Am 10. Januar 2012 erschien folgender Artikel von Susann Winkel zur Ausstellung mit Ralf Hentrich im Meininger Lokalteil. Wir dokumentieren den Artikel und verweisen auf die Orginalquelle (Orginaltext lesen).

Zarte Radierungen im Meininger Kunsthaus

Meiningen – Oft hatte Mark Mence seinem alten Freund von der kleinen Wanderhütte auf der Hohen Maas erzählt. Der Künstler wurde neugierig auf jenen Zufluchtsort im Wald, der in den 1920er Jahren im Zuge der Meininger Arbeiterbewegung errichtet wurde. Irgendwann folgte Ralf Hentrich der Einladung und zückte beim Anblick der Bakunin-Hütte das Skizzenbuch. Einmal frontal, ein zweites Mal in der seitlichen Ansicht hält er ihn fest.

Später entstehen im Atelier in Brandenburg ein Holzschnitt und zwei Kaltnadelradierungen nach dem Natureindruck aus dem Thüringer Wald. Das Format ist klein gewählt, wie immer bei Hentrich. Eigentlich ist es mit der maximalen Seitenlänge von 20 Zentimetern schon recht üppig gewählt. Er bevorzugt das kleine, fast minimale Format. Wie er auch sonst den Blick für das Detail hat.

Drei Wochen ist die kleine Schau zu sehen, deren Blätter Landschaften, Häuser, Wege und Himmel zeigen. Selten ist es der Mensch, der mit seinen künstlichen Werken die Natur verändert, so etwa mit jenen Windrädern, deren Flügel sich im Wind über der Uckermark schleunig drehen. Meist taucht der Mensch nur als Randfigur auf, etwa in dem Stich “Mann mit Wäldchen & Hund & kein Zufall”. Die Titel der Arbeiten klingen poetisch, wenngleich nie gekünstelt. “Seeblick” oder “Kleines Nachtgewitter” steht – stets in großen Lettern – unter den Blättern. Zwischen den Stichen fallen einige Werke auf, die von der rein grafischen Qualität der anderen abweichen. “Die Technik ist alt, sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde weitgehend aufgegeben, weil sie zu kompliziert ist”, erklärt der Künstler den interessierten Eröffnungsbesuchern die Collage mit Kaltnadelradierung und aufgeklebtem Chinapapier, kurz Chine Colleé genannt.

Für den Wanderverein Bakuninhütte entdeckte Ralf Hentrich nach langer Zeit wieder den Holzschnitt für sich – Hochdruck statt Tiefdruck. Dieser Druck, ebenso wie die beiden Radierungen mit dem Meininger Motiv, sind im Kunsthaus oder über den Wanderverein erhältlich.