Mit der Wiederentdeckung der Chorlieder des Komponisten Peter Heinrich Ortmann kehrt ein fast vergessenes Stück anarchistischer Musikgeschichte an die Bakuninhütte zurück. Eine Veranstaltung im Jubiläumsjahr 2026 verbindet diese Forschung mit der lebendigen Praxis des gemeinsamen Singens und fragt, welche Kraft diese Lieder heute noch entfalten.
Ein Gastbeitrag.
Auf dem 3. A.-Forschungstreffen an der Bakuninhütte Ende September 2021 stellte ich die wiederentdeckten Partituren des Komponisten Peter Heinrich Ortmann vor. Die Liederbücher und Originalkompositionen mit den Chorliedern mussten 1934 der Gestapo in Düsseldorf ausgeliefert werden. Erst 2017 waren handschriftliche Rekonstruktionen wiedergefunden worden, die der Komponist selbst zwischen 1945 und 1946 erstellt hatte.
Die Vorstellung des Themas im Kreis der Anwesenden geschah mit der Befürchtung, dass es nicht auf Resonanz treffen würde. Doch der Satz „Ich würde mich freuen, wenn wir im nächsten Jahr hier einige Lieder von Ortmann zusammen singen könnten“ signalisierte, dass nicht nur Tipps für die weitere Forschung angeboten wurden, sondern auch Bereitschaft zur Unterstützung, soweit dies möglich war. Zwar gab es weder 2022 noch in den folgenden Jahren die Gelegenheit, zusammen zu singen. Doch in diesem Jahr 2026, fünf Jahre nach der Äußerung dieses Wunsches, gibt es nun die Chance dazu: Ulrich Klan – derjenige, der 1986 überhaupt erst die „Freie Sängergemeinschaft Deutschland“, ihre Komponisten und das Liedgut mit Hilfe von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen entdeckt, dokumentiert und geschichtlich verortet hat – ermöglicht voraussichtlich am 12. September dieses Jahres an der Bakuninhütte das gemeinsame Singen von Ortmanns und anderen Liedern.
Seit 2014 ist das Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung immaterielles Kulturerbe. In dieser Form ist es Teil der Erinnerungskultur. Das Singen unter dieser Überschrift hat auch seinen Sinn. Doch erfüllt es heute einen anderen Zweck als zu den Zeiten, als es selbst noch Teil der historischen Arbeiterbewegung war: Es dient vor allem dazu, verschüttete Traditionen hörbar zu machen, historische Erfahrungen zu vermitteln und kollektive Erinnerung praktisch erfahrbar werden zu lassen.
Was die Bakuninhütte betrifft, gab es immer mal wieder Anfragen, ob diese Lieder nicht auch auf der Wanderschaft gesungen werden könnten. Doch bei manchen mehrstimmigen Liedern trägt nicht die Sopranstimme die Melodie. Auf der Veranstaltung könnten solche Probleme derer, die als musikalische Laien einen Zugang zu der Musik suchen, den anwesenden Musiker, Komponisten und Chorleitern vorgetragen werden.
