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DenkMal über Anarchismus nach! 2. Forschungswoche an der Bakuninhütte

7. September - 13. September

Die Geschichte der anarcho-syndikalistischen Bewegung, insbesondere der Bakuninhütte bei Meiningen, soll offen erforscht und verbreitet werden – auch von dir!

Nachdem im September 2019 bereits eine Forschungswoche an der Bakuninhütte stattfand, soll darauf aufbauend Pfingsten 2020 weiter fleißig anarchistisch geforscht werden. Informationen über die Geschichte der Hütte und erste Ansätze und Ideen zur Erforschung findest du im Text unten.

Wegen der aktuellen Pandemiesituation: VERSCHOBEN!


Geschichtlicher Rahmen
Im Laufe des 1. Weltkriegs verschlechterte sich die Versorgungslage der Bevölkerung massiv. Zu dem Hunger kam die zunehmende Unzufriedenheit mit dem Krieg. Aus dieser Gemengelage heraus entstanden pazifistische Aufrufe und spontane Streiks, denen mit enormer Repression begegnet wurde. Als im November 1918 die Matrosen in Kiel den Befehl zum Auslaufen der Flotte verweigerten, entstanden überall im damaligen deutschen Reich Arbeiter- und Soldatenräte. Die Monarchie war gestürzt und es gab die kurze Hoffnung, dass ein emanzipatorisches Gesellschaftsmodell errichtet werden könnte, was durch die sozialdemokratischen Machthaber und ihre Allianz mit den rechtsradikalen Freikorps verhindert wurde.
Der Staat war unfähig die notwendigen Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu beschaffen und zu günstigen Preisen bereitzustellen. Viele waren gezwungen, sich selbst zu helfen. Um der Not zu entkommen, kam es vielerorts zu Hamsterfahrten und Plünderungen, besonders in den Großstädten. Die damals noch junge anarchistisch-syndikalistische Bewegung entwickelte sozialverträglichere, kollektivistisch-genossenschaftliche Alternativen zur Überwindung der vielfältigen Probleme der Bevölkerung. Kollektive Ansätze wie Suppenküchen in den Städten und genossenschaftliches Wirtschaften auf dem Land entsprangen der grundsätzlichen Überzeugung, dass solidarisches Handeln zielführender sei als eigennützige, individualistische Orientierungen.

Die FAUD in Meiningen – Anfänge der Bakuninhütte
Als im südthüringischen Meiningen 1919 kriegsmüde Arbeiter*innen eine anarcho-syndikalistische Ortsgruppe gründeten, wollte niemand Geschichte machen, sondern ganz alltägliche Probleme mit emanzipatorischen Ansätzen lösen. Mit kollektiven Kräften gelang es vor genau 100 Jahren ein Stück Land zu kaufen und fünf Jahre lang zur Selbstversorgung zu bewirtschaften. Anschließend begannen die lokalen Aktivist*innen mit Hilfe überregionaler Unterstützung ein „Ferien- und Schulungsheim der anarcho-syndikalistischen Bewegung“ zu errichten. In mehreren Ausbaustufen entstand ein stattliches Stein- und Fachwerkhaus, umgeben von einer parkähnlichen Anlage. Als lokales Ausflugsziel und überregionaler Veranstaltungsort machte sich die Bakuninhütte einen bis heute erhalten gebliebenen Namen als Beispiel für eine antiautoritäre politische Praxis, bis die Nationalsozialisten auch dieser Oase der Freiheit den Garaus machten.

Die Bakuninhütte heute
Nach dem Ende der DDR meldeten viele Privatpersonen und politische Initiativen Interesse an der Nachnutzung des Hauses an. 2006 gelang es schließlich das Grundstück gemeinschaftlich zu erwerben. Im Wanderverein Bakuninhütte e.V. engagieren sich seitdem wieder zunehmend mehr Menschen für den Erhalt und die Wiederbelebung des geschichtsträchtigen Gebäudes wie auch des dazugehörigen Grundstücks. Sie initiierten vielfältige Aktivitäten, wie Wanderungen, Vorträge, Seminare sowie eine Fachtagung.
Neben der Renovierung und der Wiedernutzbarmachung von Hütte und Grundstück stehen vor allem die Erforschung und Veröffentlichung der Geschichte des Ortes im Vordergrund. Nach mehrjähriger Arbeit konnte das Gebäude im Jahre 2015 als Kulturdenkmal eingetragen werden. Aktuell geht es deshalb darum, diesen in Deutschland einzigartigen Ort in seiner Bedeutung (neu) zu entdecken: sowohl auf historischer, lokaler und überregionaler Ebene, als auch für die aktuelle Entwicklung hin zu einem basisdemokratischen Lernort in Thüringen.

Aufruf zur Forschungswoche Pfingsten 2020
Alle Interessierten sind aufgerufen, im Rahmen einer Forschungswoche Ende Mai (25.5. – 1.6.2020) gemeinsam die Geschichte(n) des Ortes zu sammeln und ggf. auch öffentlich zu machen.
Die Grundlage hierfür bietet die historische Sammlung im Vereinsarchiv der Bakuninhütte. Darum wird ein Schwerpunkt dieser Woche auf Fragen rund um das Thema der (digitalen) Archivierung liegen. Wie baut man ein eigenes Archiv auf, nach welcher Sammlungslogik, mit welchen Kategorien und mit welcher Software? Bisher besteht dieses Archiv zum Großteil nur analog. Damit potentiell interessierte Forscher*innen künftig mit dem Material arbeiten können, wollen wir die Forschungswoche nutzen, um das Vereinsarchiv sinnvoll zu digitalisieren, zu sortieren und zu verschlagworten.
Einige Originalquellen wie das Gästebuch, die Bibliothek und mehrere Dutzend historische Fotografien haben die Nazis und den real existierenden Sozialismus überlebt. Durch akribische Recherchearbeit gelang es dem Verein über Nachfahren der damaligen Benutzer*innen an einige Originale zu kommen, diese Quellen zu archivieren und zum Teil aufzuarbeiten und u.a. über die Homepage online zu stellen. Es wurden bereits zwei mobile Ausstellungen entwickelt, diverse Veröffentlichungen in unterschiedlichen Medien beschäftigen sich mit der Hütte. Zwei universitäre Abschlussarbeiten setzen sich mit der Bakuninhütte auseinander: Eine (online verfügbare) Arbeit hat damit begonnen, das historische Gästebuch auszuwerten; die zweite Arbeit beschäftigt sich aus Perspektive des Denkmalschutzes eingehend mit der Bakuninhütte.
Diese Vorarbeiten sollen aber nur die Grundlage der Erforschung der Geschichte dieses Ortes darstellen. Das dem ihm innewohnende Potential für eine anarchistische Bewegungsgeschichte soll mit einem emanzipatorischen, möglichst hierarchiefreien Projekt erforscht werden. Im Sinne einer „Geschichte von unten“ sollen möglichst viele Quellen, Stimmen, Perspektiven und Ideen mit einbezogen werden. Schließlich ist es unser Ziel, die Geschichte des Ortes (mit Fokus auf die anarchistische Nutzungsphase bis 1933) umfassend zu erforschen.
Mit diesem Aufruf wollen wir möglichst viele Interessierte, egal ob Anarchos oder Historiker*innen, Soziolog*innen oder Philosoph*innen, Archäolog*innen oder Geograph*innen, alles zusammen oder auch nichts davon, für dieses Projekt begeistern. Egal mit welchem Anspruch, wer Lust darauf hat, diese vergessene Episode der libertären Bewegung gemeinsam mit vielen anderen Menschen an einem schönen Ort wieder ans Tageslicht und ins eigene und öffentliche Bewusstsein zu rufen, soll sich angesprochen fühlen.
Die Erforschung der Geschichte dieses lange übersehenen Denkmals der anarcho-syndikalistischen Bewegung in Deutschland soll dabei nicht nur als wissenschaftliche, sondern ebenso als politische Angelegenheit verstanden werden. Ziel ist es, nicht ausschließlich irgendwelche wissenschaftlichen Papers zu produzieren, sondern vor allem wollen wir hierarchiekritische Methoden der Wissensproduktion gemeinschaftlich entwickeln und einüben.

Geschichte wird gemacht!
Der Ausspruch, dass die Geschichte immer von den Herrschenden geschrieben wird, ist mittlerweile zur Floskel verkommen. Es obliegt kritischen Individuen diesen Zustand aufzuheben und die Geschichten von Unterdrückung, Widerstand und Verfolgung nicht zu einer Fußnote der Geschichtsschreibung verkommen zu lassen. Dafür ist es unerlässlich, sich einerseits den wenig beachteten Teilen der Geschichte zu widmen, andererseits auch die verwendeten Fragestellungen, Methoden und Konzepte kritisch zu hinterfragen und hegemoniale Machtverhältnisse nicht zu reproduzieren. Emanzipatorische Bewegungen und widerständige Aktionen von Gruppen und Individuen sind wesentlicher Teil der Geschichte und lassen sich in allen Epochen nachweisen. Für das Selbstverständnis heutiger Aktivist*innen ist die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte ein wichtiger Bestandteil der Bewusstseinsbildung. Dabei gilt es, nicht in blinder Nostalgie zu schwärmen oder eigene Mythen zu (re)produzieren, sondern mit einem kritischen Blick aus dem Vergangenen zu lernen, um mit mehr Selbstbewusstsein gestärkter in aktuelle politische Auseinandersetzungen gehen zu können.

Wegen der aktuellen Pandemiesituation: Verschoben!

Wir hoffen, im Herbst 2020 weitermachen zu können! Achtet auf Ankündigungen.

Pfingsten 2020: Auf zur Bakuninhütte!
Wir rufen dazu auf vom 25.5.–1.6.2020 gemeinsam an der Bakuninhütte Ideen zu sammeln, wie dieses Forschungsprojekt angegangen werden kann. Neben Brainstorming und Ausloten gemeinsamer Ziele soll das Vereinsarchiv sinnvoll digitalisiert, sortiert und verschlagwortet werden.
Das können wir euch (bisher) als Grundlage anbieten:

  • Inputreferat zur Bakuninhütte und zum Anarcho-Syndikalismus in Deutschland
  • Inputreferat zur „Geschichte von Unten“ und Ansätzen der zeitgenössischen Archäologie
  • Zeit am Lagerfeuer und in der Hängematte etc.
  • Workshop zu den Möglichkeiten anarchistischer Wissenschaft

Was wollen wir von euch?

  • Könnt ihr euch vorstellen in der Organisation und Planung mitzuarbeiten?
  • Habt ihr Interesse in der KW 22 (25.5.–1.6. oder auch einzelne Tage!) euch an der Forschungswoche zu beteiligen? Was könntet ihr euch vorstellen einzubringen, habt ihr spezielle Kenntnisse (absolut nicht Voraussetzung!), oder hättet ihr einfach Lust eine Woche auf einem schönen Grundstück zu verbringen, mit interessierten Menschen rumzuhängen oder vielleicht kleine Reparaturen auf dem Grundstück zu übernehmen?
  • Wollt ihr per Mailverteiler über Neuigkeiten informiert werden? –> schreibt uns!
  • Habt ihr Anregungen/Ideen/Fragen? –> schreibt uns!
  • Verbreitet den Aufruf gerne auch weiter an geeignete Kanäle!

Für Anmeldungen, Kritik und Fragen schreibt uns an!
Kontakt unter: geschichtederbakuninhuette@posteo.de

Mit freiheitlichen Grüßen
AG Geschichte der Bakuninhütte

 


Siehe auch:

Details

Beginn:
7. September
Ende:
13. September
Veranstaltungskategorien:
, , ,

Veranstaltungsort

Bakuninhütte

Veranstalter

AG Geschichte der Bakuninhütte
E-Mail:
geschichtederbakuninhuette@posteo.de