abschiedsgeschenk an die lokale syndikalistische Gemeinschaft der Bakuninhütte:

„Für meine Meininger Freunde hatte ich noch ein schönes Andenken hinterlassen. Bei einem Buchbindermeister155 habe ich ein großes, starkes Gästebuch in Folio-Format angefertigt und der Bakunin-Hütte gestiftet. Der Einband war aus schwarzen [sic!] Kunstleder und abwaschbar. Die Beschriftung war in roter Ölfarbe, dann groß das Wort Bakunin-Hütte nach eigenem Entwurf aufgezeichnet.“156

Seinen eigenen Angaben nach überreichte Scherer es der Gemeinschaft vor seiner Abreise am 6. Mai 1931. Die ersten datierten Einträge im Hüttenbuch stammen jedoch bereits von Ostern (5. April) 1931. Der letzte von den fast 200 Gästeeinträgen erfolgte am 3. Juli 1933.

Leider findet sich keine Quelle, die Aufschluss über die konkrete Benutzungspraxis des Gästebuches geben könnte. Es ist darum nicht zu klären, ob es immer an der Bakuninhütte aufbewahrt oder eventuell von einem_r oder mehreren dafür Verantwortlichen nur anlassbezogen auf das Grundstück des Siedlungsvereins gebracht wurde. Diese Frage ist vor allem für den „illegalen“ Zeitraum von März bis zum 3. Juli 1933 spannend. Denn möglich wäre für diese besagten letzten Einträge (Bl. 26), dass sie nicht an der Hütte selbst, sondern eventuell bei der verantwortlichen Person Zuhause erfolgten. Auch unklar ist, wer sich generell in das Gästebuch eintragen konnte. Denn es entspricht nicht nur der üblichen Handhabung eines Gästebuches, sondern ist auch hier klar belegt, dass es eine Vielzahl von Personen gab, die die Bakuninhütte besuchten, ohne einen Eintrag hinterlassen zu haben.157 Es lag vermutlich nicht immer (allgemein) zugänglich oder unverschlossen auf dem Grundstück aus. Wahrscheinlicher ist, dass es immer dann „öffentlich“ ausgelegt wurde, wenn sich jemand aus dem Siedlungsverein an der Bakuninhütte aufhielt und die Hütte geöffnet hatte. Möglicherweise wurde es auch nur zu bestimmten Anlässen (wie Pfingsten), vielleicht auch nur bestimmten Personen oder Personenkreisen zugänglich gemacht. Eine realistische Annahme wäre, dass es eine für das Buch verantwortliche Person gab, deren Anwesenheit sich mit der Anwesenheit des Buches deckte. Eventuell gab es auch explizite, wahrscheinlicher jedoch implizite Kriterien für die Aushändigung des Buches an Gäste.

Spätestens seit der nationalsozialistische Staat das syndikalistische Leben an der Bakuninhütte beendete, wurde das Gästebuch privat aufbewahrt. Die folgenden 34 Jahre wurde es wahrscheinlich durchgehend beim Kassierer der FAUD-Ortsgruppe, Franz Dressel, in Meiningen versteckt. Erst im Jahre 1967, während Franz seinen Sohn Rudolf Dressel in West-Berlin besuchte, wurde auch das Hüttenbuch nach Berlin geschafft. Zu dieser Zeit konnte der Transport von Gegenständen solch politischer Couleur wieder nur unter konspirativen Umständen erfolgen, da in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) beziehungsweise in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) links-oppositionelle, wie syndikalistische oder anarchistische Strömungen verfolgt wurden.158 Das Gästebuch gelangte so in die Obhut von Fritz Scherer in West-Berlin. „Daß nun das Bakunin-Gastbuch in Deinen Händen ist, beruhigt mich“159, schrieb Franz Dressel an Scherer, der sich dann daran machte, das Buch (neu) einzubinden. Eventuell wurde es zum Transport absichtlich in seine Einzelteile zerlegt oder bekam gar einen unverdächtigen Einband160 und musste darum neu eingebunden werden. Dabei gestaltete der Buchbinder Scherer (vermutlich im Jahr 1968) ein neues Cover für das Gästebuch, wofür er sich mit Franz Dressel abstimmte: „Der Gedanke mit der aufgehenden Sonne statt Stern kommt nicht von mir [sondern von seinem Sohn Rudolf; KR]. Wenn es möglich ist, mache den schwarzen Stern mit aufgehender Sonne wieder auf den Einband des Gästebuches“, schrieb Franz Dressel an Scherer.161 Inwiefern sich das neue und bis heute aktuelle Cover vom ursprünglichen unterscheidet, ist nicht überliefert. Die von Rudolf Dressel vorgeschlagene Idee, die Symbolik einer aufgehenden Sonne als neues Covermotiv zu verwenden, setzte Scherer nicht um. Stattdessen hielt er im Sinne Franz’ an der Stern-Symbolik fest. Zudem verfasste Scherer in diesem Umarbeitungsprozess einen Text zur Geschichte der Bakuninhütte. Er basierte auf Informationen aus Dressels Brief162 und Erinnerungen an eigene Erlebnisse. Der Text wurde mit Schreibmaschine geschrieben und am Anfang des Gästebuches eingebunden.163 Ob Scherer bei diesen Arbeiten eventuell auch andere Veränderungen an der Quelle vorgenommen hat, kann nicht ausgeschlossen werden. Denkbar wäre beispielsweise, dass er die Positionen einzelner Blätter verändert164 oder auch eine neue Titelseite gestaltet hat (Bl. 1).

Bis zu seinem Tod im Jahr 1988 befand sich das Hüttenbuch im Privatbesitz von Fritz Scherer. Durch die Aufteilung seines Nachlasses gelangte es ins Privatarchiv von Hans Jürgen Degen. Während einer Veranstaltung für Mitglieder und Freund_innen des Vereins, im Januar 2009, wurde das Hüttenbuch zu Anschauungszwecken zugänglich gemacht.165

4.2. Aufbau (Beschreibung des Gegenstandes)
Die Quelle ist ein gebundenes Buch im Folio-Format166 mit schwarzem Kunstledereinband und grafischer Verzierung auf der Außenseite des Frontcovers. Das Vorsatzpapier ist bedruckt mit einem gleichmäßigen Muster, welches in Pastellgrün und -lila gehalten ist.167 Der Buchblock besteht aus 7 bedruckten und 19 handschriftlich beschriebenen Seiten. Die Blätter sind jeweils beidseitig bedruckt beziehungsweise beschrieben. Die Gäste der Bakuninhütte trugen sich nicht immer chronologisch ins Gästebuch ein. Wahrscheinlich kommt dies daher, dass sich einige von ihnen auf leeren Folgeseiten eingetragen haben, als die zuletzt beschriebene Seite noch nicht vollständig beschrieben war.168 Woraufhin für nachfolgende Eintragungen die freien Lücken im Gästebuch genutzt worden, so beispielsweise die Eintragungen von Erich Wagner auf den Blättern 20 und 21. Wahrscheinlich befinden sich nach der letzten beschriebenen Seite noch weitere Vakatseiten im Gästebuch, welche im Scan nicht enthalten sind. Auch ein beidseitig unbeschriebener Linienspiegel169 ist im Scan enthalten, welcher wahrscheinlich als loses Blatt Bestandteil der Quelle ist. Eine Seite ist eingerissen (Bl. 19/20). Die handschriftlichen Eintragungen erfolgten zumeist in schwarzer Schrift oder mit Bleistift. Einzige Ausnahme davon ist ein roter Teil auf Blatt 18, sowie die Unterschrift von Fritz Scherer auf Blatt 8.

Das Hüttenbuch lässt sich in drei inhaltlich-formale Abschnitte einteilen. Nach Cover und Titelseite (Bl. 1) beginnt es mit dem sieben Seiten langen Fließtext zur Geschichte der Bakuninhütte aus der Perspektive des Autors Fritz Scherer (Bl. 2 bis 8). Die letzten 16 befüllten Seiten (Bl. 11–26) enthalten handschriftliche Eintragungen von Gästen der Bakuninhütte. Zwischen diesen beiden Teilen befindet sich mit zwei Blättern (9 und 10) ein weiterer Abschnitt, der als eine Art lyrische Selbstdarstellung der syndikalistischen Gemeinschaft um die Bakuninhütte charakterisiert werden kann.

Auf Blatt 9 befindet sich ein Gedicht über den Namensgeber der Hütte, betitelt mit „Unser Bakunin“. Die Unterzeichnung des Gedichtes („Fritz Örter“) weist darauf hin, dass die das Gedicht eintragende Person nicht mit dem Autor des Gedichtes identisch ist, welcher den Namen „Fritz Oerter“ trägt. Zwar ist es gut möglich, dass Fritz Oerter die Bakuninhütte besuchte und einen Eintrag ins Gästebuch hätte machen können170, doch ist nicht davon auszugehen, dass er selbst seinen Namen falsch geschrieben hätte. Wahrscheinlicher ist stattdessen, dass jemand aus dem Umfeld der Bakuninhütte das Gedicht „Unser Bakunin“ von Oerter kannte und sich damit identifizierte. Möglicherweise hatte sich sogar die Hüttengemeinschaft darauf geeinigt, dass jenes Gedicht ihr Gästebuch einleiten soll. Oerter verfasste das Gedicht für die zum 50. Todestag Bakunins herausgegebenen Illustrierten Erinnerungsblätter.171 Nur die ersten beiden der eigentlich fünf Strophen wurden in das Gästebuch übertragen.

Auf Blatt 10 befindet sich ein Gedicht über die Bakuninhütte, unterzeichnet mit dem Namen Felmine172. Hierin kommen die Eckpfeiler der anarchosyndikalistischen Weltanschauung, angewandt auf die Bakuninhütte, zum Ausdruck. Als ein Ort des Schutzes für körperliche und geistige Freiheit („freie Denker“), wird sie der „Tyrannei“ des städtischen Tales gegenübergestellt. Damit stehe sie nicht nur in Opposition zu gesellschaftlichen, sozio-ökonomischen Zwängen, sondern sei – ganz im Sinne der Lebensreformbewegung173 – auch ein Ort, an dem die Entfremdung des Menschen von der Natur aufgehoben sei („Waldesluft“ / „freie Luft“). Dennoch klingt hier etwas an, was auch in Landauers Schriften zu finden ist: Eine solche „Siedlung“ ist nicht die Verwirklichung von seiner Sozialismusidee, sondern „nur“ ein leuchtendes Beispiel, ein „Pflock“ im Sinne von „Wegweiser“.174

4.3. Wichtige Personen für die Überlieferungsgeschichte
Franz Dressel wurde 1895 in Eishausen (bei Hildburghausen, Thüringen) in einer Handwerkerfamilie geboren. Seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg ließen ihn zum überzeugten Kriegsgegner werden; noch nach 1945 trug er seinen Anstecker mit dem Symbol des zerbrochenen Gewehrs an seiner Kleidung. In den 1920er-Jahren lebte er zusammen mit seiner Frau Bertha175 und ihrem gemeinsamen Sohn Rudolf (*1919) in Meiningen.176 Als gelernter Kraftfahrzeugschlosser arbeitete er einige Jahre im örtlichen RAW als Kraftfahrzeugschlosser. Organisiert war Dressel zusammen mit anderen Syndikalist_innen in einem lokalen Arbeiter-Gesangverein, der sich in der Meininger Gaststätte „Gifthütte“177 traf. Zusammen mit seiner Familie gehörte er zum festen Kreis des Siedlungsvereins Gegenseitige Hilfe e. V., wo er genauso wie in der „VAB Meiningen und Umgebung“ für gewisse Zeit den Posten des Kassierers ausführte.178 Durch diese Funktion oblag ihm zudem die Aufgabe der Bibliotheksverwaltung für die FAUD-Ortsgruppe und den Siedlungsverein.179 Franz Dressel war der Ideengeber für den Bau der (Bakunin-)Schutzhütte 1925/26180 und war höchstwahrscheinlich auch an der Umsetzung der beiden Erweiterungsbauten beteiligt (Bl. 6). Darüber hinaus dürfte er an der Gestaltung des Grundstücks einen großen Anteil gehabt haben. So entstand unter seinen Händen beispielsweise das Kettenkarussell (Bl. 4). Anfang der 1930er-Jahre musste er diverse Aushilfsjobs annehmen. Er war beim Zirkus, beim Straßen- und Heizungsbau und sogar als Hausierer tätig. Insbesondere die Gegenstände, die Franz Dressel aufgrund seines Postens privat verwahrte, schützte er nach Machtantritt der Nationalsozialist_innen. Die Fahne des Siedlungsvereins, das Kassiererbuch und anderer Unterlagen wurden vor dem Zugriff des NS-Regimes geschützt, indem sie auf dem Grundstück von Franz und Rudolf Dressel versteckt wurden. Dort überdauerten auch das Hüttenbuch, zahlreiche Titel der syndikalistischen Bibliothek und andere Dinge den Nationalsozialismus. Ab 1934 wurde Franz als Werkstattmeister bei einer Instandhaltungseinheit eingesetzt, die in der ab 1935 entstehenden Meininger Drachenbergkaserne181 stationiert war. Mit dieser Einheit182 nahm er am Einmarsch der Reichswehr in Österreich teil. Nach seiner Rückkehr wurde er in einer anderen Kaserne stationiert.183 Nach 1945 traten Franz und Rudolf, wie viele andere aus der ehemaligen syndikalistischen Gemeinschaft auch, in die KPD/SED ein; bald darauf jedoch, traten beide enttäuscht wieder aus. Die Frage der politischen Stellung zur SBZ/DDR führt auch unter den Meininger Syndikalist_innen zu Entzweiungen. Mit dem langjährigen Kampfgefährten und guten Nachbarn Otto Walz, der nach 1945 eine führende Stellung in der Partei einnahm184, brach die Familie Dressel spätestens, als Walz die Bakuninhütte auf seinem Sterbebett 1946 der SED vermacht haben soll.185 Politische Aktivitäten im Sinne des Syndikalismus waren in den Folgejahren unmöglich. Persönlichen Kontakt hielt Franz aber noch zu den Hüttenerbauern Alfred Thomas und Otto Eck (Bl. 6), indem sie sich zum wöchentlichen Skatspielen trafen. Die syndikalistischen Materialien wurden von Franz Dressel wieder versteckt. Bis er 1967 nach West-Berlin reiste, um seinen Sohn Rudolf zu besuchen, der dort seit 1962 mit seiner Familie lebte. Das Hüttenbuch nahm er auf dieser Reise mit zu Rudolf, der es daraufhin an Scherer weitergab. 1969 starb Franz Dressels Frau Bertha, drei Jahre später auch er selbst. In einem alten Holzschrank der Familie überdauerten zahlreiche Materialien wie Bücher, Marken, Postkarten, Stocknägel und ein Stempel. Die bis heute im Elternhaus lebende Familie der Tochter Rudolf Dressels übergab im Sommer 2008 einen Großteil der Gegenstände an das Archiv vom Kreis der Wander- und Naturfreunde e. V.

Fritz Scherer wurde 1903 in Berlin geboren186 und wuchs dort im Arbeiter_innen-Bezirk Wedding auf. Er absolvierte eine Buchbinderlehre und begab sich ab 1923 als „Handwerksbursche“ auf Wanderschaft. Insgesamt war er achteinhalb Jahre auf der Landstraße unterwegs.187 Dabei wanderte188 er durch ganz Deutschland, Österreich und bis nach Ungarn. In Erfurt fand er Arbeit und traf erstmals auf organisierte Anarchist_innen. Als er volljährig wurde, trat er aus der Kirche aus und wurde Mitglied der FAUD sowie der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands (SAJD).189 Entsprechend seiner Verbundenheit mit dem Leben auf der Landstraße, nahm er 1929 am Vagabundenkongress in der Nähe von Stuttgart teil. Bis zum Frühjahr 1930 hatte Scherer einen Arbeitsplatz als Buchbinder in Berlin. Als er jedoch am 1. Mai nicht am Arbeitsplatz erschien, wurde er entlassen. Damit verlor er auch sein Quartier, denn er wohnte zu dieser Zeit im Hause seines Chefs. Nachdem er sich vier Monate mit der Unterstützung seiner Eltern und „Stempelgeld“ durchgeschlagen hatte, beschloss er, seinem ebenfalls arbeitslosen Vater nicht länger zur Last zu fallen und wieder auf Wanderschaft zu gehen. Am 22. September 1930 startete er zusammen mit seinem Schul- und Jungendfreund Gerhard Seefeld seine behördlich gestützte und überwachte Wanderschaft, mit einer festgelegten Dauer von zehn Wochen.190 In Thüringen lief er erst durch Jena und Erfurt, dann über den Rennsteig nach Suhl. (Bl. 2) Dort erfuhr er durch „Genosse Roth“ von der Bakuninhütte bei Meiningen und setzte sich diese zum Ziel.191 (Ebd.) Am 18. Oktober in Meiningen angekommen, erreichte er, geführt von Franz Dressel, erstmals „die von [ihm] so sehr ersehnte Hütte“. (Ebd.) Gerne hätte er das Angebot der örtlichen Anarchosyndikalist_innen angenommen, fortan gleich an der Hütte zu bleiben. (Bl. 3) Doch wie schon in Jena und Erfurt zuvor, gestatteten ihm auch die Meininger Behörden nicht, seine Wanderschaft vor Ablauf der zehn Wochen Frist zu beenden.192 Nachdem er weitere 6 Wochen in Bayern abgewandert hatte, wurde Fritz Scherer vom 26./27. November193 1930 bis zum 6. Mai 1931 der erste „Hüttenwart“ der Bakuninhütte.194

Wie die Bakuninhütte Fritz Scherer und wie er das soziokulturelle Leben an und um die Bakuninhütte prägte, davon lässt sich durch seine Schilderungen ein Eindruck gewinnen.195 Schließlich stellte er das Hüttenbuch her und überreichte es dem Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe als Abschiedsgeschenk, bevor er sich mit zwei Freunden196 am 7. Mai 1931 wieder auf Wanderschaft begab. (Bl. 7) Im gleichen Jahr führte es ihn „noch des öfteren nach hier und [er] half wo es irgend ging“ beim zweiten Erweiterungsbau der Bakuninhütte. (Bl. 7) Konkreter belegt ist einer dieser Besuche, gemeinsam mit Seefeld, vom 3.–13. Oktober 1931. (Bl. 19)

Wieder zurück in Berlin, war er fünfeinhalb Jahre lang arbeitslos und wohnte zusammen mit dem anarchistischen Publizisten und „Agitator“ Berthold Cahn197 im Berliner Scheunenviertel. Bis 1933 war er Kassierer der Berliner FAUD und hatte auch deswegen Bekanntschaften zu Persönlichkeiten wie Erich Mühsam, aber auch zu Rudolf Rocker, Augustin Souchy und Fritz Oerter.198 Vom damaligen Anarchismus in Spanien war er so angetan, dass er 1932 plante, dahin auszuwandern. Doch bei einer Hausdurchsuchung 1933 wurde sein Reisepass samt des Visums eingezogen und er selbst kam einige Wochen in Polizeihaft. Die Zeit des Nationalsozialismus brachte ihm zwar ab 1936 eine Arbeit als Buchbinder bei der Berliner Feuerwehr ein. Doch gegen das NS-Regime setzte er sich aktiv zur Wehr, indem er sich an der Widerstandsarbeit im Rahmen der illegalen FAUD beteiligte. Auch nach 1931 hielt Scherer den Kontakt zu den Meininger Syndikalist_innen.199 Als Sanitätssoldat kam er 1945 „als Gefangener der Russen“ (Bl. 8) in ein Kriegsgefangenenlager bei Meiningen. Aus dem Lager heraus gelang es ihm, den Meininger Syndikalisten Otto Walz über seine Lage zu informieren. Durch dessen Stellung in der KPD kam Scherer wieder frei. Den Vorschlag von Walz, „wieder als Hüttenwart dort oben zu fungieren“, lehnte er jedoch ab und verließ Meiningen nach einigen Tagen wieder. (Bl. 8) Bis 1946 lebte und arbeitete er als Landarbeiter auf einem Bauernhof in Bayern.200 Anschließend wohnte er mit seiner Familie in Vogelsdorf bei Berlin, wo er auch wieder bei der Feuerwehr arbeitete. Seine politische Arbeit setzte er fort.201

Als er wegen des Verteilens von „antikommunistischen“ Flugblättern verhaftet werden sollte, konnte er gerade noch rechtzeitig, von einem ehemaligen Genossen202 gewarnt, in den Westen fliehen, wohin seine Familie 1952 nachzog. Scherer beteiligte sich an der politischen Arbeit der Berliner Föderation Freiheitlicher Sozialisten (FFS), der Nachfolgeorganisation der FAUD, wo er wieder als Kassierer wirkte. Kontakte zum Personenkreis um die ehemalige Bakuninhütte hielt er bis zu seinem Tod 1988. Zusammen mit Franz und seinem Sohn Rudolf Dressel flog er 1967 nach Österreich, um Heinrich, den Sohn von Otto Walz in Innsbruck zu besuchen.

Durch seine umfangreichen Aufzeichnungen und seine unablässige Agitationsarbeit bis zu seinem Tod 1988 sind viele Materialien und viel Wissen über sein Leben, über den Anarchosyndikalismus der Zwischenkriegszeit und über die Geschichte der Bakuninhütte erhalten geblieben. So war es nach den Schilderungen des Verlegers Jochen Schmück nach 1945 maßgeblich der Verdienst von Fritz Scherer, dass anarchistische Klassiker in den neu entstehenden anarchistischen Verlagen wieder aufgelegt werden konnten.

„Fritz hat den Libertad Verlag auch häufiger bei der Veröffentlichung von Büchern und Broschüren unterstützt, indem er uns für den Druck die Originalbücher als Reprovorlage zur Verfügung stellte. Diese alten anarchistischen Bücher und Zeitschriften, die man selbst in den großen öffentlichen Bibliotheken Berlins nur selten findet, hatte Fritz vor den Nazis gerettet, indem er sie in andere Umschläge mit politisch unverdächtigen Titeln eingebunden und bei politisch unbelasteten Freunden zur Aufbewahrung gegeben hatte. So rette Fritz fast das komplette Buch- und Broschürenprogramm des Verlages ‘Der Syndikalist’ und stellte es den ab Ende der 1960er Jahren in Berlin entstehenden neuen anarchistischen Verlagen für den Reprint zur Verfügung. Nach Kriegsende band Fritz die Bücher wieder neu ein, zumeist in den für seine Bücher typischen schwarz-roten Privatumschlag als Hardcover. […] Für die Anarchisten im Exil oder in Westdeutschland, die wie Rudolf Rocker und Augustin Souchy nach Kriegsende mit Fritz Scherer korrespondierten, war er ‘unser Mann in Berlin’, über den sie auch den Kontakt mit den schon bald wieder in den Untergrund gedrängten Genossen in der Sowjetischen Besetzungszone aufrechterhalten konnten.“203

Zur politischen Tätigkeit von Fritz Scherer gehörte neben den bereits genannten Aufgaben auch das Sammeln und Aufbewahren, nicht nur von Büchern (wie dem Hüttenbuch) und Nachlässen204; auch einige der Stocknägel der Bakuninhütte brachte er durch die Zeiten, wovon er den einen oder anderen an lieb gewonnene Genoss_innen verschenkte.205

Zu jenen gehörte auch Hans Jürgen Degen. Er ist Mitglied im Wanderverein Bakuninhütte e. V., Autor und Herausgeber diverser Literatur zu Anarchismus und Anarchismusforschung.206 Er forschte und publizierte vor allem zur Geschichte des Anarchismus (und ihm nahestehender Strömungen) in Deutschland nach 1945.207 Degen lernte Scherer 1967 in Berlin über anarchosyndikalistische Kreise kennen – eine Freundschaft entwickelte sich.208 Ähnlich wie Scherer sammelte und verwaltete auch Degen zahlreiche anarchistische Privatnachlässe. Nach dem Tod von Fritz Scherer übernahm Hans Jürgen Degen einen Teil seines politischen Nachlasses, darunter auch das Gästebuch der Bakuninhütte. Es befindet sich bis heute in seinem Privatarchiv in Berlin.

4.4. Besucher_innen der Hütte (am Beispiel des Gästebuches)
Wie Scherers Ausführungen (Bl. 2–8) andeuten sowie im Kapitel 3 genauer ausgeführt und kontextualisiert wurde, war die Nutzung des Grundstückes im Laufe der Zeit äußerst divers: In den Jahren 1920–1925 wurde es jahreszeitlich als Ackerfläche der lokalen Syndikalist_innen und ihrer Familien genutzt. Aus diesem Personenkreis heraus wurde der Ort ab 1926 nur noch als Ziel für ihre Sonntagsausflüge angelaufen. Hieraus entstand das erste Gebäude – laut Scherer errichtet von einer Gruppe von 12 Personen209 (Bl. 6) und nicht mit explizit politische Intention, sondern als Spontanbau zu Schutzzwecken. Im daraufhin (1927) entstandenen Trägerverein – dem Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe e. V. – mischte sich nun das ursprüngliche, politische Milieu der Syndikalist_innen mit „Sympathisierende[n] aus der [lokalen] Bevölkerung“. (Bl. 5.) Jene milieu- und weltanschauungsübergreifende Mischung gab es wahrscheinlich sowohl im Siedlungsverein, als auch – und dort vermutlich noch stärker – unter den Gästen auf dem Grundstück der Bakuninhütte.

Scherers rückblickende Schilderungen seiner Zeit als Hüttenwart der Bakuninhütte vermitteln einen Eindruck über Gründe und Frequenz der Besuche. So waren die Gästezahlen neben dem Wetter auch vom Wochenrhythmus der potenziellen Gäste bestimmt: „An den Sonntagen war hier oben bei einigermaßen gutem Wetter immer allerhand Betrieb.“ (Bl. 6.) Doch auch „in der Woche ließen sich […] Besucher hier oben sehen“ und selbst „im Winter kamen des öfteren auch Skiläufer hier vorbei“. (Ebd.) Neben Wandern und Skilaufen gehörte auch die Jagd zu den Gründen, die Menschen an diesen Ort führten: „Auch kamen verschiedentlich Sonntagsjäger mich besuchen, wenn sie von ihrer Schnepfenjagd zurück kamen.“ (Bl. 6) Aufgrund der kindgerechten Gestaltung des Grundstücks und des auch für Erwachsene attraktiven Angebots (Grundversorgung an Getränken und Sitzplätze in der Natur) durch den Siedlungsverein, kamen insbesondere Familien auf das Gelände:

„Hier kamen sehr viel Familien mit ihren Kindern zu uns auf den Berg. Die Kinder konnten sich hier oben austoben, denn das Gelände war ja groß genug. Vor allen Dingen konnten sie hier schaukeln und Karussel [sic!] fahren, was nichts kostete.“ (Bl. 5)

Unter den ersten Gästeeinträgen befinden sich gruppiert die Namen von Emilie Bendixen, Alf und Frida Fehringer, Anton und T. Emma Brock sowie S. Otto und Paul Brock, Asta Baumann, Irmgard Hirsch210 und Mariechen Walz, alle vom 10. Mai 1931. (Bl. 11) Der Zusatz „z.Z. Dreissigacker“ liefert einen recht eindeutigen Hinweis auf das verbindende Element dieser Personengruppe – die Heimvolkshochschule in Dreißigacker. Die Ergänzung hinter dem Namen von Emilie Bendixen – „Humble auf Langeland211. Dänemark“ (Bl. 11) – belegt den überregionalen guten Ruf der Einrichtung. Eventuell war Emilie auch Teil der Bewegung und konnte durch die in anarchistischen Kreisen explizit für die Kurse in Dreißigacker gemachte Reklame geworden werden.212 An den Sonntagen wurden von dort aus gemeinsame Ausflüge und Wanderungen unternommen. Womöglich kam es durch eine solche Wanderung zur Eintragung im Gästebuch der Bakuninhütte. Ein Indiz dafür ist die Eintragung „Mariechen Walz“, von der damals 14-jährigen Maria Walz213, Tochter der Meininger Syndikalist_innen Maria214 und Otto Walz. Weitere Hinweise auf personelle Verbindungen zwischen der lokalen syndikalistischen Szene und dem Volkshochschulheim finden sich in einem Polizeibericht vom März 1933. Hierin festgehalten ist die Beschlagnahme eines syndikalistischen Taschenkalenders von Otto Stedtler im Zuge einer Durchsuchung des Heimes.215 Otto Stedtler war der Sohn von Emma216 und Hermann Stedtler217 aus Dreißigacker, den Darlehnsgeber_innen zum Kauf des Grundstücks. Zumindest für Hermann ist belegt, dass er Mitglied des Siedlungsverein Gegenseitige Hilfe218 sowie Erbauer der Bakuninhütte war. (Bl. 3, 6) Otto selbst war zumindest Mitglied der SAJD-Ortsgruppe Meiningen.219 Den Lebensstandard im Volkshochschulheim beschrieb Weitsch als eine Art „seßhaftes Wandervogelleben“220 – das erinnert zurecht an Fritz Scherer, denn in sein Wandertagebuch schrieb er:

„In Dreißigacker hatten wir einen guten Esperantisten, Genosse Büchs. Er trat an die Jugend heran und war bereit, uns Esperanto zu lehren. Damit waren wir sofort einverstanden. Alle Woche zogen wir acht Mann221, hoch von Meiningen nach Dreißigacker zum Lehrgang. In Dreißigacker wohnten noch mehrere Jugendliche, welche auch noch an diesen [sic!] Lehrgang teilnahmen.“222

Anarchist_innen und Anarchosyndikalist_innen bildeten „vor dem ersten Weltkrieg die zahlenmäßig größte Gruppe unter den proletarischen Esperantisten“ und organisierten sich in eigenen Esperanto-Verbänden mit eigenen Publikationsorganen.223 Besondere Anwendung fand das sogenannte „Arbeiterlatein“ in der deutschen Arbeiter_innenbewegung der Zwischenkriegszeit mit 4˙000 Mitgliedern im Arbeiter Esperanto-Bund (1932). Diese Sprache diente dem internationalen Austausch und dem Zweck der „Kulturvereinigungen aller politischen und gewerkschaftlichen Richtungen der Arbeiterbewegung“.224 Die stark kommunistisch beeinflusste, antinationalistische Organisation SAT (Sennacieca Asocio Tutmonda = Nationenunabhängiger Weltbund) hatte 1929/30 in 42 Ländern 6˙524 Mitglieder. Durch politische Abgrenzungen zu dieser gründeten antiautoritäre Strömungen der Arbeiter_innenbewegung 1923 den „Weltbund esperantistischer Staatsgegner“ (Tutmonda Ligo de Esperantistoj Senŝtatanoj = TLES), der mit der anarchistischen Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) zusammen arbeitete. Ortsgruppen der TLES gab es unter anderem in Erfurt, Gera und Kassel.225

Im Gästebuch selbst befinden sich Einträge von verschiedenen Gästen in Esperanto. So unterschrieben auf Bl. 11 Theophile Adomat und Kurt John aus Weißenfels mit der Parole „Vivu anarĥo!“ – „Es lebe die Anarchie!“.226 In gleicher Weise schloss Erich Wagner aus Suhl227 (Bl. 20) seine Verse vom 28. April (Bl. 21) und vom 21. Mai 1932 (Bl. 20) ab. Einer der beiden Einträge ist gänzlich in Esperanto verfasst:

„Nur kiu sin viglas,
la estos venki, la libereco
estos havas, kiu ĝi sin
kreas, eklevu la kapo
sur vian dorso vin portas
la mondo: Vin estos la forto!
Vivu anarĥo!“.

Eine sinngemäß Übersetzung wäre:

„Nur wer sich bewegt
wird siegen. Die Freiheit
ist erreichbar für den,
der sie schafft. Erhebe den Kopf
auf deinem Rücken trägst du
die Welt: Du bist die Kraft!
Es lebe die Anarchie!“228

Vermutlich ist auch der Eintrag, den Ernst Budschigk229 und Herbert Psotta230 aus Leipzig am 4. Juli 1931 hinterließen (Bl. 15), ebenfalls in Esperanto verfasst: „de nia migrado tra germanio, vizitis nin la bakunindometo“ eine sinngemäße Übersetzung des fehlerhaften Eintrags ergibt: „Auf unserer Wanderung durch Deutschland besuchten wir die Bakuninhütte“.231

Als Zwischenstopp auf ihrer Durchreise diente die Bakuninhütte noch weiteren Anarchosyndikalist_innen. Nach zwei in Erfurt stattfindenden Kongressen besuchten die aus Südwestdeutschland angereisten Anarchosyndikalist_innen die Bakuninhütte auf ihrem Heimweg. Einerseits die erwähnten Jugendgruppen von Offenbacher und Frankfurt am Main zum Jahresende 1930.232 Andererseits Gustel (d. i. Gustav) Doster233 und Hermann Heilmann234, die „auf der Rückfahrt vom 19. Reichskongress der Anarcho-Syndikalisten in Erfurt“ am 30. März 1932 an der Bakuninhütte Halt machten, bevor sie nach Darmstadt beziehungsweise Worms weiterfuhren. (Bl. 20) Nachdem das dritte Ferienlager der SAJD Mai 1932235 in Heidersbach236 endete, verbrachten einige von den 65 Teilnehmer_innen237 weitere Tage an der Bakuninhütte. (Bl. 22f.) Unter ihnen Max Grothe238 und Loni Rost aus Halle, Dora Hohmann-Trompeta239 und Hans (Johannes) Trompeta240 aus Leipzig sowie der Mitorganisator Georg Hepp241 aus Frankfurt am Main. Es ist anzunehmen, dass auch der Besuch von Fritz Annecke242 unter diesen Umständen erfolgte.

Zu zahlreichen Namen und Einträgen konnten keinerlei weiterführende Informationen recherchiert werden, beispielsweise zu Gertrud Gehringer und Helene Gehringer aus Meiningen (Eintrag vom 7. April 1931, Bl. 11).

Eine Zusammenfassung der 193 Eintragungen nach Ortsangaben ergibt folgendes Bild: Die größte Gästegruppe ist mit 75 Eintragungen (39%) jene, der bislang keine Orte zugewiesen werden konnten.243 Die größte verortbare Gruppe ist die der Gäste aus Meiningen und näherer Umgebung244, mit 25 augenscheinlichen oder durch Recherche nachweisbaren Ortsangaben und weiteren 5, die vermutlich245 von dort kommen. Ihnen folgen die Gäste aus Erfurt, mit 21 augenscheinlichen Eintragungen. Eine letzte größere Gruppe ist jene aus Zella-Mehlis mit 15 augenscheinlichen Eintragungen. Die übrigen lokalisierten, teilweise auch verifizierten Einträge stammen aus den folgenden Orten: Kassel (5), Leipzig (4), Eisenach (3), Suhl (3), Berlin (2), Halle (2), Hamburg (2), Mahlow in Teltow (2), Schweinfurt a.M. (2), Weißenfels an der Saale (2) und mit nur einer Eintragung: Arnstadt, Chemnitz, Darmstadt, Duisburg/Hamborn, Fürth, Frankfurt am Main, Humble auf Langeland in Dänemark, Italien, Mannheim, Mörfelden in Hessen, Offenbach/M., Roßnow bei Köslin in (West-)Pommern, Sagan in Polen beziehungsweise Niederschlesien, Schmalkalden, Ungarn, Waltershausen in Thüringen, Westeregeln. Damit kommt die Mehrheit (64%) der 118 Einträge mit Ortsangaben von Personen aus einem Umkreis von max. 60 Kilometern.

Anmerkungen:

[155] Laut Meininger Adressbuch von 1904 gab es zehn Buchbinder im Ort, wovon zwei Hofbuchbinder waren; vgl. Adressbuch Residenzstadt Meiningen, S. 155(161).

[156] Scherer: Wanderbuch, S. 193.

[157] In weiteren Untersuchungen, oder gar in einer erweiterten Edition des Gästebuches, würde es sich eventuell lohnen, eine Übersicht über uneingetragene Gäste der Bakuninhütte zu erstellen, also jene, über die es alternative Quellen gibt.

[158] Vgl. zu Anarchismus und ähnliche links-oppositionelle Strömungen Bartsch, Günter: Anarchismus in Deutschland, Bd. 1, 1945–1965, Hannover 1972 sowie Degen, Hans Jürgen: Anarchismus in Deutschland 1945–1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002.

[159] Vgl. Brief von Franz Dressel, Vereinsarchiv.

[160] Politisch verdächtige bis verbotene Druckerzeugnisse zur Tarnung mit politisch unverdächtigen Titeln zu versehen, war bereits während der Zeit des Nationalsozialismus eine gängige Praxis in widerständigen Gruppen. Schriftenschmuggel betrieb beispielsweise auch der Bakuninhüttengast Gustav Doster (Bl. 20); vgl. Wolf 2015, S. 31, Anm. 9, allgemein dazu mit Beispielen auf S. 34f. Insbesondere Fritz Scherer rettete auf diese Weise zahlreiche anarchistische Klassiker über den Nationalsozialismus hinweg. Siehe dazu die Ausführungen zu seiner Person im Kapitel 4.3. Wichtige Personen für die Überlieferungsgeschichte in dieser Arbeit.

[161] Vgl. Brief von Dressel, Vereinsarchiv.

[162] Vgl. ebenda.

[163] Vgl. das Geleitwort in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. 2010, S. 5.

[164] Infrage kämen dafür die Blätter 9 und 10.

[165] Auch der Autor konnte damals das Buch einsehen. Da jedoch damals noch nicht an diese wissenschaftliche Arbeit zu denken war, wurde das Buch nicht unter Forschungsaspekten untersucht; vgl. zur Veranstaltung am 17. Januar 2009 im Haus der Demokratie in Berlin zwei Beiträge im vereinsinternen Mitteilungsblatt: Der Hüttenbote, Jg. 2, Nr. 3, Dezember 2008 und Jg. 3, Nr. 4, Mai 2009, im Vereinsarchiv.

[166] Die tatsächlichen Maße betragen circa 32,5 x 21 Zentimeter.

[167] Das Vorsatzpapier ist jenes Verbindungselement zwischen dem Innenteil (Buchblock) und dem Einband eines Buches. Der Scan des Hüttenbuchs enthält nur die Vorderseite des Vorsatzpapiers (Seite „U2“).

[168] Auch hierzu ließe sich über die Motive spekulieren. Wollten die Einschreibenden ihrer Hinterlassenschaft eine möglichst exponierte Stelle sichern oder waren sie nur unerfahren im Umgang mit Gästebüchern?

[169] Er ist fast unbeschrieben. Lediglich ein paar durchgedrückte Worte (eventuell sind es auch Schreibproben) und Tintenkleckse befinden sich darauf.

[170] Friedrich („Fritz“) Oerter (1869–1935) aus Fürth war bereits vor dem Ersten Weltkrieg und zur Novemberrevolution politisch tätig, danach aktiv in der FAUD. Er war Pazifist, Landauerianer und Autor, insbesondere vieler Kultur-Beiträge in der syndikalistischen Wochenzeitung Der Syndikalist. Zudem war Oerter einziger Vertreter der Siedlungsidee innerhalb der Berliner GK der FAUD. Vgl. Rübner 1994, S. 172; Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e. V. (Hrsg.): Bakunin – ?EIN DENKMAL! Kunst – Anarchismus, Berlin 1996, S. 267; Heath, Nick: A short biography of the German anarchist Fritz Oerter, 2011, online unter: https://libcom.org/history/oerter-friedrich-%E2%80%9Cfritz%E2%80%9D-1869-1935; https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Fritz_Oerter; https://www.syndikalismusforschung.info/fritzoerter.htm, alle gesichtet am 21.02.2015.

[171] Vgl. Oerter, Fritz: Unser Bakunin, in: Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e. V. (Hrsg.): Bakunin – ?EIN DENKMAL! Kunst – Anarchismus, Berlin 1996, S. 84. Erstveröffentlichung in Nettlau, Max (Hrsg.): Unser Bakunin. Illustrierte Erinnerungsblätter zum 50. Todestag von Michael Bakunin, geb. 30. Mai 1814, gest. 1. Juli 1876, Berlin 1926, S. 3; vgl. Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e. V., S. 267. Wie auch alle anderen darin enthaltenen Beiträge, so wurde auch das von Fritz Oerter geschriebene Gedicht – Unser Bakunin – eigens für diese von Max Nettlau herausgegebenen Illustrierten Blättern verfasst. Wolfgang Eckhardt danke ich für diese Information, mit Verweis auf die Max Nettlau Papers des International Institute of Social History (IISH), ARCH01001 (2033.), online unter: https://search.socialhistory.org/Record/ARCH01001.

[172] Über die Autorin Felmine konnten bislang keine weiteren Informationen recherchiert werden.

[173] Vgl. die Ausführungen in Kapitel 2. Gesellschaftspolitische Voraussetzungen für die Entstehung der Bakuninhütte dieser Arbeit.

[174] Landauer/Wolf 2008ff.

[175] Bertha Dressel, geb. Rosenbusch, * 1895 in Oepfershausen, † 1967 in Meiningen.

[176] Zunächst in der Berliner Str. 23. 1932 bekam er die Möglichkeit für seine Familie ein Grundstück in einer neu erschlossenen Siedlung am Meininger Stadtrand, oberhalb des RAW (An der Heuleite 5) zu erwerben. Dort bauten die befreundeten und politisch verbundenen Familien Dressel und Walz gemeinsam ein Doppelhaus; vgl. Bericht im Meininger Tageblatt mit Bezug auf die Stadtratssitzung vom 18. Mai 1932, Kopie im Vereinsarchiv.Zu Walz siehe unter anderem die Ausführungen zu seiner Person im Kapitel 2.3. Die lokalgeschichtlichen Ursprünge und Hintergründe des soziopolitischen Lebens um die Bakuninhütte dieser Arbeit.

[177] Um 1905 trug diese Gaststätte den Namen „Friedenshalle“; vgl. eine im Vereinsarchiv in Kopie befindliche, rare (Post-)Karte aus dem Jahr 1905, auf der das Objekt mit diesem Namen abgebildet ist. Das Gasthaus existierte bis in die 2000er-Jahre hinein.

[178] Hierzu oblag ihm das kassieren von Mitgliedsbeiträgen, zu deren Quittierung Mitgliedsmarken in ein Mitgliedsbuch eingeklebt wurden. Sowohl Marken als auch ein blanko Mitgliedsbuch sind von der Meininger FAUD-Ortsgruppe erhalten geblieben, und befinden sich nun im Archiv des Kreises der Wander- und Naturfreunde Meiningen e. V.

[179] Hierzu diente seine Privatadresse als Zeitungs- und Broschürenvertriebsstelle der Syndikalist_innen vor Ort. In den bis heute erhaltenen Druckerzeugnissen finden sich Stempel sowohl von der VAB Meiningen und Umgebung als auch vom Siedlungsverein.

[180] Vgl. Brief von Dressel, Vereinsarchiv sowie Scherer (Bl. 4).

[181] Hierzu scheint es noch keine wissenschaftliche Ausarbeitung zu geben, siehe darum https://de.wikipedia.org/wiki/Meininger_Kasernen#Drachenbergkaserne, gesichtet am 03.01.2016, über die Richtigkeit der Quelle kann ich keine Aussagen treffen. Quellenmaterial liegt im Bundesarchiv: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/CCELOAD7MFOCJXBY5FDIW3GFCD6MJ22I, gesichtet am 03.01.2016.

[182] Laut Wikipedia das Schützen-Regiment 2 der 2. Panzer-Division der Wehrmacht, ebenda.

[183] So die Erinnerungen seiner Familienangehörigen – sein Sohn Rudolf und die Familie dessen Tochter (Fleischmann, Meiningen); vgl. Personenrecherche, Vereinsarchiv.

[184] Otto Walz gehörte zu jenen sechs Personen, die am 10. Juli 1945 die Meininger Ortsgruppe der KPD (neu) gründeten. Er selbst wurde zum Vorsitzenden gewählt; vgl. Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung Meiningen der SED (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der SED im Kreis Meiningen, Teil I, 1945 bis 1955, Redaktion: Dietmar Grimm (Leitung), Rudolf Funk, Alfred Wesse, [o.O.] 1983.

[185] Genauer in Richarz 2015, S. 69; vgl. auch Personenrecherche, Vereinsarchiv, sowie Transkription (Bl. 8).

[186] Seine Mutter war Hausfrau, sein Vater zunächst Gürtler und später Metallarbeiter. Diese und alle weiteren Informationen zu seinem Leben stammen, soweit nicht anders gekennzeichnet, aus: Wanderverein Bakuninhütte e. V.: Fritz Scherer – Lebenschronik, in: Ders. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 7–11.

[187] Künstlerhaus Bethanien (Hrsg.): Wohnsitz: Nirgendwo. Vom Leben und vom Überleben auf der Strasse, Berlin 1982, S. 269.

[188] Mit „wandern“ ist nicht das gemeint, was heutzutage gemeinhin damit assoziiert wird – eine Freizeitbeschäftigung oder Sport. Die Motive, die Scherer auf die Straße zogen waren unterschiedlich. Zunächst war es die Walz als sogenannter Handwerksbursche, später war es die Suche nach Arbeit. Doch neben diesem Not- und Berufswanderern gab es eine Menge „Könner in Lumpen“, die in der Landstraße den Inbegriff der grenzenlosen Freiheit sahen und sich dort zu verwirklichen suchten. Vgl. Künstlerhaus Betanien, unter anderem S. 290.

[189] Vgl. Wanderverein 2010, S. 7. In Berlin war er für die FAUD als Kassierer tätig, kassierte unter anderem bei Erich Mühsam. Mitglied war er auch in der GfB; vgl. Scherer 2010, S. 21.

[190] Über die behördlich festgeschriebene Wanderdauer von 10 Wochen verpflichtete sich Scherer dazu, sich nicht ohne Arbeit an einem Ort niederzulassen. Der legale Aufenthalt an einem Ort war auf vier Tage begrenzt. Er unterstand der Pflicht, sich täglich bei der zuständigen Behörde nach Arbeit zu erkundigen. Die per Stempel im „Wanderschein“ quittierte Erkundigung berechtigte ihn dazu Arbeitslosenunterstützung („Stempelgeld“) vom Arbeitsamt zu beziehen; vgl. Scherer 2010, hierzu insbesondere S. 20 und S. 30f.

[191] Vgl. Scherer 2010, S. 33.

[192] Vgl. ebenda, S. 37.

[193] Laut Scherer kehrte er am 26. November nach Meiningen zurück (Bl. 3).

[194] Soweit sich bisher sagen lässt, war dies die erste Zeit, in der eine Person ihren Lebensmittelpunkt in der Bakuninhütte hatte.

[195] Für seine eigenen Schilderungen vgl. Bl. 2–8 (Anhang) und insbesondere die Ausführungen in seinem Wandertagebuch, Vereinsarchiv. Beispielhaft für sein Wirken sei hierzu aufgeführt, dass unter anderem Scherer mit der sogenannten Grotte eines der markantesten gestalterischen Elemente auf dem Vereinsgrundstück errichtete; Richarz 2012, S. 275, 287 sowie ders. 2015, S. 64.

[196] Die erneute Wanderung begann Scherer mit Adolf Tetschner und, wie schon früher, mit Gerhard Seefeld.

[197] Dass Fritz Scherer mit einem Anarchisten namens Berthold Cahn zusammen wohnte, ist genauso unstrittig wie ihre gemeinsame Verhaftung infolge einer 1933 durchgeführten Hausdurchsuchung in ihrer Wohnung; vgl. Scherer, Fritz: Kunde und Rebell, in: Künstlerhaus Bethanien (Hrsg.): Wohnsitz: Nirgendwo. Vom Leben und vom Überleben auf der Strasse, Berlin 1982, S. (263)269–274, hier S. 273, sowie mit Foto von Scherer und Cahn unter https://libcom.org/history/scherer-fritz-1903-1988, gesichtet am 17.01.2016. Scherer schrieb auch, dass Cahn weiterhin in Haft blieb, als er bereits entlassen wurde. Im Nachruf auf Scherer schrieb Hans Halter, dass besagter Berthold Cahn ein bekannter Agitator war, der „aus dem KZ nicht [wieder] zurück“ kam; Halter, Hans: Kompromisslos anarchistisch. Ein Leben unter der schwarzen Fahne 85 Jahre lang. Ein Nachruf [auf Fritz Scherer], in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 15f. Erstveröffentlichung in: Die Tageszeitung (taz), 29. Juni 1988, 2010, online unter https://www.dadaweb.de/wiki/Fritz_Scherer_-_Gedenkseite, gesichtet am 17.01.2016. Hier beginnen die Widersprüche, denn die Forscher Graf und Nelles zeigen noch zwei weitere davon abweichende Quellenaussagen auf: Mit Bezug auf den Nachlass von Rudolf Rocker (ausgewiesen ist: Walter Reede an Rudolf Rocker, Dresden, 30. Oktober 1947, IISG, Bestand Rocker, Nr. 179) wurde „Cahn in das KZ Auschwitz deportiert und dort 1944 von KZ-Insassen ermordet, weil es ihm (nach Aussagen eines anarchosyndikalistischen Mithäftlings) ‘an rücksichtslosem Überlebenswillen mangelte’“; Berner, S. 55, Anm. 47. Und „Fritz Scherer erwähnt unter Verweis auf Cahns Hauswirtin, dass Cahn 1938 als Jude dem Terror der „Reichskristallnacht“ (vom 9. zum 10. November) zum Opfer fiel. (ausgewiesen ist Fritz Parlow: Für Berthold Cahn [Nachruf], in: Berliner Freie Information, Jg. 4 (1979), Nr. 32, S. 6.)“; Berner, S. 55, Anm. 47. Diese Angaben wurden auch durch Sandvoß vertreten: Hiernach wurde Cahn in der Pogromnacht vom 9. November 1938 erschossen; vgl. Sandvoß, Hans Rainer: Widerstand in Mitte und Tiergarten, herausgegeben von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, (= Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945, Bd. 8) Berlin 1994, S. 69. Weitere Ungereimtheiten ergeben sich vermutlich durch Personenverwechselungen, so die verschiedenen biografischen Angaben über Cahn bei https://deu.anarchopedia.org/Berthold_Cahn, gesichtet am 06.01.2016 sowie die dortige Verlinkung auf https://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=4092141&language=de, gesichtet am 17.01.2016.

[198] Vgl. Scherer, Fritz: Der Vagant. Wandertagebuch, S. 361 sowie Künstlerhaus Bethanien, S. 58.

[199] 1934 und 1937 besuchte ihn Rudolf Dressel in Berlin; vgl. Personenrecherche, Vereinsarchiv sowie Dressel, Rudolf: „Fritz, das war schon eine Harke!“, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 40f. 1941 kam er zusammen mit seiner Tochter Melanie nach Meiningen zu Besuch.

[200] Vgl. Wanderverein 2010 (Lebenschronik), S. 10.

[201] „Fritz hat tatkräftig mitgeholfen, dass sich nach dem Faschismus und 2. Weltkrieg in Deutschland wieder eine neue anarchistische Bewegung entwickelt hat.“ Schmück, Jochen: „… kein Mensch der Vergangenheit“, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 56f., hier S. 57.

[202] Ich benutzte den Quellenbegriff „Genosse“ für die Bezeichnung einer ideellen beziehungsweise politischen Verbundenheit zwischen Personen.

[203] Schmück, S. 56f, Fehler im Original.

[204] „Wenn Fritz die Türen der ollen, ganz und gar nicht stilgerechten Schrankwand öffnete, kamen Schätze zu Tage, auf die jedes Archiv stolz gewesen wäre: unzählige Bücher und Dokumente – Nachlässe und Spenden seiner Genossen – waren bei ihm zusammengekommen.“ Trappmann, Klaus: „Kann kommen, wat will, ick gehe auch!“, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 58f., hierzu S. 58.

[205] Viesel, Hansjörg: Nun adé…, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 60sowie Raasch, Rolf: Der alte Fritz von Neukölln und die Junganarchos, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 54f., hier S. 55.

[206] Siehe zur Person Hans Jürgen Degen die Onlineplattform Anarchopedia: https://deu.anarchopedia.org/Hans_J%C3%BCrgen_Degen, gesichtet am 1.1.2016.

[207] Vgl. Degen 2002.

[208] Vgl. Degen, Hans Jürgen: Erste Begegnung, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 49f.

[209] Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive ist hierzu anzumerken, dass unter anderem an dieser Stelle ganz besonders deutlich wird, wie Scherer die androzentrische Sichtweise aus dem Brief von Franz Dressel übernimmt und damit reproduziert, indem er Frauen nur in unpersönlichen, allgemeinen Aussagen erwähnt und sie reduziert auf Teile der Familien von männlichen Protagonisten.

[210] Den Familiennamen Hirsch gibt es 1904 in Meininger, aber nicht den Rufnamen Irmgard; vgl. Adressbuch Residenzstadt Meiningen, S. 91.

[211] Langeland ist eine Insel, die zu Dänemark gehört.

[212] Vgl. für das Jahr 1921 Müller, Andreas: Aufbruch in neue Zeiten. Anarchosyndikalisten und Nationalsozialisten in Mengede in der Frühphase der Weimarer Republik, in: Braunschädel, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Bochumer Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit, Nr. 8, Bochum 1987, S. 121–154, hier S. 147. Vgl. für 1930 eine Annonce in Der Syndikalist, Nr. 20, Jg. XII, 1930, S. 4: „Dreißigacker. Das Volkshochschulheim Dreißigacker eröffnet am 20. August 1930 einen Männerkursus, der bis zum 20. Dezember 1930 läuft. Anmeldungen zu diesem Kursus sind möglichst umgehend unter Einreichung eines Lebenslaufes an die Heimleitung Dreißigacker bei Meiningen zu richten. Das Schulgeld für den Viermonatskursus beträgt, wenn nicht staatliche oder städtische Beihilfen gezahlt werden, für Thüringer 35, Nichtthüringer 40 Tagelöhne, im Minimum aber M. 150,- einschließlich Kost, Wohnung, Heizung und Licht. Die Reisekosten sind zur Hälfte ermäßigt, Prospekte durch die Heimleitung erhältlich.“.

[213] Sie gehörte der SAJD-Gruppe Meiningen an; vgl. Scherer, Wandertagebuch, S. 148/150.

[214] Maria Walz sen. wurde am 31.12.1887 in Wasungen geboren und starb in Meiningen. Sie war mit Otto Walz verheiratet und hatte mit ihm drei Töchter (Enne, Maria, genannt „Mariechen“ und Auguste, genannt „Guste“) und zwei Söhne (Edwin und Heinrich, genannt „Heini“). Vermutlich war auch Maria Walz sen. Mitglied im Siedlungsverein; vgl. Personenrecherche, Vereinsarchiv.

[215] Der in der Quelle aufgeführte Name lautet „Otto Städtler“, dies meint aber höchstwahrscheinlich den Meininger Syndikalisten Otto Stedtler; vgl. ThStAM, Kreisamt Meiningen Nr. 4422/154, Verzeichnis der sichergestellten Druckschriften und Gegenstände der Durchsuchung des Volkshochschulheimes Dreißigacker vom 18.03.1933.

[216] Emma Stedtler wurde mit dem Familiennamen Stolz 1910 in Dreißigacker geboren und starb 1989 in Ellingshausen. Durch eine Erbschaft gab sie mit „11000 R.M.“ den größten Anteil zum Kauf des Grundstücks auf dem Kühndorfer Berg (Bl. 3).

[217] Hermann Stedtler wurde in Meiningen geboren und starb im Alter von 89 Jahren in Dreißigacker. Dorthin zog er zu seiner Frau Emma. Seine Schwester Rosa Stedtler (genannt „Rose“) heiratete den Meininger Paul Hildebrandt (1889–1948). Dieser war Schlosser im RAW Meiningen und dort auch Betriebsratvorsitzender. Er gehörte dem linken Flügel der SPD an, saß für die USPD im Meininger Stadtrat und war an der Kaperfahrer von 1919 beteiligt. Zudem war er aktiver Widerstandskämpfer gegen den NS, darum auch mehrfach in Haft, unter anderem in Buchenwald. Ab August 1945 zusammen mit dem engagierten Meininger Syndikalisten Leo Kalina (1894–1945) aktiv in der wiedergegründeten SPD Meiningen und von Mai 1945 bis Januar 1948 begleitete er für die SPD/SED den Posten des ersten Landrates im Kreis Meiningen; vgl. „Aus der Betriebsgeschichte des RAW ‚Helmut Scholz‘. Schwerer Anfang der Aktivisten der ersten Stunde“, S. 3, Kopie im Vereinsarchiv; StadtAM, Lebensbilder, Paul Hildebrand; Kachel, Steffen: Ein rot-roter Sonderweg? Sozialdemokraten und Kommunisten in Thüringen 1919 bis 1949, Köln 2011; Kaiser 2007, S. 242; Erck 1999, S. 33 sowie Kommission.

[218] Vgl. die Ausführungen zum Verein in der Fußnote 92.

[219] Otto Stedtler wurde am 20.12.1910 in Dreißigacker geboren und starb 1986 in Ellingshausen. Nach hier war er 1936 mit seiner Frau Irene (geb. Eck) und ihren beiden Kindern verzogen. Wie sein Sohn Harri berichtete, hatten sich sein Vater und/oder sein Großvater Hermann mit Esperanto beschäftigt; vgl. Protokoll vom Gespräch mit Harri Stedtler, vom 02.11.2015, in Ellingshausen, Personengenrecherche, Vereinsarchiv und weitere Telefonate mit dem Autor.

[220] Weitsch, Eduard: Zur Sozialisierung des Geistes. Grundlagen und Richtlinien für die deutschen Volkshochschulen, Jena 1919b, S. 83, zitiert nach Reimers 2000, S. 86.

[221] Hierbei könnte es sich neben Scherer selbst um seinem Reisekumpel Gerhard Seefeld und die von ihm benannten Mitglieder der Meininger SAJD-Gruppe handeln: Max Stedtler, Maria Walz („Mariechen“) und Heinrich Walz („Heini“), Georg und Hedwig Arend sowie Adolf Tetschner (1909–1983); vgl. Scherer: Wandertagebuch, S. 148/150, 179. Georg Arend stammte ursprünglich aus Jena und war in den syndikalistischen Strukturen Meiningens, wie der SAJD-Ortsgruppe organisiert. Er Arbeitete (zumindest 1930/31) als Schreiber an einem Gericht. Auch war er Autor syndikalistischer Beiträge, so in der „Debatte“. Während des Nationalsozialismus lebte er in Sömmerda und übte nach 1945 das Amt des Bezirksbürgermeisters in Weißensee aus; vgl. Nelles 2014a, p. 211; Scherer: Wandertagebuch; Döhring 2010, S. 24.

[222] Ebenda, S. 180, Fehler im Original.

[223] Firth, Will: Esperanto und Anarchismus, eine erweiterte Fassung eines von Will Firth verfassten Beitrags für das Lexikon der Anarchie, Verlag Schwarzer Nachtschatten, Plön 1998, online unter: https://www.syndikalismusforschung.info/esperantowill.htm, zuletzt gesichtet am 3.2.2016. Allerdings gab es auch Kritik an der Verwendung von Esperanto, so von Gustav Landauer, weil er die Lebendigkeit von gewachsenen Sprachen gegenüber der Künstlichkeit von Esperanto wertschätzte; vgl. Landauer, Gustav; Siegbert Wolf (Hrsg.): Internationalismus, Ausgewählte Schriften, Bd. 1, Lich/Hessen 2008, S. 27f.

[224] Fritz-Hüser-Institut (Hrsg.): Illustrierte Geschichte der Arbeiter-Esperanto-Bewegung, Dortmund 1993, S.66, zitiert nach Firth.

[225] Vgl. Rübner 1994, S. 199, Anm. 133; Esperanto – eine Sprache für alle [Auszug aus: Une langue pour tous: l’Espéranto / Unu lingvo por ĉiuj von Eduardo Vivancos, Editions du Groupe Fresnes-Antony, (= Volonté Anarchiste 34) Paris 1987, p. 30–52, deutsche Übers. v. GM], online unter: https://garymickle.bplaced.net/leag/t_einesprache.html, gesichtet am: 07.08.2019.

[226] Vgl. die Ausführungen zu ihrer Person im Kapitel 3. Zum Werdegang des syndikalistischen Grundstücks sowie zur Gebäudeentstehung und -nutzung (1919/20–1933) dieser Arbeit.

[227] Suhl lag im Zentrum eins ganzen Netzes aus verschiedensten anarchosyndikalistischen Gruppen und aktiven Einzelpersonen. Es bestehen weitere personelle Verbindungen nach Suhl. Einerseits durch den Eintrag von Rudolf Weiß (Pfingsten 1932, Bl. 22). Andererseits über die Suhler Antifaschisten Emil Eckstein und Ewald Stübler, die sich zusammen mit Franz Albrecht zur Beratung weiteren Schritte ihrer illegalen Tätigkeit an der Bakuninhütte trafen; vgl. Unveröffentlichtes Skript zu: Lebensbilder antifaschistischer Widerstandskämpfer in Südthüringen (vom 30.09.2010), im Privatarchiv des Autors. Emil Eckstein wurde am 23.9.1889 in Albrechts bei Suhl geboren. Er erlernte die Berufe des Büchsenmachers sowie des Lehrenbauers und war organisiert sowohl in den Parteien SPD, USPD, KPD, ab 1928 wieder SPD, als auch gewerkschaftlich im Deutschen Metallarbeiterverband. Eckstein gehörte zum aktiven Kern eines großen antifaschistischen Suhler Widerstandskreises, zudem zu der nach dem Wohnsitz ihrer Mitglieder benannten „Friedberggruppe“. Zu ihren politischen Mitteln gehörte auch das Auffordern zum „Krankfeiern“ zum Zwecke der Rüstungssabotage. (Ein Kampfmittel, welches unter dem Begriff der „Direkte Aktion“ bei Syndikalist_innen eine lange Tradition hatte; vgl. Becker, Heiner M.: Boykott, Sabotage, Ca’canny, in: Asholt, Wolfgang und Walter Fähnders: Arbeit und Müßiggang 1789–1914. Dokumente und Analysen, Frankfurt am Main 1991, S. 219–229.) Verhaftet (1943) und abgeurteilt wurde Eckstein im Zuge der sogenannten „Suhler Hochverratsprozesse“. Ab diesem Zeitpunkt saß er im Strafgefängnis Ichtershausen, wo er am 1.11.1944 verhungert. Der Kaufmann Ewald Stübler wurde am 13.8.1881 in Gera geboren und fand aus beruflichen Gründen nach Suhl, wo er von 1923 bis 1928 eine eigene Waffenhandlung betrieb. Vor 1933 gehörte er keiner Partei an und war auch nicht gewerkschaftlich organisiert. Doch gehörte er in Suhl zum engeren Widerstandskreis um Guido Heym (1882–1945). Im Zuge von Massenverhaftung kam er am 03.09.1943 in Haft. Zusammen mit 8 weiteren Personen wurde er am 5.1.1945 im Lichthof des Landgerichtsgefängnisses in Weimar geköpft. Der Revolverdreher Franz Albrecht wurde am 24.11.1898 in Albrechts geboren, wo er auch lebte. Er gehörte keiner Partei an, verbrachte aber wegen seiner antifaschistischen Grundhaltung und seiner Kontakte die letzten Monate des Nationalsozialismus in Ichtershausen in Haft. Eckstein, Stübler und Albrecht standen in Kontakt mit dem Suhler Anarchosyndikalisten Paul Scheibe. Er wurde am 13.12.1896 in Suhl geboren, lernte Büchsenmacher und arbeitete unter anderem im Suhler Simsonwerk. Von 1921–1929 war er in der FAUD organisiert. 1943 verhaftet erhielt er eine Zuchthausstrafe. Vgl. Kaiser 2007, S. 144, 179–182, 358f., 385; Kaiser, Gerd (Hrsg.): Aufrecht und stark – trotz alledem. Frauen und Männer von Suhl und Umgebung im Widerstand gegen Faschismus und Krieg, Berlin 2011, S. 121–123.

[228] Dieser Eintrag, der eindeutig in Esperanto verfasst ist, „strotzt nur so vor Fehlern. Vor allem wird das Akkusativ-n entweder weggelassen oder an ungewöhnlichen Stellen angehängt. Die genaue intendierte Bedeutung ist daher meist etwas unklar. […] Auffällig ist, dass der Schreibende durchaus anspruchsvolle Vokabeln einsetzt, z.B. „sin viglas“ („vigliĝas“ oder „sin vigligas“ wäre eigentlich richtig) oder „eklevu“, was mich in Verbindung mit dem grammatikalischen Durcheinander überrascht. Ich vermute einen Menschen, der Esperanto mit großem Eifer, aber ohne den für den Spracherwerb nötigen Fleiß und/oder Unterrichtszugang betrieben hat.“ Für diese kompetente Einschätzung habe ich Will Firth zu danken; E-Mail an den Verfasser, vom 28.12.2015.

[229] Der Leipziger Anarchosyndiaklist Ernst Budschigk gehörte zum Widerstandsnetz gegen den Nationalsozialismus. Über ihn, der auch der „kleine General“ genannt wurde, erhielt der Berliner GK der FAUD Kontakte zu ihrer schwedischen Schwesterorganisation in Stockholm, die Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC). Als Emigrant in Dänemark, wurde er 1937 von dort nach Deutschland ausgeliefert. Daraufhin gehörte Budschigk zusammen mit dem Erfurter Bakuninhüttengast Max Schipansky zu jenen 110 Anarchosyndikalist_innen, welche in den Jahren 1937 bis 1939 wegen ihrer illegalen Widerstandsarbeit verurteilt wurden. Ihm und sieben weiteren Personen davon wurde der Prozess vor dem Volksgerichtshof gemacht. Budschigk gelang daraufhin jedoch die Flucht nach Holland; vgl. Graf A., S. 49, 56 (dort bezogen auf: Urteil gegen Ernst Budschigk v. 26. September 1938, in: Bundesarchiv / Zwischenarchiv Dahlwitz-Hoppegarten, Z/C 6273, Akte 2, Bl. 5ff.); Berner, S. 95, 105, 111; Haug 1989, S. 369, Anm. 72. Für weitere, vom Autor nicht eingesehene Informationen vgl. Staatsarchiv Leipzig, Strafakten des Polizeipräsidiums Leipzig, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, PP-S 208/84 und 20036 Zuchthaus Waldheim 12151.

[230] Franz Herbert Psotta wurde am 31.08.1911 in Leipzig geboren. Ein Tischler Franz Psotta war dort 1932, 1933 und auch 1949 („Rentner“) in der Schirmerstraße 19 gemeldet. Am 15.09.1936 heiratete er Martha in Leipzig. Sie wurde als Anna Martha Giermann(?) am 26.02.1912 in Uebigau, im Kreis Liebenwerda geboren. Ihre gemeinsame Tochter Maria Elona wurde am 20.09.1940 in Leipzig geboren. Für Herbert Psotta finden sich zwei Eintragungen darüber, dass er sowohl am 30.11., als auch am 08.12.1931 „auf Reisen“ war; vgl. Staatsarchiv Leipzig, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, PP-M 944/1; Leipziger Adreßbuch, 1932, Jg. 111, Bd. 1, Leipzig, S. 844 (876), online unter: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/93855/1/0/; Leipziger Adreßbuch, 1933, Jg. 112, Bd. 1, Leipzig, S. 824 (840), online unter https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/93350/1/0/; Leipziger Adreßbuch, 1949, Jg. 124, Leipzig, S. 629, online unter: https://wiki-de.genealogy.net/Leipzig/Adressbuch_1949, alle gesichtet am 23.02.2016.

[231] Das Akkusativ-n hätte statt am Pronomen „ni“ (wir), eigentlich an das Ende des Wortes „Bakunindometo“ angehängt werden müsste. Als Erklärung für diesen Fehler ist bisher die Möglichkeit nicht ganz auszuschließen, dass es sich hierbei eigentlich um eine andere Plansprache, wie Ido oder Interlingua handelt. Ich danke für diese Hinweise und die kompetente Übersetzung Will Firth.

[232] Vgl. die Ausführungen im Kapitel 3. Zum Werdegang des syndikalistischen Grundstücks sowie zur Gebäudeentstehung und -nutzung (1919/20–1933) dieser Arbeit.

[233] Der Eisendreher und Anarchosyndikalist Gustav Doster (1904–1978), genannt „Gustel“, war Obmann der PAB-Südwestdeutschland beziehungsweise Hessen. Er vertrat auf dem benannten Kongress die FAUD-Ortsgruppe Darmstadt und war dort auch in der Kongressleitung tätig. In Darmstadt war er ein besonders umtriebiger politischer Aktivist, insbesondere in der Erwerbslosenbewegung und als Initiator der Schwarzen Scharen. Zudem war er Autor und Herausgeber politischer Schriften. Nach seiner Inhaftierung Floh Doster aus dem Konzentrationslager und ins Ausland, wo er Mitbegründer und Aktivist in zwei anarchosyndikalistischen Auslandsorganisationen war: das Auslandsbüro der FAUD und später die Gruppe „Deutsch Anarchosyndikalisten“ (DAS). Als Werkzeugdreher arbeitend, lebte er nach dem Krieg in Stockholm; vgl. Haug 1989, passim, insbesondere S. 361, Anm. 16 und S. 366, Anm. 49; Rübner 1994, S. 156, Anm. 61; Nelles 2014a, pp. 203f. A. Graf, S. 45, 51; Linse 1976, S. 220; Linse 2010, S. 5, 17, 27, Anm. 52; Bock 1989, S. 355; Döhring 2014, S. 7; Döhring 2010, S. 15 und 48; als jüngste Zusammenfassung vgl. Döhring, Helge: Syndikalismus in Deutschland 1914–1918 „Im Herzen der Bestie“, Lich/Hessen 2013, passim; vgl. auch Nelles, Dieter; Ulrich Linse, Harald Piotrowski und Carlos García: Deutsche AntifaschistInnen in Barcelona (1933–1939). Die Gruppe „Deutsche Anarchosyndikalisten“ (DAS), Münster 2014b.

[234] Der Anarchosyndikalist H[ermann] Heilmann vertrat auf dem benannten Kongress die FAUD-Ortsgruppe Worms; vgl. Haug 1989, S. 361, Anm. 16.

[235] Offiziell lief dieses von Pfingstsonntag, dem 15. bis zum 21. Mai; vgl. G[eor]g. Hepp (i.A.): Besucht das 3. Reichsferienlager, in: Der Syndikalist, Nr. 17, Jg. XIV, 1932, online in: Döhring 2014, S. 48.

[236] Dieser Ortsteil ist seit 1979 in die Stadt Suhl eingemeindet.

[237] G[eor]g. Hepp: Schulungsarbeit der Jugend, in: Der Syndikalist, Nr. 23, Jg. XIV, 1932, online in: Döhring, Ferienlager, S. 47.

[238] Den behördlichen Unterlagen zufolge gab es in Halle einen Max Hans Grothe. Dieser wurde am 20. Mai 1902 als Sohn von Johanne Friederike Marie Grothe (geb. Ulrich) und dem Zigarrenmacher Friedrich Christian Grothe geboren. Die Familie war damals in der Lerchenfeldstraße 11 gemeldet. (Auf Antrag von Friedrich Christian, der seit 1903 in Strehla an der Elbe lebte, wurde jedoch vom Landgericht Dresden 1904 festgestellt, dass Max Hans nicht ehelich sei.) 1929 heiratete Max Hans Grothe in Mettmann bei Düsseldorf. Seit dem Jahrgang 1938 ist in den Hallenser Adressbüchern ein Maler Max Grothe mit Wohnsitz im Ammendorfer Weg 32 eingetragen. Er verstarb 1968. Die Übereinstimmung beider Personen ist nicht gesichert; vgl. Standesamt Halle-Süd, Geburtsregister Nr. 1455. Die Dokumente hat der Autor nicht selbst eingesehen. Für die Informationen danke ich herzlich Roland Kuhne vom Stadtarchiv Halle, vgl. E-Mail an den Autor vom 02.12.2015.

[239] Dora Frida Anna Hohmann wurde am 5. November 1903 in Eutritzsch (bei Leipzig) geboren. Sie heiratete Johannes Trompeta am 26. Januar 1935 und hatte mit ihm einen gemeinsamen Sohn Heinz (* 11.12.1943, in Hochweitzschen). Sie war Aktivistin der anarchosyndikalistischen Jugend, wahrscheinlich in Leipzig. Im Zuge einer polizeilichen Durchsuchung zu Beginn des Nationalsozialismus wurden bei ihr einschlägige Fotos gefunden, was die lokale Bewegung in Gefahr brachte; vgl. Staatsarchiv Leipzig, Meldeblätter, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, PP-M 2969; Döhring: Asy 1933–45, S. 101 (dort angegeben: BA, SAPMO, DY 55/V 241/7/41, Bl. 14).

[240] Johannes (genannt Hans) Trompeta wurde am 26.10.1901 in Brzezie (Hohenbirken, Kreis Ratibor) geboren. Er und seine Frau Dora waren aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wahrscheinlich in Dresden, wo Johannes zwischen 1937 und 1939 gemeldet war; vgl. Staatsarchiv Leipzig, Meldeblätter, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, PP-M 1354; Staatsarchiv Leipzig, Strafakte des Polizeipräsidiums Leipzigs: Anklage wegen Hochverrat, 1937–1939, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, PP-S 5700/33; Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20237 Bezirkstag/Rat des Bezirkes Leipzig, Akte betreffend Anerkennung als Verfolgte des Naziregimes von Frieda und Johannes Trompeta, Nr. 13418. Enthalten sind Personalbögen (einschließlich Passbilder), Lebensläufe und die Sterbeurkunde von Johannes Trompeta. Diese Akten hat der Autor selbst nicht eingesehen. Für die Hinweise darauf danke ich sehr Petra Oelschlaeger vom Staatsarchiv Leipzig.

[241] Der Esperantist, Anarchosyndikalist und entschiedene Anti-Militarist Georg Hepp wurde am 15. November 1904 in Frankfurt am Main geboren. Er war ein Protagonist der dortigen FAUD- sowie SAJD-Ortsgruppe. Als Leiter des Bildungsressorts und der Pressekommission gehörte er zu den führenden Köpfen der Jugendbewegung und galt als Intellektueller. In diversen Organen trat er als Autor auf, häufig unter den Synonymen „G.H.“, „Gg. Hepp“ oder „Geg. Hepp“. An der Bakuninhütte war Hepp bereits als einer der Leiter des ersten Reichsferienlagers der SAJD, über welches er auch berichtete. Er beteiligte sich aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Um illegale Kontakte auch nach Meiningen aufrecht zu erhalten machte sich unter anderem Hepp im Frühjahr 1933 (vermutlich Mai/Juni) von Fulda aus mit dem Fahrrad auf den Weg dorthin. Unter dem Vorwurf der „Errichtung der Anarchie“ wurde er 1936 zusammen mit fünf weiteren Personen zu einer sechsjährigen Zuchthausstrafe (Butzbach) verurteilt. Unter den Angeklagten befanden sich auch seine Frau, die Aktivistin Anni Zerr, und der Bakuninhütten-Gast Karl Schild (Bl. 16). Seine politische Arbeit setzte er auch nach 1945 fort, bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, in der FFS und in der wiedergegründeten GfB. 1995 starb er im hohen Alter von 91 Jahren; vgl. Linse 2010, S. 22; Haug 1989, S. 52f.; Degen 2009, S. 77, 151, 166, 315 und 500; Wolf 2015, insbesondere S. 38, Anm. 43f.; Döhring 2014, passim; Ders. 2011b, passim.

[242] Fritz Annecke gehörte zu der von seinem Vater, Friedrich Annecke (1870–1941), begründeten Anarchistische Gruppe Westeregeln. Diese war seit Jahreswechsel 1931/’32 an die Föderation der kommunistischen Anarchisten Deutschlands angeschlossen; vgl. https://www.geschichtevonunten.de/01_sek-lit/organisationen/lokale_gr/westeregeln/westeregeln_fkad.htm, gesichtete am, 15.02.2016.

[243] Bei der gesamten Auszählung wurden wiederholte Aufenthalte nicht herausgerechnet.

[244] Hierzu zählt jeweils eine Eintragung aus Ritschenhausen und Helba.

[245] So beispielsweise der Eintrag von Klara Hölbe (Bl. 25), sieben Eintragungen vor Franz Hölbe, der höchst wahrscheinlich, weil im Adressbuch ausgewiesen, aus Meiningen stammt.

5. Schluss

Das Gästebuch der Bakuninhütte ist eine äußerst ergiebige Quelle. Wie gezeigt wurde, konnten einige Aspekte der Hüttengeschichte vervollständigt, andere ausdifferenziert oder sogar widerlegt werden. Deutlich wurde, dass die Klientel der Bakuninhütte soziopolitisch heterogen war. Starre Abgrenzungen zu anderen gesellschaftlichen oder politischen Schichten sind nicht zu erkennen. Gleichwohl unterstreichen die Erkenntnisse aus dem Gästebuch die bedeutsame Rolle der anarchosyndikalistischen Provinzial-Arbeitsbörse Großthüringen für die solidarische Schaffung dieser „Heimstätte der Bewegung“.

Im Zuge der Ausarbeitung zeigte sich, dass der Umfang der möglichen Hintergrundrecherchen zu dieser Quelle, trotz oder gerade wegen der heutigen technischen Möglichkeiten, ein Ausmaß besitzt, das den Rahmen des Möglichen einer Bachelor-Arbeit um einiges sprengt. Der Umfang der herangeschafften Informationen übertraf die Erwartungen bei weitem. Darum war eine vollständige Auswertung dieser Informationen nicht möglich. Eine künftige Weiterführung dieser Edition kann präzisere Aussagen über die Klientel der an der Bakuninhütte verkehrenden Personen geben. Eine tiefere sozialgeschichtliche Untersuchung könnte hier Aussagen über die Alters-, Geschlechter- und Herkunftsstruktur der Gäste oder über die Anlässe der Besuche treffen.

Inhaltliche Schwierigkeiten bei der Transkription der Eintragungen ergaben sich in folgender Hinsicht: Was Eintragungen der Ortsbezeichnung „Meiningen“ genau bedeuten, war manchmal nicht eindeutig zu bestimmen. So konnte mit dieser Eintragung immer der Standort der Eintragung, in manchen Fällen allerdings auch der Herkunftsort der sich eingetragenen Personen gemeint sein. Zur Identifizierung von Personen, die eine Ortsangabe hinterließen, wurden die zuständigen Archive konsultiert. Abgesehen von den ganz unterschiedlichen Überlieferungssituationen der jeweiligen Melde-, Adress- oder Stadtbücher gibt es auch strukturelle „Lücken“, begründet „in der Tatsache, dass bei Frauen nur alleinstehende volljährige Personen erfasst wurden, keine Ehefrauen oder Mädchen unter 21 Jahren.“246 So ließen sich Personen mit Frauennamen sehr viel seltener eindeutig verifizieren.247 Je gewöhnlicher ein gesuchter Name ist, desto höher ist die Anzahl der vom jeweiligen Ortsregister erfassten gleichnamigen Personen. Dementsprechend kam es häufiger vor, dass es Mehrfacheintragungen selbst für einen vollständigen Namen (sowohl Vor- als auch Nachnamen) gab. Oftmals gab es übereinstimmende Funde in Adressbüchern, doch, um zweifelsfrei zu verifizieren, ob Bakuninhüttengast und gemeldete Person tatsächlich identisch sind, wären sehr viel weitreichendere Nachforschungen nötig. Derartige Angaben in den Fußnoten sind darum immer als Indiz zu verstehen, so beispielsweise bei Heinrich Hollerbuhl aus Erfurt (siehe Seite 31).

In dieser Arbeit konnten wichtige Erkenntnisse über die Sozialstruktur und die politische Zusammensetzung der Bakuninhüttengäste gewonnen werden. Hierzu gehören zahlreiche biografische Informationen und politische Zusammenhänge. 1931 – dem Entstehungsjahr des Gästebuches – war die Bakuninhütte bereits als Schulungsheim248 und als überregionaler syndikalistischer Treffpunkt etabliert. Dass die Ferienlager der Jahre 1932 und 1933 nicht an der Bakuninhütte stattfanden, ist auf die Pläne zur zweiten Erweiterung und deren Stagnation zurück zu führen. Das Gebäude war zu dieser Zeit im Zustand einer Baustelle und es fanden acht bis zehn Personen darin Platz. Dies überstieg die Nachfrage an die beiden darauf folgenden Ferienlager deutlich.249 Doch die Möglichkeit für Familien und Einzelpersonen, die Bakuninhütte als Kinder- und Ferienheim zu besuchen, war ausdrücklich gewollt und wurde durch den Beschluss der Reichskonferenz der FAUD vom März 1932 nachdrücklich befördert. Hierin zeigt sich deutlich die Bedeutung der in Erfurt zusammenlaufenden anarchosyndikalistischen Strukturen, in Form der PAB Großthüringen, für die lokalen Zusammenhänge von Meiningen. Das Gästebuch verdeutlicht, dass dieses von Meiningen und Erfurt in Kooperation erarbeitete Angebot in der Praxis auch angenommen wurde. Trotz dieses Hauptanliegens, eine Kinder- und Jugendbildungsstätte zu sein, diente dieser Ort immer auch der Generationen übergreifenden Erholung.

Nicht nur durch Veranstaltungen wurden Gäste auf das Grundstück gelockt, auch zahlreiche Gelegenheitsbesuche sind nachgewiesen. Ausflugsziel war die Bakuninhütte sowohl von Personen aus der Region, die möglicherweise keinerlei Verbindung zum Anarchosyndikalismus hatten, als auch von durchreisenden Anarchosyndikalist_innen. Unter den Gästen finden sich einige der Zentralfiguren der mitteldeutschen anarchosyndikalistischen Bewegung. Insofern erfüllte sie durchaus den erstrebten Zweck einer Heimstätte der Bewegung, insbesondere für den lokalen Anarchosyndikalismus. Doch wurde sie nicht von einem politisch homogenen Publikum besucht, stattdessen diente die Bakuninhütte als Treffpunkt diverser politisierte Milieus in Südthüringen. Vor dem Hintergrund der nachfolgenden nationalsozialistischen Epoche, kommt der Bakuninhütte eine weitere Bedeutung als antifaschistischer Sammelpunkt zu. Sie diente einerseits als Ort für Personen im regionalen, strömungsübergreifenden Widerstand. Andererseits waren mehrere Gäste der Bakuninhütte in reichsweite und teils international agierende, anarchosyndikalistische beziehungsweise anarchistische Widerstandsstrukturen eingebunden.

Die aus der anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsbewegung kommende, konstruktive Kraft führte an der Bakuninhütte zu einer Realisierung utopisch-anarchistischer Ideale und damit gegenweltlicher250 Strukturen. Den hegemonialen Trends zu Nationalisierung und gewaltbereiter Wettbewerbsorientierung vereinzelter Individuen setzte die Hüttengemeinschaft Vorstellungen und Praktiken einer kosmopolitischen, gemeinschaftlichen und pazifistischen Gegenseitigen Hilfe als Alternative entgegen. Mit der Bakuninhütte sind Strukturen geschaffen worden, die die radikale anarchistische Ideenwelt Menschen praktisch zugänglich machte, die sich dieser bisher nicht zugehörig fühlten. Damit erfüllte sich partiell Landauers Hoffnung auf einen weit hinaus ins Land leuchtenden Wegweiser für den Übergang zu einer freiheitlich-sozialistischen Gesellschaft.

Forschungen zur konkreten Beschaffenheit und zum Überdauern der angedeuteten gegenweltlichen Praxis an der Bakuninhütte stehen noch aus. Interessante Untersuchungen ließen sich beispielsweise zum Überdauern der gegenweltlichen Ansätze über den Nationalsozialismus hinweg anstellen. Denn Anhaltspunkte dazu liefern die personellen und ideellen Schnittmengen zu jener Nachnutzung der Bakuninhütte in den 1960er-Jahren.251 Für solche künftigen Forschungen wird das Gästebuch, als eine der umfangreichsten und ergiebigsten Schriftquellen aus der Entstehungszeit der Bakuninhütte, eine wichtige Rolle einnehmen können. Insbesondere weil durch die Unterschutzstellung der Bakuninhütte als Kulturdenkmal im September 2015 künftig von einem erhöhten wissenschaftlichen Interesse an ihr auszugehen ist, wäre eine Veröffentlichung dieser Edition sinnvoll.

Anmerkungen:

[246] So die Mail-Antwort vom Stadtarchiv Halle vom 02.12.2015 an den Autor.

[247] Mit eindeutiger Verifikation ist gemeint, das beispielsweise Vor- und Nachname in einem Personenregister eines Ortes zu finden sind.

[248] Vgl. die Ausführungen zum Reichsferienlager 1930 im Kapitel 3. Zum Werdegang des syndikalistischen Grundstücks sowie zur Gebäudeentstehung und -nutzung (1919/20–1933) in dieser Arbeit.

[249] Zum Ferienlager von 1931 hatten „sich 60 Jugendgenossinnen und -genossen […], aus 14 verschiedenen Städten zusammengefunden.“; Aus: Der Syndikalist, Nr. 26, Jg. XIII, 1931, auch in: Döhring 2014, S. 46. Und zum Ferienlager von 1932 „hatten sich 65 Teilnehmer aus 21 Ortsgruppen eingefunden“; Vgl. G[eor]g. Hepp, in: Der Syndikalist, Nr. 23, Jg. XIV, 1932, auch in: Döhring 2014, S. 47. Darum wurden zu diesen Anlässen andere Objekte angemietet.

[250] „Gegenwelt [wird] als Metapher für Phänomene verwendet, die jenseits der normativen und / oder materiellen Bedingungen und Regeln liegen, welche die alltagsweltliche Realität kennzeichnen. Gegenwelten besitzen demnach den Charakter des Kuriosums, das durch Abweichungen von üblichen Verhaltensmustern oder Denkweisen entsteht, aber weisen auch die Attribute eines Rückzugsortes oder Fluchtpunktes auf, um Ansprüchen, Zwängen oder vorgegebenen Grenzen im Hier und Jetzt entweder temporär zu entkommen oder diese gar dauerhaft zu überwinden.“ Leonhard, Nina und Astrid Mignon Kirchhof: Einführung: Gegenwelten, in: Kirchhof, Astrid Mignon und Nina Leonhard (Hrsg.): Gegenwelten. Geschichte und Gesellschaft, Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 41. Jahrgang 2015, Heft 1, S. 5–16, hier S. 6.

[251] Zu den Ähnlichkeiten zwischen der, die ehemalige Bakuninhütte zwischen 1964 und 1968 nutzenden „Arbeitsgemeinschaft ‚Hohe Maas‘ der Natur- und Heimatfreunde des Deutschen Kulturbundes“ um Hans Boxberger (1918–1997) und den anarchophilen DDR-Naturschützer_innen Erna und Kurt Kretschmann siehe Richarz 2015 sowie Kirchhof, Astrid Mignon: „Der freie Mensch fordert keine Freiheiten, er lebt einfach.“ Die Nestoren des DDR-Naturschutzes und die Herausbildung einer reformbewegten Gegenwelt, in: Kirchhof, Astrid Mignon und Nina Leonhard (Hrsg.): Gegenwelten. Geschichte und Gesellschaft, Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 41. Jahrgang 2015, Heft 1, S. 71–106.

6. Verzeichnisse

6.1. Abkürzungsverzeichnis
6.2. Quellenverzeichnis


6.1. Abkürzungsverzeichnis

ADV
Alldeutscher Verband
Anm.
Anmerkung (Fußnote)
DDR
Deutschen Demokratischen Republik
D. i.
das ist (Auflösung von Synonymen)
FAUD
Freie Arbeiter-Union Deutschlands (anarchosyndikalistische Gewerkschaft)
DVFP
Deutsch-Völkische Freiheitspartei
FFS
Föderation Freiheitlicher Sozialisten
FVdG
Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften
GK
Geschäftskommission der FAUD
GfB
Gilde freiheitlicher Bücherfreunde, Büchergilde der FAUD
IAA
Internationale Arbeiter-Assoziation (anarchosyndikalistische Internati-onale)
KPD
Kommunistische Partei Deutschlands
KrAM
Kreisarchiv Meiningen
NSDAP
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
PAB
Provinzialarbeitsbörse
RAW
Reichsbahnausbesserungswerk
SAJD
Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands
SAT
Sennacieca Asocio Tutmonda = Nationenunabhangiger Weltbund
SBZ
Sowjetischen Besatzungszone
SED
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
SMAD
Sowjetische Militäradministration in Deutschland
SPD
Sozialdemokratische Partei Deutschlands
StadtAM
Stadtarchiv Meiningen
ThKrMei
Thüringischen Kreisamt Meiningen
ThStAM
Thüringisches Staatsarchiv Meiningen
TLES
Tutmonda Ligo de Esperantistoj Senŝtatanoj = Weltbund esperantis-tischer Staatsgegner
TmdI
Thüringsche Ministerium des Inneren
USPD
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
u.a.
und anderen (bei Literaturangaben)
VAB
Vereinigung aller Berufe (Lokalsyndikat der FAUD)
Vereinsarchiv
Vereinsarchiv des Wandervereins Bakuninhütte e. V.
Wanderverein
Wanderverein Bakuninhütte e. V.
6.2. Quellenverzeichnis
6.2.1. Primär und Sekundärquellen
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Ders.: Anarchismus in Deutschland 1945–1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002.
Der Syndikalist, Ausgabe:
Nr. 25, Jg. XIV, 1932 (25. Juni), S. 6, Beilage.
Nr. 23, Jg. XIV, 1932.
Nr. 21, Jg. XIV, 1932 (28. Mai), S. 8, Beilage.
Nr. 17, Jg. XIV, 1932.
Nr. 50, Jg. XIII, 1931, S. 8, Beilage.
Nr. 47, Jg. XIII, 1931, S. 7, Beilage.
Nr. 38, Jg. XIII, 1931 (19. September), S. 5.
Nr. 33, Jg. XIII, 1931 (15. August), S. 4.
Nr. 27, Jg. XIII, 1931 (4. Juli), S. 7, Beilage.
Nr. 26, Jg. XIII, 1931.
Nr. 13, Jg. XIII, 1931 (24. Januar), S. 4 und 8, Beilage.
Nr. 20, Jg. XII, 1930, S. 4.
Nr. 18, Jg. XI, 1929 (4. Mai), S. 8, Beilage.
Nr. 19, Jg. X, 1928 (12. Mai), S. 4.
Nr. 15, Jg. X, 1928 (14. April), S. 4.
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1933, Jg. 112, Bd. 1, Leipzig, online unter https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/93350/1/0/, gesichtet am 23.02.2016.
1932, Jg. 111, Bd. 1, Leipzig, online unter: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/93855/1/0/, gesichtet am 23.02.2016.
Leonhard, Nina und Astrid Mignon Kirchhof: Einführung: Gegenwelten, in: Kirchhof, Astrid Mignon und Nina Leonhard (Hrsg.): Gegenwelten. Geschichte und Gesellschaft, Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 41. Jahrgang 2015, Heft 1, S. 5–16.
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Neumann, Thomas (Hrsg.): Demokratische und antidemokratische Entwicklungen in Thüringen 1870–1932, (= Quellen zur Geschichte Thüringens, Bd. 33) Erfurt 2009.
Oerter, Fritz: Unser Bakunin, in: Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e. V. (Hrsg.): Bakunin – ?EIN DENKMAL! Kunst – Anarchismus, Berlin 1996, S. 84.
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Scherer, Fritz: Zehn Wochen Wanderschaft, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 17–39.
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Schmück, Jochen: „… kein Mensch der Vergangenheit“, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 56f.
Schulze, Gerhard: Novemberrevolution 1918 in Thüringen, Beiträge zur Geschichte Thüringens, herausgegeben von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Bezirkskommissionen zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei den Bezirksleitungen Erfurt, Gera, Suhl und dem Rat des Bezirkes Erfurt, Abteilung Kultur, Erfurt 1976.
Seifert, Peter: Die Bakuninhütte. Ein lange übersehenes Denkmal der anarchosyndikalistischen Arbeiterbewegung. Thesis zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science im Studiengang Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin bei Prof. Dr. phil. Gabi Dolff-Bonekämper, 2015.
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Stadtarchiv Meiningen:
Lebensbilder, Paul Hildebrand.
Sitzungen des Gemeinderats Meiningen 1918–1921, Findbuch des Stadtarchivs Meiningen, Teil 1, Meiningen 2001.
Standesamt Nikolaiken, Reg.-Nr. 35/1889.
Standesamt Weißenfels, Reg.-Nr. 232/1970.
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Kreisamt Meiningen Nr. 4422/154, Verzeichnis der sichergestellten Druckschriften und Gegenstände der Durchsuchung des Volkshochschulheimes Dreißigacker vom 18.03.1933.
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Land Thüringen, Vereinsregister.
Tracey, Donald R.: Der Aufstieg der NSDAP bis 1930, in: Heiden, Detlev und Gunther Mai (Hrsg.): Nationalsozialismus in Thüringen, Weimar 1995, S. 49–74.
Trappmann, Klaus: „Kann kommen, wat will, ick gehe auch!“, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 58f.
Unveröffentlichtes Skript zu: Lebensbilder antifaschistischer Widerstandskämpfer in Südthüringen (vom 30.09.2010), im Privatarchiv des Autors.
Vereinsarchiv, des Wandervereins Bakuninhütte e. V.:
„Aus der Betriebsgeschichte des RAW ‚Helmut Scholz‘. Schwerer Anfang der Aktivisten der ersten Stunde“ (Kopie).
Brief von Günter Heym, Rohr 18.05.2011.
Brief von Franz Dressel an Fritz Scherer, Meiningen Sommer 1968.
Brief von Christian Benkert an Ida Sauer, Meiningen 26.01.1959.
Der Hüttenbote, Jg. 2, Nr. 3, Dezember 2008 und Jg. 3, Nr. 4, Mai 2009.
Fotosammlung.
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Personenrecherche.
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Viesel, Hansjörg: Nun adé…, in: Wanderverein Bakuninhütte e. V. (Hrsg.): „Rebellen-Heil“. Gedenkschrift für Fritz Scherer. Vagabund. Wanderer. Hüttenwart. Anarchist, Meiningen 2010, S. 60.
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Weitsch, Eduard: Dreißigacker. Die Schule ohne Katheder. Pädagogische Schnappschüsse aus der Praxis eines Volkshochschulheims von 1920 bis 1933, Hamburg 1952.
Ders.: Was soll eine deutsche Volkshochschule sein und leisten? Ein Programm, Jena 1919a.
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Wenzel, Otto: 1923. Die gescheiterte deutsche Oktoberrevolution, Münster 2003.
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Esperanto – eine Sprache für alle [Auszug aus: Une langue pour tous: l’Espéranto / Unu lingvo por ĉiuj von Eduardo Vivancos, Editions du Groupe Fresnes-Antony, (= Volonté Anarchiste 34) Paris 1987, p. 30–52, deutsche Übers. v. GM], online unter: https://home.arcor.de/gmickle/leag/t_einesprache.html, gesichtet am: 03.02.2016.
Firth, Will: Esperanto und Anarchismus, eine erweiterte Fassung eines von Will Firth verfassten Beitrags für das Lexikon der Anarchie, Verlag Schwarzer Nachtschatten, Plön 1998, online unter: https://www.syndikalismusforschung.info/esperantowill.htm, zuletzt gesichtet am 3.2.2016.
Heath, Nick: A short biography of the German anarchist Fritz Oerter, 2011, online unter: https://libcom.org/history/oerter-friedrich-%E2%80%9Cfritz%E2%80%9D-1869-1935; https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Fritz_Oerter; https://www.syndikalismusforschung.info/fritzoerter.htm, alle gesichtet am 21.02.2015.
https://deu.anarchopedia.org/Berthold_Cahn, gesichtet am 06.01.2016 sowie die dortige Verlinkung auf https://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=4092141&language=de, gesichtet am 17.01.2016.
Rübner, Hartmut: Anarcho-Syndikalismus in Deutschland, Stand vom 05.08.2014, online unter: https://www.geschichtevonunten.de/01_sek-lit/theorie/ruebner_as_in_d-land.htm, gesichtet am 29.01.2016.
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Autor: Kai Richarz / Erstveröffentlichung: 29.08.2019 / letztes Update: 29.08.2019